Unser Leben wird niemals mehr so sein wie zuvor. Das ist meiner Ansicht nach nicht übertrieben, sondern Fakt. COVID-19 hat unsere Welt innerhalb von wenigen Wochen komplett auf den Kopf gestellt.

Wenn man sich vor Augen führt, welches Ausmaß die Situation angenommen hat und mit welcher Geschwindigkeit sich die Ereignisse überschlagen, ist es doch relativ sicher, dass wir zu unseren Lebzeiten so etwas nicht noch einmal erleben werden. Es fühlt sich so an, als ob kein Weg mehr zurück in das Leben vor der Krise führt – es gibt nur noch davor und danach.

Die Pandemie hat uns alle mehr oder weniger dazu gezwungen, zahlreiche Aspekte unseres Lebensalltags kritisch zu hinterfragen. Wir beschäftigen uns mehr damit, was in unserem Leben und unserem Umfeld wirklich wichtig ist. Wir hinterfragen altbewährte Gewohnheiten, Routinen und Werte, sowohl in unserem privaten als auch in unserem beruflichen Alltag. In diesem Zusammenhang erleben wir alle eine noch nie da gewesene Zeit der umfassenden Selbstreflexion, die innerhalb kürzester Zeit beispiellose Veränderungen mit sich gebracht hat.

Für Kunden und Unternehmen wird nichts mehr so sein, wie es war

Die COVID-19-Pandemie hat unser Verhalten als Konsumenten verändert. Auch als Unternehmen müssen wir mit diesen Veränderungen mitgehen, wenn wir die Krise überstehen und auch in der Zeit danach weiter wachsen möchten. Jedes Land auf der Welt befindet sich in einem anderen Stadium der Pandemie und viele Unternehmen haben Schwierigkeiten damit, sich mit dem Hier und Jetzt zu arrangieren oder gar über künftige Auswirkungen zu spekulieren.

Allerdings ist es wichtig, dass wir uns eher früher als später mit der Zukunft auseinandersetzen. Einfach davon auszugehen, dass alles wieder so wird wie am Jahresanfang, vor der Krise, wäre naiv und vielleicht sogar katastrophal. Ich für meinen Teil bin fest davon überzeugt, dass sich viele Aspekte unseres Lebens grundlegend und dauerhaft verändern werden.

Überlegter und stufenweiser Ansatz für die sichere Rückkehr zum Arbeitsplatz

Viele Länder weltweit gehen nun langsam dazu über, die verhängten Einschränkungen nach und nach zu lockern. Auch Führungskräfte weltweit müssen auf die neue Ära reagieren und eine Planung für die kommende Zeit aufstellen. Ich wünschte, wir könnten einfach einen Schalter umlegen und die Zeit um ein paar Monate vordrehen, um zu sehen, was uns erwartet, aber das geht natürlich nicht. Wir müssen uns also im Hier und Jetzt damit auseinandersetzen, wie die nächsten Schritte aussehen. 

Es zeichnet sich allerdings jetzt schon ab, dass sich der Weg zurück in die Arbeitswelt sehr langsam vollziehen wird. Studien zufolge müssten die Fallzahlen des Virus bei fast 0 liegen und ein Impfstoff müsste verfügbar sein, bevor sich die Menschen wieder ohne Sorgen in der Öffentlichkeit bewegen können – und das ist mehr als verständlich. Unsere Aufgabe als Führungskräfte besteht darin, diese Sorgen und Ängste abzumildern, indem wir unsere Pläne für die Zeit danach klar, offen und an alle kommunizieren. Dabei gilt es, die individuellen Umstände der Mitarbeiter auf allen Ebenen möglichst umfassend zu berücksichtigen. 

 

Gleichzeitig ist dies ein sehr heikles Thema, bei dem sowohl gesundheitliche als auch wirtschaftliche Folgen nie da gewesenen Ausmaßes zusammenkommen. Für uns alle ist diese Situation völlig neu. Meine oberste Priorität in meinem Unternehmen besteht darin, dass bei all unseren getroffenen Maßnahmen die Sicherheit unserer Mitarbeiter an erster Stelle steht. Wir wollen unseren Angestellten gleichzeitig ihre Sorgen nehmen und das Infektionsrisiko möglichst gering halten.

