Im Gespräch mit dem Personalleiter eines großen deutschen Unternehmens hörte ich vor einiger Zeit folgende Geschichte: Das Unternehmen war händeringend auf der Suche nach Bewerbern für die offenen Ausbildungsplätze des kommenden Jahres, insbesondere im technischen Bereich.

"Einfache" Wahrheiten in der Rekrutierung

Als Personalmarketingstrategie entschied man sich unter anderem für eine Anzeigenkampagne in einer sehr großen deutschen Tageszeitung, mit einer Sprach- und Bilderwelt, die insbesondere die junge Zielgruppe ansprechen sollte. Ob die Kampagne den gewünschten Erfolg brachte, ist nicht überliefert. Zumindest aber erzeugte sie viel Aufmerksamkeit. So blätterte auch die Gattin des Personalleiters beim gemütlichen Wochenendfrühstück in der Zeitung und stieß auf die besagte Anzeige. Es entspann sich der folgende Dialog: "Oh. Eine Stellenanzeige deiner Firma. Die gefällt mir aber gar nicht, das macht keinen seriösen Eindruck!" "Aber Schatz, für DICH ist diese Anzeige doch auch gar nicht gedacht – du willst dich schließlich nicht um einen Ausbildungsplatz bei uns bewerben, oder?" "Aber ich lese doch auch die Zeitung!"

Die augenzwinkernde Quintessenz, die der Personalleiter aus dieser Geschichte zog: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler! Dieser Satz ist mir sehr klar im Gedächtnis geblieben, denn er fasst aus meiner Sicht mit einfachen Worten eine der grundlegenden Regeln der erfolgreichen Rekrutierung zusammen: Ich muss mir jederzeit bewusst machen, wer der "perfekte" Kandidat für meine Position ist und über welche Kanäle ich sie oder ihn am besten ansprechen kann.

Viel hilft viel?

Der eine oder andere Leser mag jetzt denken: "Danke, Frau Beeger – und jetzt erzählen Sie uns doch mal etwas, das wir noch nicht wussten!" Schaut man sich den Katalog der gängigen Personalmarketingmaßnahmen an, so kann man jedoch gelegentlich den Eindruck gewinnen, dass hier eher nach der Devise "viel hilft viel" agiert wird. Stellenanzeigen werden in allen großen Jobbörsen veröffentlicht, Social-Media-Portale werden geflutet, Banner aufgehängt, Radiospots geschaltet – frei nach dem Motto: Wenn ich nur lange und kräftig genug schüttle, wird der richtige Bewerber schon irgendwo herausfallen!

Dabei zeigt sich in der Praxis immer wieder: Die erfolgreichsten Maßnahmen in der Kandidatengewinnung sind diejenigen, bei denen zielgerichtet und mit einem hohen Personalisierungsgrad eine vorher klar definierte Zielgruppe angesprochen wird. Und je vielfältiger die Möglichkeiten werden, insbesondere im Online-Bereich schnell und relativ kostengünstig in großer Reichweite zu kommunizieren, umso wichtiger wird es, sich gründlich zu überlegen wen ich eigentlich erreichen möchte und mit welcher Botschaft ich den gewünschten Erfolg erzielen kann. Dann klappt es vielleicht auch mit dem Angeln – in diesem Sinne: Petri Heil!

Kommentare


  1. Ute Blindert

    Liebe Frau Beeger,
    danke für den Beitrag! Sie bringen eigentlich Selbstverständliches auf den Punkt. Wie oft erlebe ich es in meiner Beratungspraxis im Hochschulmarketing, dass Unternehmen betonen: „Wir machen ganz viel an den Hochschulen.“ Und wenn man dann nachhakt, dann sind das die oben genannten Kanäle, in die viel Geld gebracht wird. Aber wenn man sich dann die Karrierewebsites der Unternehmen anschaut oder die Messeauftritte, dann zeigen sich bei mir nur Fragezeichen: Keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme, keine persönlichen Ansprechpartner, wenig motivierte Mitarbeiter auf Hochschulmessen. Auch die oft sprunghafte, wenig dauerhaft angelegte Strategie spricht Bände.
    Tja, schade eigentlich, denn hier lassen sich mit einer klugen, nachhaltig angelegten Strategie gute, langfristige Ergebnisse erzielen.
    Grüße aus Köln
    Ute blindert

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  2. Anna BeegerAnna Beeger

    Liebe Frau Blindert!

    haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar – so fängt der Arbeitsalltag nach zwei Wochen Urlaub doch wieder gut an! Ich bin vollkommen Ihrer Meinung dass eine nachhaltige und gut umgesetzte Rekrutierungsstrategie an vielen Stellen einen enormen Mehrwert liefern kann. Dabei sind es oft gar nicht die teuren, auf Masse ausgerichteten Maßnahmen die die größten Erfolge liefern sondern die kleinen, maßgeschneiderten Details sowie die persönliche Ansprache, die Bewerbern positiv in Erinnerung bleiben.

    Viele Grüße aus Hamburg
    Anna Beeger

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