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Seit ich im letzten Jahr die Leitung unserer Hauptstadtrepräsentanz übernommen habe, beschäftige ich mich intensiv in den Gesprächen mit Politik und Verbänden mit Fragen rund um den Arbeitsmarkt. Wenn ich aus Personaldienstleistersicht über den Arbeitsmarkt spreche, beziehe ich mich damit auf alle Erwerbstätigen in Deutschland. Diese Gruppe umfasst in Deutschland aktuell fast 42 Millionen Menschen.

Das ist ein absoluter Höchststand seit vielen Jahrzehnten. Man kann also behaupten, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland brummt.

Schaut man sich die Gruppe der Erwerbstätigen genauer an, und das ist für ein ganzheitliches Arbeitsmarktverständnis entscheidend, lassen sich wiederum mehrere Arbeitsmarktsegmente abgrenzen, welche ich hier noch mal kurz benennen möchte:

  1. die Gruppe der klassischen Festangestellten, voll- oder teilzeitbeschäftigt, welche knapp 37 Millionen Menschen umfasst.
  2. jene Mitarbeiter, welche in Arbeitnehmerüberlassung tätig sind. Zurzeit sind das ca. 820.000 Menschen. Das sind nur knapp 2 Prozent des Gesamtarbeitsmarktes, übrigens mit fallender Tendenz.
  3. die große Gruppe der Selbstständigen von ca. 4,2 Millionen Menschen, von welchen wiederum 1,2 Millionen der Teilgruppe Freiberufler zuzuordnen sind. Neben den Rechtsanwälten, Ärzten, Steuerberatern usw. sind davon wiederum ca. 300.000 bis 400.000 hoch qualifizierte Solo-Selbstständige, die als externe Mitarbeiter meist über einen Dienstvertrag bei Unternehmen eingesetzt werden.

Es ist doch kein Geheimnis: Die sehr gut funktionierenden und international vorbildlichen Wirtschaftsstrukturen in Deutschland stützen sich auf diesen extrem leistungsfähigen Arbeitsmarkt mit seinen überdurchschnittlichen Potenzialen.

Gefahrenquellen, die auf unseren Arbeitsmarkt einwirken können

[caption id="attachment_2244" align="alignleft" width="350"] Quelle: Hays[/caption]

Leider existieren vielfältige Gefahrenquellen, die sowohl national, also intern, als auch international bzw. extern auf die deutsche Wirtschaft und damit unseren Arbeitsmarkt einwirken können. Es würde diesen Blog sprengen, alle relevanten Phänomene anzusprechen, aber denken wir nur an die Demografie-Effekte und den damit verbundenen Fachkräftemangel. Wir sollten aber auch den ständig wachsenden globalen Wettbewerb nicht vergessen, welcher mit einem zunehmenden Lohnkostendruck einhergeht. Es gibt leider noch weitere Dynamiken, welche indirekt auf den Arbeitsmarkt einwirken. Dazu gehören vor allem stark verkürzte Produktlebenszyklen – allein in der Automobilindustrie um ca. 50 Prozent seit den 80er Jahren – und der damit verbundene enorme Innovationsdruck, welcher auf die Industrie einwirkt.

Ich bin Optimist. Alle diese Herausforderungen sind lösbar, aber nur wenn sie mit einem ganzheitlichen Verständnis und dem Wissen um die Komplexität der einzelnen Bausteine behandelt werden. Neben der Wirtschaft selbst ist vor allem die Politik dafür verantwortlich, die richtigen Rahmenbedingungen für einen leistungsfähigen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Flexibilität ist Trumpf