Dies bedeutet, dass wir bei der Rückkehr zum Arbeitsplatz höchstwahrscheinlich einen stufenweisen Ansatz verfolgen werden, der je nach Situation im Einzelfall auch ganz unterschiedlich ausfallen kann. Viele Mitarbeiter in unterschiedlichen Funktionen werden sich vermutlich dafür aussprechen, ihre Arbeit weiterhin zumindest teilweise oder sogar vollständig aus dem Homeoffice zu erledigen, denn sie haben in diesen Tagen ihre Produktivität zu Hause unter Beweis gestellt. An diesem Beispiel wird bereits deutlich, welche Veränderungen die COVID-19-Pandemie in der Arbeitswelt anstoßen wird.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es natürlich noch viele offene Fragen. Wir müssen nun als globale Wirtschaftsgemeinschaft enger zusammenrücken und unsere Ansätze und Pläne austauschen, um eine schrittweise, sichere Strategie für den Weg zurück an den Arbeitsplatz zu entwickeln – wo auch immer sich dieser Arbeitsplatz konkret befinden wird. 

Um die Diskussion anzustoßen, möchte ich zunächst auf einige praktische Fragen eingehen, mit denen ich mich persönlich und mit den Kollegen in unserem Führungsteam beschäftige. Hier geht es vor allem darum, wie wir unsere Mitarbeiter in der Übergangsphase in naher Zukunft unterstützen können.

  • Müssen wir unsere Arbeitsplätze neu gestalten, sodass Abstandsregelungen problemlos eingehalten werden können, sollten diese für einen längeren Zeitraum nötig sein? Wie gehen wir mit gemeinsam genutzten Arbeitsbereichen oder Co-Working-Spaces um?
  • Sollte die Rückkehr zum Arbeitsplatz stufenweise erfolgen? Alle unsere Mitarbeiter gehen mit dieser Krise auf unterschiedliche Art um. Einige müssen Kinderbetreuung oder die Pflege von hilfsbedürftigen Personen mit ihrer Arbeit unter einen Hut bringen. Und während manche mit den Kontakt- und Abstandsregelungen gut zurechtkommen, ist dies bei anderen wiederum nicht der Fall. Daher müssen wir uns überlegen, ob wir die Rückkehr zum Arbeitsplatz für unsere Mitarbeiter persönlich und je nach Einzelfall individuell gestalten.
  • Welche zusätzlichen Maßnahmen werden wir ergreifen, um die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter (und deren Angehörigen) zu gewährleisten, bei denen wegen ihres Alters oder aufgrund von Vorerkrankungen ein höheres Risiko besteht?
  • Muss bezüglich Arbeitszeiten, Pausen und Meetings ggf. ein zeitlich versetzter Ansatz verfolgt werden, damit die Abstandsregelungen und Kontaktbeschränkungen eingehalten werden können? Müssen Beschränkungen für bestimmte Bereiche wie Parkhäuser, Flure, sanitäre Anlagen und Empfangsbereiche festgelegt werden? Wie und wann wird dies in der Praxis umgesetzt?

 

  • Werden wir möglicherweise alle Personen testen, inklusive Mitarbeitern, Lieferanten und Besuchern? Welche Maßnahmen werden zur Überwachung und Meldung getroffen und wie gehen wir damit um, wenn jemand Symptome aufweist?
  • Vielen Mitarbeitern bereitet die eventuelle Rückkehr an den Arbeitsplatz große Sorgen. Wie können wir die Bedenken behutsam und proaktiv ausloten und diese Mitarbeiter kurzfristig unterstützen? Die persönliche Gesundheit und Hygiene sind stark in den Fokus des Interesses gerückt. Wie können wir als Arbeitgeber eindrücklich vermitteln, dass uns diese Aspekte ebenfalls am Herzen liegen?
  • Wie können wir die Bedenken unserer Mitarbeiter berücksichtigen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind und diese momentan nicht nutzen möchten oder können?
  • Gehören gemeinsam genutzte Gegenstände und Geräte oder Hot Desking der Vergangenheit an?
  • Dürfen unsere Mitarbeiter Kunden und Lieferanten vor Ort besuchen? Oder sollten wir persönliche Interaktionen auf ein Mindestmaß beschränken und stattdessen verstärkt auf virtuelle Meetings setzen? Wie gehen wir mit Besuchen bei uns im Haus um? Welche Zielsetzungen können wir für künftige Änderungen an diesen Regelungen ins Auge fassen?
  • Wie wird die regelmäßige Reinigung und Desinfektion unserer Arbeitsplätze gewährleistet? Wie stellen wir sicher, dass die Handhygiene ordnungsgemäß umgesetzt wird und alle Mitarbeiter Zugang zu Schutzmasken und Handschuhen haben?
  • Wie gehen wir damit um, wenn sich Mitarbeiter nicht an die Regeln halten?
  • Welchen Notfallplan haben wir für den Fall, dass es in einer unserer Regionen zu einer zweiten Infektionswelle kommt? Oder für den Fall, dass es in einer unserer eigenen Niederlassungen einen Verdachtsfall gibt? 

