„Die Karriereleiter hinaufklettern“ oder „Kaminkarrieren“ sind Sinnbilder für einen stringenten, vertikalen Werdegang. Ein Arbeitnehmer* nimmt im Laufe seiner beruflichen Karriere vom Abschluss der Ausbildung bzw. des Studiums nach und nach den nächsten Schritt – in der Regel hin zu mehr Verantwortung und einem höheren Gehalt. Dieses Bild gehört in den meisten Berufsbildern jedoch schon länger der Vergangenheit an.

Unsere Welt wird immer digitaler. So ändert sich auch das Bild von Beruf und Karriere. Die harten Grenzen verschiedener Jobbilder verschwimmen mehr und mehr, Unternehmen und Aufgaben richten sich globaler aus. Begriffe wie „New Work“, „Digitalnomaden“, „Crowdsourcing“ und „virtuelle Assistenzen“ prägen unsere Arbeitswelt.

Status quo – was dieser Wandel für die Workforce von morgen bedeutet

Schon im nächsten Jahr soll die Generation Y 50 Prozent der Workforce ausmachen, die Generation X immerhin schon 40 Prozent der Konsumenten und somit ändert sich zukünftig auch dementsprechend der Arbeitnehmer. Wir erleben also nicht nur ein Verschwimmen von Jobbildern, sondern auch von Wertesystemen und Ansprüchen an Arbeitgeber und Arbeitnehmer. In diesem Generationenmix unterscheidet sich die Definition von Karriere enorm. Arbeitgeber stellen andere Anforderungen an Mitarbeiter, die Karriere machen wollen – und auch umgekehrt.

Worin sich beide einig sind: Flexibilität, Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit/-entwicklung stehen weit oben bei den geforderten Kompetenzen. In immer schnelllebigeren, globaleren und volatilen Märkten setzen Arbeitgeber vor allem auf Veränderungsbereitschaft. Dazu gehört beispielsweise die Eigenschaft von Mitarbeitern, sich schnell in unterschiedlichen Teams zurechtfinden zu können und eine lebenslange Lernbereitschaft bzw. -fähigkeit, so der aktuelle Hays HR-Report.

Wenn Sie sich also weiterentwickeln und „Karriere machen“ möchten, egal nach welcher Definition, ist es wichtig, nicht nur an Ihren nächsten, sondern auch an den zweiten und dritten Schritt Ihrer Laufbahn zu denken. Denn Laufbahnen können auch horizontal, zum Beispiel als Portfoliokarriere, verlaufen.

 

Ist meine „Karriere“ überhaupt planbar?

Mindestens zu 50 Prozent sei dies der Fall, so Gudrun Happich, Führungskräftecoach, im Handelsblatt. Verschiedene andere Karrierecoaches sind ähnlicher Meinung. Nur, weil Sie Ihre Karriere nicht länger an einem festen Zeitstrahl entlang ausrichten können, bedeutet das nicht, dass Sie diesen wichtigen Teil Ihres Lebens ungeplant lassen sollten.

Vielmehr sollten Sie sich überlegen, was Ihr langfristiges Ziel ist und welche Fähigkeiten Sie bereits mitbringen. Welche Rahmenbedingungen benötigen Sie, um erfolgreich zu werden? Gibt es Wege, die Sie keinesfalls einschlagen möchten?

Setzen Sie sich anhand dieser Fragen Leitplanken für Ihren Karriereweg und bewegen Sie sich flexibel innerhalb dieser Seitenlinien. Vor allen Dingen gilt jedoch: Denken Sie in Chancen, nicht in Problemen!

Machen Sie sich zum Beispiel Gedanken, ob Sie fehlende Fähigkeiten in einer Weiterbildung erlernen können – arbeitgebermotiviert oder auch eigeninitiativ. Oder bieten Sie an, an einem herausfordernden Projekt mitzuarbeiten. Absolvieren Sie auch während des Studiums schon verschiedene Praktika und nehmen Sie Werkstudenten-Tätigkeiten an.

Wachsen Sie mit Ihren Aufgaben und haben Sie vor allem keine Angst davor, nach vermeintlich zu kurzer Zeit den Arbeitgeber zugunsten Ihres Zieles zu wechseln. Egal, was Kollegen gegebenenfalls sagen, denn – Sie erinnern sich – die Definition von Karriere ändert sich und wird flexibler.

Exkurs: die Portfoliokarriere

Hier möchte ich einen kurzen Exkurs starten: Was können Sie unter einer Portfoliokarriere verstehen und wie können Sie hiermit erfolgreich werden? Auch wenn einige Ihrer Kollegen oder Ihr Umfeld vielleicht mit Unverständnis über Ihren „fehlenden“ Aufstieg reagieren.