Im globalen Wettbewerb, der weiter zunehmen wird – da brauchen wir keinen Zweifel haben –, wird es entscheidend sein, dass Unternehmen flexibel auf alle oben genannten Säulen des Arbeitsmarktes zugreifen können. Neben einem sehr stabilen Fundament aus Festangestellten werden viele Unternehmen auf Dauer nur überleben können, wenn sie im richtigen „Mischungsverhältnis“ interne und externe Arbeitskräfte einsetzen. Diese können Stand heute in Arbeitnehmerüberlassung wie auch über Werk- und Dienstverträge in die Organisation eingebracht werden. Alle drei „Beauftragungsvehikel“ sind gleichermaßen sinnvoll und notwendig für die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Deutschland zeichnet sich im europäischen und internationalen Vergleich durch einen sehr starken Freiberuflermarkt aus. In Gesprächen mit der Politik ist es mir sehr wichtig, immer wieder auf das große Potenzial dieser freiberuflichen Wissensarbeiter, beispielsweise in der IT, dem Engineering oder Life Sciences-Umfeld, hinzuweisen, welche meist über Dienstverträge zum Einsatz kommen. Leider werden Werkverträge gerne mit Dienstverträgen in einen Topf geworfen und umgekehrt. Man muss deutlich davor warnen, denn beide Beauftragungsformen haben ihre ganz eigene Berechtigung und ihren eigenen Nutzen.

Keine Angst vor Flexibilität

Zum Abschluss daher noch ein Statement: Wenn die deutsche Wirtschaft weiterhin so erfolgreich bleiben soll, braucht sie Flexibilität im Arbeitsmarkt! Beim Schreiben des Begriffes „Flexibilität“ im Kontext des Arbeitsmarktes verspüre ich heute Unbehagen. Warum ist das so, der Begriff hat doch eine eindeutig positive Konnotation? Vielleicht weil Medien und mittlerweile auch die Politik es geschafft haben, uns ein schlechtes Gefühl dabei zu vermitteln. „Flexibilität im Arbeitsmarkt“ wird heute schnell mit Ausbeutung, prekärer Beschäftigung oder Arbeitsplatzunsicherheit assoziiert. Das kann doch nicht sein! Natürlich gibt es all das, man kann das nicht verschweigen. Aber wir können doch deswegen nicht gleich den Flexibilitätsbegriff dämonisieren. Achten Sie doch bitte einmal selbst darauf, wenn Sie über dieses Thema sprechen. Verspüren Sie ein schlechtes Gewissen? Dann sind Sie bereits Opfer dieser negativen Programmierung! Wir müssen verstehen, dass der Erfolg unserer Wirtschaft von einem funktionierenden Arbeitsmarkt abhängt und wir in Deutschland mit seiner starken Wirtschaftsleistung und dem damit einhergehenden Wohlstand einen „Proof of Concept“ erleben.

Ich werde in Gesprächen mit Politik und Verbänden weiter ganz deutlich auf die Wichtigkeit einer zukunftsorientierten Arbeitsmarktpolitik hinweisen und hoffe an dieser Stelle, bald wieder einmal darüber zu berichten!

Kommentare


  1. Schlemberger

    Das Statement ist beachtenswert, da es doch unterstreicht wo ie Herausforderungen der Zukunft liegen und wie diesen begegnet werden kann. Fachkräftemangel zum einen aber auch Veränderungen der Verhalteneinstellung junger Generationen zum Berufsleben. Die Antwort darauf kann,auch den Wünschen entsprechend, nur mit einer Flebilisierung gegeben werden um diese Herausforderungen zu meistern. Und da ist auch die Politik gefragt dies nicht immer zu stigmatisieren sondern geeignetete Rahmenbedingungen zu definieren die dieser Entwicklung entsprechen.

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    1. Carlos FrischmuthCarlos Frischmuth

      Vielen Dank für die Bestätigung. Ich bin bei Ihnen. Wichtig ist, dass die Politik Rahmenbedingungen gestaltet, welche wirtschaftlichen Wachstum und damit die Schaffung neuer Arbeitsplätze ermöglichen. Nur wenn mehr Menschen in Lohn und Brot sind – natürlich zu fairen Bedingungen – kann gesellschaftlicher Wohlstand weiter gestaltet werden. Der Wohlstand in Deutschland ist kein Selbstläufer! Aus Sicht der Personaldienstleistung sind wir überzeugt, dass die Demografie-Effekte und der zunehmende spezialisierte Personalbedarf zu einem veränderten Arbeitsmarkt führt, welcher heute noch nicht ausreichend in der Politik und den Verbänden adressiert wurde. Beste Grüße Carlos Frischmuth

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