Die Liste ist lang – und da jeden Tag neue Aspekte hinzukommen, wird sie immer länger.

Die Krise bietet uns Zeit zur Reflexion – diese sollten wir sinnvoll nutzen

Wie bereits zuvor angedeutet, scheint es eine vorschnelle Tendenz zu geben, so schnell wie möglich wieder „zur Normalität zurückzukehren“. Diese so genannte Normalität wird nach der Krise jedoch völlig anders aussehen als zuvor. Was wir alle in der Vergangenheit als ganz „normal“ hingenommen haben, wird sich mit und nach der Pandemie grundlegend und für immer verändern. Das Problem besteht darin, dass wir alle noch nicht wirklich abschätzen können, wie sich diese neue Normalität gestalten wird – und diese Unsicherheit wird uns unter Umständen noch eine Weile begleiten.

Wir als Führungskräfte stehen zunehmend unter Druck, unsere Unternehmen auf die neuen Gegebenheiten vorzubereiten. Ich würde allerdings davon abraten, vorschnell langfristige Entscheidungen zu treffen – denn aktuell ändert sich die Lage von Tag zu Tag.

Absurderweise hat diese Krise uns allen mehr Zeit zum Nachdenken und zur Selbstreflexion verschafft. Die Welt, wie wir sie kennen, steht momentan still. Trotz aller Eile, wieder in den gewohnten Alltag zurückzukehren, haben wir aktuell auch die Chance, uns etwas Zeit für Reflexion und zum Nachdenken zu nehmen. Denn in unseren Unternehmen und der Geschäftswelt wird sich sicherlich einiges ändern – und diese Veränderungen müssen wir mit Bedacht angehen.

 

In unserem Alltag vor der Krise zählte Zeit mitunter zu den begehrtesten Gütern. Wir alle waren ständig gehetzt, immer mit scheinbar dringenden Angelegenheiten beschäftigt. Wichtige Themen wurden teilweise auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben, da sie entweder mit viel Arbeit verbunden waren oder keine schnell sichtbaren Ergebnisse lieferten. Ich frage mich, wie viele von uns diese Eile einfach auf ihre Arbeit im Homeoffice übertragen und wie viele innehalten und sich tatsächlich damit auseinandersetzen, was genau sie tun und ob es möglicherweise einen besseren Weg gibt.

Daher mein eindringlicher Rat: Nutzen Sie diese Gelegenheit. Sehen Sie die Krise als eine Chance, um sich einigen schwierigen Fragen zu stellen und Ihr Unternehmen zukunftssicher zu machen. Nutzen Sie die Zeit, um über die kurzfristigen betrieblichen Fragen, auf die wir zuvor bereits eingegangen sind, hinauszudenken. Überlegen Sie sich, wie sich die Welt verändern wird und wie Ihr Unternehmen individuell auf diesen tiefgreifenden und beispiellosen Wandel reagieren kann und muss.

Denken Sie außerdem darüber nach, welche Aspekte der „Normalität vor der Krise“ Sie beibehalten möchten und aus welchem Grund und welche Aspekte Sie lieber über Bord werfen möchten. Natürlich ist die Situation beängstigend, da wir nicht wissen, was uns künftig erwartet. Uns allen fällt es schwer, mit bewährten Praktiken und Vorgehensweisen zu brechen. Aber seien wir ehrlich, die Mehrheit aller Unternehmen muss künftig mit einem neuen Produkt oder Service aufwarten, sich einen neuen Markt erschließen, neue Ansätze verfolgen, die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern und Aktionären neu gestalten, neue Erfolgskennzahlen entwickeln und vieles mehr. Welche Rolle spielen also altgediente Ansätze, wenn sich die Zukunft so völlig anders gestaltet als erwartet?

