Es ist vermaledeit: Immer mehr Menschen arbeiten in Projekten, verlassen dafür – wenigstens teilweise – ihr Organigramm-Kästchen mitsamt ihrer klassischen Jobbeschreibung. Und erleben dann, dass viele Projekte den Bach hinuntergehen. Laut unserer neuen Ambidextrie-Studie, für die wir 226 Führungskräfte befragt haben, scheitert jedes fünfte Projekt.

Tendenz steigend: Wir hatten die gleiche Studie vor drei Jahren schon einmal durchgeführt und da war die Scheitern-Rate ungleich geringer. (Studie "Von starren Prozessen zu agilen Projekten - Unternehmen in der digitalen Transformation").

 

Am Projektalltag zerschellen Ziele von oben

Weshalb dem so ist? Da lässt sich einiges vermuten, z. B. dass wir ungeschminkter kommunizieren und sich die Quote der offiziell gescheiterten Projekte der der stillschweigend beerdigten Projekte anpasst. Wobei die letztgenannten immer noch über eine hohe Dunkelziffer verfügen. Eine zweite Hypothese: Die Digitalisierung jagt unsere Organisationen vor sich her, die Zahl der Projekte steigt und in der Hektik geht einiges „über den Jordan“.

Worauf sich diese letzte Aussage stützt? Auf den empirischen Befund unserer Studie: Projekte scheitern vor allem an einer unrealistischen Planung. Und auch, weil es keine klaren Projektziele gibt. Oder, noch schlimmer, gar keine. Der drittwichtigste Grund ist, dass wichtige Entscheidungen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag aufgeschoben werden.

Projekte werden wahllos aufgesetzt

Dies weist alles darauf hin, dass Projekte mit „heißer Nadel“ gestrickt werden. Schnell, schnell, der Markt drängelt, die digitale Disruption klopft das eigene Geschäftsmodell weich. Dann werden auf den oberen Ebenen Projekte initiiert, ohne die garstige Realität der eigenen Organisation zu reflektieren. Die traurigen Tiefen der zähen Ebene. Siehe die bestehenden IT-Landschaften. Wunsch trifft Wirklichkeit. Wenn dann den Projektinitiatoren nicht kommuniziert wird, dass es knirscht, ist die Malaise perfekt und muss dann monatelang über PowerPoint-Präsentationen glattgebügelt werden. Erst recht, wenn alle Beteiligten in Sachen klare Zielvorgaben im Nebel stochern.

Ein gemeinsames Zielbild ist das A und O

Was guttun würde, wissen die Befragten auch: Es bedarf eines gemeinsamen Zielbildes aller Beteiligten. Und natürlich sollten alle Anwender frühzeitig eingebunden werden und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten sollte ständig fließen. Gerade diese Erfolgsfaktoren sind jedoch am schwierigsten umzusetzen, wie die Befragten selbstkritisch feststellen.

Mut zur Lücke ist angesagt

Mein bescheidener Rat zur Güte: Was wir zu Beginn eines Projektes versäumen, - gemeinsam und allein denken, viele Akteure einbinden – rächt sich später doppelt und dreifach. Statt die Lage realistisch zu analysieren, mit Leuten zu diskutieren, die sich auskennen, vermessen wir Projekte Ingenieur-like Zentimeter für Zentimeter. Dass wir dann nach einem fulminanten Start Gefahr laufen, zu scheitern, ist bei solch einem Vorgehen naheliegend. Auch die Welt der Projekte lässt sich nicht mehr von A bis Z planen. Mut zur Lücke ist stattdessen angesagt.

Kommunikative Fähigkeiten sind gefragt

Dazu passt mein zweiter, zugegeben trivialer Rat: Nicht, dass Projekte immer so plural wie möglich aufgestellt werden sollten. Das versteht sich im digitalen Zeitalter von selbst. Sondern dass nicht allein die harten Kompetenzen entscheiden, wer in Projekten mitmachen darf, sondern genauso die mentalen und kommunikativen Fähigkeiten. An deren Fehlen scheitern Projekte eher als an mangelndem Wissen.

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