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Diese Woche öffnet die gamescom, die weltweit größte Messe für interaktive Unterhaltung, ihre Tore, und zwar in good old Germany, genauer gesagt in Köln. Die Messe ist ausverkauft, mehr als 300.000 zumeist junge, technikbegeisterte und IT-affine Besucher werden erwartet. Wird Deutschland, das Land der Ingenieure, etwa langsam zu einer Nation von IT-Experten? Oder gibt es für diesen Zulauf andere Gründe? Ist Deutschland als Land der Messen und des persönlichen Kontakts der Zeit tendenziell etwas hinterher?

Immerhin ist auch die weltweit größte IT-Messe überhaupt, die CeBIT in Hannover, vor allem der Platz fürs direkte Kennenlernen.

[caption id="attachment_2830" align="alignleft" width="350"]Deutschland 4.0 – eine Nation von IT-Experten? Quelle: Studie "IT-Skills 2015"[/caption]

In der Studie „IT-Skills 2015“ benannten IT-Entscheidungsträger Berufsbilder, die in Zukunft auf dem IT-Arbeitsmarkt besonders begehrt sein werden. Die Top 3 sind Security-Experten, Cloud-Architekten sowie Spezialisten rund um Big Data. Auch wenn Sie, liebe Leser, nicht selbst aus der IT-Welt kommen, dürften Ihnen diese Begriffe in letzter Zeit immer wieder begegnet sein. Werden sich solche Berufsgruppen, die virtuell und online arbeiten, in Deutschland etablieren? Oder müssen wir in Zukunft über dem großen Teich oder im fernen Osten nach IT-Experten Ausschau halten?

Trend: IT-basierte Services

Bereits vor einigen Tagen ging eine Nachricht durch die Presse, die bisher keine große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erlangte. Eine Allianz deutscher Automobilhersteller übernimmt den Kartendienst Here des finnischen Telekommunikationsunternehmens Nokia. Allein die Tatsache, dass drei große deutsche Automobilhersteller gemeinsam agieren und eine nicht unerhebliche Summe für den Erwerb eines Unternehmens bereitstellen, sollte die Bedeutung dieses Kaufs zumindest andeuten. Die Crème de la Crème der heimischen Industrie interessiert sich anscheinend für einen IT-artigen Service. Warum eigentlich? Geht es den Unternehmen darum, eine Art eingebauten Navigationsdienst zur Verfügung stellen zu können? Wenig spektakulär, denn Navigationssysteme sind inzwischen selbstverständlich geworden. Was also steckt hinter der Angelegenheit?

Berufsbilder von IT-Experten entwickeln sich dank IT-basierter Services

Entscheidend ist die Erkenntnis der Automobilhersteller, dass in Zukunft diejenigen Produkte erfolgreich sein werden, die mit Dienstleistungen (neudeutsch „Services“) gekoppelt werden, die ihrerseits IT-basiert funktionieren. Im Markt für Kartendienste geht es um das Sammeln und Zurverfügungstellen von Informationen, die für Kunden wertvoll und für Unternehmen gewinnbringend sind. Es geht nicht darum, zu wissen, auf welcher Straße man sich befindet, sondern darum, wo die nächste Tankstelle (bzw. die günstigste für SuperPlus) oder die beste Pizzeria ist (und bis wann sie geöffnet hat), wie lange ich bis dahin brauche und ob ich dann noch rechtzeitig zum Abendessen zu Hause bin. Das Ganze soll entspannt ablaufen, ohne dass ich selbst durch den Verkehr steuern muss. Oliver WippichDas Produkt Auto allein wird nicht mehr genügen; der Umsatz der Zukunft wird immer stärker durch IT-Services erwirtschaftet werden, auch bei den eigentlich klassischen Industrieunternehmen. Was bedeutet das konkret? Nun, die Bereitstellung und die Nutzung von Informationen benötigen Daten in großen Mengen, die in Echtzeit ausgetauscht und ausgewertet werden. Die Informationen werden aus der Cloud kommen (und dahin zurückgehen) und müssen gesichert werden. Gerade in Deutschland ist die erste Assoziation zum Begriff „Daten“ sicherlich „Datenschutz“, technisch gesagt „Security“. Insofern wird der Kauf des Kartendienstes Here genau die Berufsbilder von IT-Experten in Deutschland positiv beeinflussen, die die Entscheidungsträger aus der Studie „IT-Skills 2015“ (vor Bekanntwerden der Transaktion) als Zukunft für IT-Experten identifiziert haben.

Auf dem Weg zur gamecom (beruflich natürlich) habe ich den Eindruck, dass Deutschland 4.0, das Land der IT-Experten, bald Realität werden könnte.

Über den Gastautor Oliver Wippich

Oliver Wippich leitet seit 2012 bei Hays das IT-Recruiting in der D-A-CH-Region. Als Department Manager unterstützt er mit seinen Mitarbeitern IT-Spezialisten, die eine neue Herausforderung im Rahmen einer Festanstellung oder eines Projektes suchen.

Kommentare


  1. Rainer Missing

    Für Deutschland 4.0 „Das Land der IT-Experten“ müssten wohl erstmal die Voraussetzungen geschaffen werden. Sowohl Ausbildung als auch Förderung der Informatik hinken hier internationalen Standards hinterher. Der für Deutschland prognostizierte Fachkräftemangel in den nächsten Jahren betrifft gerade die IT-Branche und dieser lässt sich wohl auch ohne Bluecard für Fachkräfte aus anderen Ländern wie z.B. Indien auch nicht beheben.

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    1. Oliver Wippich

      Danke für Ihren Kommentar, Herr Missing. Ich persönlich habe manchmal den Eindruck, die Informationstechnologie wird in Deutschland öfters mal einfach „vergessen“. Auch deswegen habe ich meinen Blog ja mit der Bezeichnung „4.0“ versehen, um die Dominanz der klassischen Ingenieursthemen im Bewusstsein vieler Menschen hier anzudeuten. Das Statistische Bundesamt etwa „unterschlägt“ gerne mal die Informatik, obwohl diese Gruppe innerhalb des Bereichs Mathematik und Naturwissenschaften die mit Abstand höchsten Studierendenzahlen aufweist. Finden Sie z.B. hier die Zahl der Studierenden im Bereich Informatik? Eben. Nebenbei bemerkt, inzwischen studieren in Deutschland mehr Menschen Informatik als Medizin, von anderen Fächern, die in der Statistik einzeln aufgeführt werden, mal ganz abgesehen.

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