Auf dem Weg in eine völlig neue Arbeitswelt – was wird sich ändern?

Das ist eine sehr wichtige Frage, über die in den nächsten Jahren sicherlich viele Sachbücher und Whitepapers erscheinen werden und die uns in vielen Vorträgen und Webinaren beschäftigen wird. Wie bereits erwähnt, bin ich fest davon überzeugt, dass das „Vor der Krise“ und „Nach der Krise“ sowohl in persönlicher als auch beruflicher Hinsicht unseren Alltag in enormem Maße prägen wird.

Obwohl es bereits zahlreiche Präsentationen gibt, in denen Experten ihre Vorhersagen zu künftigen Entwicklungen vorstellen, ist es nur schwer bis gar nicht abschätzbar, wie sich diese Pandemie auf unsere Zukunft auswirken wird. Ich möchte mich an solchen Vorhersagen nicht beteiligen – auch ich kann natürlich nicht mit absoluter Sicherheit vorhersagen, welche Veränderungen künftig auf uns alle zukommen werden.

Daher möchte ich auf allgemeinere Fragen eingehen, mit denen ich mich auseinandersetze, um die wahren Auswirkungen dieser Pandemie auf mein Unternehmen zu verstehen. So können Sie sich eventuell einen Überblick darüber verschaffen, welche Veränderungen in Ihrem Unternehmen angestoßen werden müssen.

 

Hier also meine Überlegungen:

1.) Im Zuge der Krise wird sich das Verhalten unserer Kunden ändern – und auch für unsere Unternehmen bringt dies Veränderungen mit sich. Wir müssen uns schnell genug anpassen, um für unsere Kunden relevant zu bleiben. Viele innovative Unternehmen haben bereits eindrücklich unter Beweis gestellt, dass eine 180°-Kehrtwende innerhalb kürzester Zeit möglich ist. Experten aus der Formel 1 wirken mit ihrem Fachwissen beispielsweise bei der Entwicklung von Beatmungsgeräten mit, während Burberry die Produktion auf medizinische Schutzkittel umgestellt hat. Lehrer halten virtuelle Unterrichtsstunden, Restaurants stellen über Nacht vollständig auf Lieferservice um und zahlreiche KMU haben ihr Geschäftsmodell komplett auf den Kopf gestellt, um ihr Umfeld in dieser schwierigen Zeit bestmöglich zu unterstützen. Laut  Maggi Evans „ist schon seit langem bekannt, dass eine Krise bzw. ein Gefühl der Dringlichkeit ein wichtiger Katalysator für Veränderung und Kreativität sein kann“. Das ist auch bei dieser Krise der Fall. Müssen wir also unsere Geschäftsmodelle und unsere strategischen Schwerpunkte überdenken? Wie werden sich die Anforderungen, Bedürfnisse und Erwartungen im Zuge der Pandemie verändern? Welche Auswirkungen hat dies auf unsere Mitarbeiter und die von uns bereitgestellten Dienstleistungen? Wird der übergeordnete Unternehmenszweck, der all unserem Handeln zugrunde liegt, auch in Zukunft Bestand haben? Wie wird sich der Wandel auf unsere Personalplanung auswirken? Ist mit einem Fachkräftemangel zu rechnen, auf den wir uns vorbereiten müssen? Wird es maßgebliche Veränderungen bei bestehenden Stellen geben? Müssen neue Stellen geschaffen werden?

2.) Innerhalb weniger Wochen haben nahezu alle Unternehmen weltweit in kürzester Zeit eine riesige Infrastruktur auf den Weg gebracht, damit ihre Mitarbeiter ihre Arbeit auch von zu Hause aus erledigen können. Das ist eine herausragende Leistung, die durchaus honoriert werden muss. Wer hätte vor der Krise schon gedacht, dass dies überhaupt möglich wäre? Es ist einfach unglaublich. Werden diese fortschrittlichen Infrastrukturen beibehalten und weiterentwickelt, um künftig eine solidere und einheitliche Basis für die Remote-Arbeit zu schaffen? Falls ja, welche Auswirkungen wird dies auf die Einstellung, Einarbeitung, Weiterbildung und die Leistungsbeurteilung unserer Mitarbeiter haben? Welche Aspekte sind bei der Planung von Arbeitsplätzen zu berücksichtigen, wenn Mitarbeiter nicht an fünf Tagen die Woche vor Ort arbeiten müssen? Der wichtigste Punkt ist allerdings, wie wir einen starken Zusammenhalt in unserem Unternehmen fördern können, wenn zahlreiche unserer Mitarbeiter nicht vor Ort sind.