Eine Portfoliokarriere verläuft in der Regel unkonventioneller als ein klassischer Karriereweg. Und wie der Name schon sagt, setzt sie sich aus verschiedenen, kurzfristigeren Rollen in unterschiedlichen Funktionen und gegebenenfalls sogar Branchen zusammen; oftmals auch im Nebengewerbe.

In vielen Fällen zugunsten einer gesunden Work-Life-Balance und der persönlichen Weiterentwicklung. Hierzu nutzen viele Arbeitnehmer die Möglichkeit temporär ausgeschriebener Stellen oder werden vom Arbeitnehmer gar zum Selbständigen* bzw. Freiberufler*, um ihrer Passion Rechnung zu tragen. So können teils auch mehrere Projekte parallel verlaufen.

Was nun sehr konfus und nach „Jobhopping“ klingt, ist aber durchaus sinnvoll. Achten Sie darauf, Ihr Portfolio dennoch sinnvoll und auf Ihr Ziel hin auszurichten. Manchmal mag es auch sinnstiftend sein, ein Projekt oder eine befristete Anstellung anzunehmen, bei der Sie gleich oder sogar etwas weniger als im vorangegangenen Projekt verdienen.

Das ist dann ein logischer Schritt, wenn Sie dabei für die Zukunft wichtige technische oder auch Soft Skills erlernen können. Außerdem bieten jedes Projekt und jeder Job die Möglichkeit, Ihr Netzwerk auszubauen und sich so am Markt zu positionieren.

 

Welche Hemmnisse kann es geben und wie gehe ich damit um?

Eine der größten Herausforderungen, die Sie bei Ihrer Karriereplanung haben werden, ist, sich von Ihren eigenen Vorstellungen loszulösen. Fast jeder von uns hat ein Bild von dem scheinbar perfekten Weg hin zur Traumkarriere. Ihm zu folgen kann aber auch bedeuten, Chancen zu verpassen, die sich auftun.

Die Fokussierung auf den einen „korrekten“ Weg sollten Sie aufbrechen und sich mit Flexibilität eher auf Ihr langfristiges Karriereziel fokussieren. Karrierewege verlaufen selten geradlinig und vielleicht sind Sie sogar schon – im Nachhinein betrachtet – teils mit erheblichen Umwegen zu Ihrem Ziel gelangt.

Eine weitere Annahme, von der Sie sich verabschieden sollten, lautet: „Weiterbildung ist Arbeitgebersache“. Der finanzielle Invest in Fortbildungen sinkt bei Arbeitgebern und knapp zwei Drittel der Arbeitnehmer gehen das Thema Weiterbildung privat an. Lebenslanges Lernen ist eine Grundvoraussetzung, um in Zukunft erfolgreich zu werden und es auch zu bleiben. Warten Sie nicht, bis Ihr Arbeitgeber eine passende Weiterbildung anbietet. Fordern Sie diese ein oder führen Sie zielführende Fort- und Weiterbildungen in Eigenregie durch.

Fehlende Kontakte oder auch ein zu hoher administrativer Aufwand können weitere Hemmnisse sein, Ihre horizontale Karriere zu verfolgen. Hier gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Zum einen gibt es einige renommierte Auftragsbörsen, in denen Sie Ihre Services anbieten und nach Projekten suchen können. Dies funktioniert selbstverständlich auch über soziale Netzwerke wie Xing oder gar Gruppen auf Facebook.

Eine weitere Möglichkeit sind Personaldienstleister, die für Sie sowohl (temporäre) Anstellungen vorschlagen als auch freiberufliche Projekte akquirieren. Damit reduziert sich Ihr administrativer Aufwand zugleich enorm.

Fazit

Eine Karriere ist etwas sehr Persönliches und keiner kann Ihnen sagen, was der beste Weg für Sie ist. Wenn Sie sich bewusst sind, was Sie von Ihrer Karriere erwarten, können Sie diese frei und flexibel gestalten. Wer glücklich in seinem Job ist – sei er vielleicht auch auf Projektbasis und daher zeitlich befristet –, wird eine bessere Leistung erbringen und langfristig erfolgreich sein.

Auch wenn wir Ihnen die Entscheidung nicht abnehmen können, welches Karriereziel für Sie das richtige ist, können wir Sie mit Tipps auf Ihrem Weg begleiten. Schauen Sie gerne in unserem Karrierecenter vorbei und lesen Sie mehr zu Themen rund um Beruf und Karriere.

 

*Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Beitrag die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller drei Geschlechter.

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