 

 

3.) Automatisierung und Digitalisierung schreiten in vielen Branchen immer schneller voran – und viele Unternehmen planen, ihre Aktivitäten in diesen Bereichen künftig anzukurbeln. In einer Umfrage von EY gaben 41 % aller Befragten an, dass sie für die Zeit nach der Krise verstärkt darin investieren werden, die Automatisierung schneller voranzutreiben. Wie genau wird sich dieser Trend manifestieren und welche Auswirkungen wird dies auf die Aufgaben und Kompetenzen in unserem Unternehmen sowie bei unseren Kunden haben? Wird sich etwas an der Bereitstellung unserer Leistungen ändern? Es zeichnet sich klar ab, dass sich das Verbraucherverhalten im Zuge der Pandemie ändern wird. Viele Verbraucher bevorzugen digitale Services anstelle von persönlichen Interaktionen, wie auch in diesem Artikel in der Financial Times beschrieben.

4.) Es war bewegend zu sehen, mit welcher Dankbarkeit Mitarbeitern in so genannten systemrelevanten Berufen begegnet wurde. Bis noch vor wenigen Wochen arbeiteten sie weitgehend hinter den Kulissen und ihre Arbeit wurde in der Regel als selbstverständlich angesehen und nicht genügend wertgeschätzt. Diese Krise hat uns allen vor Augen geführt, welch zentrale Rolle diese systemrelevanten Berufe in unserer Gesellschaft spielen. Diese Menschen haben die denkbar wichtigsten Aufgaben, die man sich vorstellen kann – sie retten u. a. das Leben ihrer Mitmenschen und setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel. Neben Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich gilt dies auch für Mitarbeiter der öffentlichen Abfallunternehmen, für Abfallunternehmen, für Reinigungspersonal, für Supermarktmitarbeiter, Lkw- und Busfahrer und viele weitere. Werden wir im Zuge dieser Krise also hinterfragen, welche Arbeitsstellen für unsere Gesellschaft tatsächlich am wichtigsten sind? 

5.) Mit dieser Krise werden die langjährigen Werte, Verhaltensweisen und Perspektiven vieler Menschen über Bord geworfen. Laut Reuters kam eine in China durchgeführte Studie zu dem Schluss, dass „der Coronavirus-Ausbruch zu einer Veränderung der persönlichen Einstellung vieler Menschen geführt hat. Anstelle von individualistischen Verhaltensweisen steht nun die Anerkennung des Beitrags von anderen weitaus mehr im Vordergrund.“. Wie wird sich dies auf die Wahrnehmung der Arbeitswelt auswirken? Werden die Menschen verstärkt in Unternehmen mit nachhaltigen Werten und in sinnstiftenden Tätigkeiten arbeiten wollen?

6.) Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums konnten mehr als 1 Milliarde Schüler und Studenten im März 2020 ihre Schulen bzw. Universitäten nicht besuchen. Je nach Dauer der Krise stellt sich daher die Frage, ob diese Unterbrechung im Bildungswesen langfristig gesehen zu einem Fachkräftemangel in unseren Unternehmen führen könnte? Was können wir tun, um dem entgegenzuwirken? Auch vor COVID-19 gab es weltweit einen Fachkräftemangel sowie Probleme bei der Weiterbildung. Angesichts der steigenden Massenarbeitslosigkeit in vielen Ländern und einer zusätzlichen Verschiebung der erforderlichen Kompetenzen in vielen Unternehmen müssen wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wie wir Mitarbeitern die erforderlichen Weiterbildungsmöglichkeiten bieten, sodass sie ihre berufliche Laufbahn auf die neuen Gegebenheiten ausrichten können.

 

7.) Was tun wir, um die zahlreichen positiven Beiträge von Menschen anzuerkennen, die in dieser Krise ein herausragendes Engagement gezeigt und einen echten Mehrwert erbracht haben? Vor der Krise sind diese Mitarbeiter vermutlich eher in der Masse untergegangen. Was können Sie also tun, um ihre Leistung wertzuschätzen und sie in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen? Werden sich mit der Krise unsere traditionellen Maßstäbe für die Wertschöpfung in unseren Unternehmen ändern?

8.) Die Krise hat uns allen vor Augen geführt, dass große und scheinbar unvorstellbare Ereignisse möglich sind – und sich auch jederzeit, wenn auch in anderer Form, erneut ereignen können (z. B. Cyberangriffe oder Umweltkatastrophen). Was können wir also tun, um unsere Produkte, Services und Arbeitsplätze vor diesem Hintergrund zukunftssicher zu machen? Wie können wir als Führungskräfte eine agile, adaptive, gemeinschaftliche und zuverlässige Arbeitsumgebung für unsere Mitarbeiter sicherstellen? Wie sollte die Kapitalstruktur unseres Unternehmens aussehen und wie sollte sich das Verhältnis zwischen allen Beteiligten (d. h. Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und unserem Arbeitsumfeld) gestalten? 

9.) In der aktuellen Zeit haben viele unserer Mitarbeiter mehr Autonomie in der Gestaltung ihrer Arbeit. Sie können ihre routinemäßige Arbeit so ausüben, dass sie perfekt auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Wie können wir an diesem positiven Trend auch künftig festhalten, sodass Mitarbeiter ihr volles Potenzial entfalten können? In einem Artikel des Harvard Business Review wird dies folgendermaßen zusammengefasst: „Arbeitsplätze stehen im Mittelpunkt unserer Arbeitswelt. Für Führungskräfte bietet sich nun die noch nie da gewesene Gelegenheit, die Arbeitswelt neu zu gestalten und ihren Mitarbeitern neue Verantwortlichkeiten zu übertragen. So kann den sich ändernden Anforderungen von Unternehmen, Kunden und Mitarbeitern viel besser begegnet werden.“

 

Die Auswirkungen dieser Krise werden von Unternehmen zu Unternehmen natürlich völlig unterschiedlich ausfallen – und eine konkrete Vorhersage lässt sich nur schwer treffen. Momentan ist die Welt von einer hohen Volatilität und Unsicherheit geprägt. In manchen Branchen kommt es zu einem regelrechten Auftragsstau, wie z. B. in der Kosmetikindustrie, bei Zahnärzten oder in manchen Einzelhandelssparten. In anderen Branchen zeichnet sich allerdings ein ganz anderes Bild ab, wie Erik Gordon, Professor an der Ross School of Business der University of Michigan berichtet.

Auch wenn im Augenblick nichts wirklich sicher ist: Einer Sache können wir gewiss sein, nämlich, dass es immer ein Morgen gibt. Und an jedem neuen Tag eröffnen sich für unsere Unternehmen zahlreiche neue Möglichkeiten – wir müssen nur genau genug hinsehen und uns die richtigen Fragen stellen, auch wenn dies nicht immer einfach ist. Diejenigen, die das Was, Warum, Wie und Wer gründlich und sorgfältig hinterfragen, werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Wer sich einfach nur zurücklehnt und wartet, bis alles wieder wie vorher wird, wird die Krise voraussichtlich nicht unbeschadet überstehen.

Mit welchen Fragen setzen Sie als Führungskraft sich momentan also auseinander? Ein wichtiger Ansatz wäre, Ihre Ideen und Überlegungen mit anderen zu teilen. Wie bereits erwähnt, ist dies meiner Ansicht nach die perfekte Gelegenheit, um in der globalen Wirtschaftsgemeinschaft etwas enger zusammenzurücken und gemeinsam dafür Sorge zu tragen, dass unsere Mitarbeiter ihre Arbeit möglichst sicher und effizient wieder aufnehmen können. Dafür muss eine kurzfristige Gesundheitsproblematik mit der langfristigen Notwendigkeit einer dynamischen Wirtschaft abgewägt werden, sodass wir unsere gewohnte Lebensqualität aufrechterhalten und mit unseren Steuern die öffentlichen Dienste unterstützen können, die wir so dringend brauchen.

Diese Situation lässt sich in vielerlei Hinsicht als eine Art soziales Experiment beschreiben. Aus diesem Grund sollten wir unsere Erkenntnisse austauschen, um uns besser auf das vorzubereiten, was in Zukunft kommt.

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