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Hätten Sie gewusst, dass für eine Stellenbesetzung durchschnittlich ca. 30–40 Prozent des Jahresgehalts als Rekrutierungskosten anfallen? Die Einstellung eines neuen Kollegen ist somit kostspielig und daher Grund genug, die Fluktuationsrate so gering wie möglich zu halten. Doch wie müssen Unternehmen neue Mitarbeiter systematisch integrieren, sodass die neuen Kollegen ihr Potenzial möglichst schnell entfalten?

Ein „An-Bord-Nehmen“ neu eingestellter Mitarbeiter, das Onboarding, geht weit über eine praktische Einarbeitung hinaus und umschreibt die ganzheitliche Integration eines neuen Kollegen in ein Unternehmen. So zumindest die Theorie, nach meiner Erfahrung im Alltag jedoch leider nicht immer gelebte Praxis.

Eigentlich nicht nachvollziehbar, da die Rechnung einfach ist: Fühlt sich der Angestellte wohl, wird er akzeptiert und gebraucht, verhält er sich dem Unternehmen gegenüber loyal und bleibt diesem auch erhalten. Und empfiehlt dieses als attraktiven Arbeitgeber im Idealfall auch weiter. So spart das Unternehmen auf einfache und effektive Weise Kosten. Der Traum von Employer-Branding schlechthin!

Mehr als nur eine Orientierung

Maßgeblich für den Kurs der nächsten Monate ist der erste Arbeitstag – stets für beide Seiten eine Feuerprobe. Denn nichts ist schlimmer als ein schlechter Start.

Beginnend am Empfang „Ich kann Ihren Namen leider nirgendwo finden“ bis hin zur netten Begrüßung durch den Chef „Nächste Woche zeigt Ihnen die Kollegin alles“, zeugen solche und ähnliche herzliche Empfänge von einer geringen Wertschätzung.

Es ist daher nicht erstaunlich, dass 15 Prozent der Arbeitnehmer bereits am ersten Arbeitstag an eine Kündigung denken. Das kann sich eigentlich kein Unternehmen leisten. Und dennoch höre ich es immer wieder von Freunden oder ehemaligen Kollegen, dass sie beruflich ihr neues Glück suchten und eine katastrophale Begrüßung erlebten.
Wenn Sie einen neuen Kollegen strukturiert integrieren, bestimmen Sie so maßgeblich die Einstellung zur Tätigkeit, zum Vorgesetzten und zum Unternehmen selbst.

Soziale Unternehmensnetzwerke, E-Learning-Plattformen, Mentoren- oder Buddyprogramme sowie interaktive Meetings haben mir beispielsweise sehr geholfen, mich als neues Teammitglied schnell einzuleben, wohlzufühlen und folglich auch mein Potenzial schnell zu entfalten.

Gut vorgedacht – schon halb gemacht

Ein gutes Onboarding beginnt bereits vor dem ersten Arbeitstag. Bereits bei der Vertragsunterzeichnung sollten Unternehmen ein professionelles Bild von sich als Arbeitgeber vermitteln. Vor dem Unternehmenseintritt versendete Unternehmensbroschüren, Informationen über Fort- und Weiterbildungsangebote und die Klärung noch auf beiden Seiten offener Fragen, wie beispielsweise Kernarbeitszeiten, Kinderbetreuung oder medizinische Untersuchungen etc., sorgen bei beiden Parteien für ein gutes Gefühl.

Denken Sie auch an die banalsten Dinge für einen reibungslosen Arbeitsstart, wie IT-Berechtigungen rechtzeitig zu beantragen, Telefon und Telefonnummer, einen E-Mail-Account zu erstellen und Schlüssel oder Zugangskarten zu besorgen. Und das Wichtigste: Informieren Sie alle Beteiligten über einen neuen Mitarbeiter und seine künftige Rolle.

Ein gutes Gefühl von Anfang an

Die Zeit zwischen der Vertragsunterschrift und dem Arbeitsbeginn regt oftmals zum Nachdenken an. „Hoffentlich habe ich mich richtig entschieden“ oder „Hätte ich nicht doch beim alten Arbeitgeber bleiben sollen?“ sind nur einige Fragen. Umso wichtiger ist es, neuen Mitarbeitern bereits bei der Vertragsunterzeichnung ein gutes Gefühl zu vermitteln.

Bei meinem aktuellen Arbeitgeber hatte ich dies ohne Zweifel und fühlte mich direkt vom ersten Tag an willkommen. Der Empfang war informiert, ich wurde persönlich abgeholt und konnte mich direkt mit der IT – einer funktionierenden IT – vertraut machen.

woman on rope

Ein kurzer Gesprächstermin mit meinem Vorgesetzten, der an dem Punkt anknüpfte, an dem das Bewerbungsgespräch endete, war zudem ein solides Fundament für unsere gegenseitigen Erwartungshaltungen. Auch Einarbeitungspläne und ein mir zur Seite stehender Mentor rundeten einen gelungenen ersten Arbeitstag ab.

Unterschätzen Sie nicht die bleibenden Eindrücke einer wertschätzenden Begrüßung! 77 Prozent aller Befragten gehen laut einer Studie des Human Capital Institutes am ersten Arbeitstag früher nach Hause, da sie aufgrund der mangelnden Vorbereitung des Arbeitsumfeldes nicht loslegen können. Dieser negative erste Eindruck bleibt oftmals lange in Erinnerung und kann unangenehme Folgen auf kununu und ähnlichen Bewertungsportalen haben.

Eine vernünftige Einarbeitung braucht Zeit. Behalten Sie daher während der ersten 100 Tage die fachliche, die soziale und die kulturelle Integration Ihres Mitarbeiters im Auge und fördern Sie diese. Geben Sie jedem Neueinsteiger die positive Bestätigung, dass Sie mit ihr oder ihm die richtige Wahl für die Stelle getroffen haben und dass Sie froh sind, dass die Person an Bord zu haben.

Eine gute Einarbeitung spart Zeit und Geld

Bereits in der ersten Woche sollten die Grundlagen Ihres Geschäftsmodells erläutert und die Unternehmenskultur vermittelt werden.

Gehen Sie auf die Unternehmensphilosophie und die strategischen Ziele ein – am besten in Workshops oder Schulungen. Idealerweise laden Sie den Neuzugang gleich zu Firmenevents oder Meetings ein, sodass der Joballtag so realistisch wie möglich von Anfang an erlebt wird.

Schön, dass Sie da sind

Sie als neuer Kollege sollten auf der anderen Seite vorbildlich auftreten und den Spagat zwischen Anpassung und Profilierung meistern. Das ist bereits bei der Begrüßung obligatorisch. Während jüngere Kollegen oftmals in die Lässigkeitsfalle tappen, kann es bei älteren Kollegen vorkommen, dass diese ein zu selbstbewusstes Auftreten an den Tag legen.

Legen Sie keinen übertriebenen Ehrgeiz an den Tag und laden Sie sich nur so viel Arbeit auf, wie Sie bewältigen können. Hüten Sie sich davor, direkt an der Neuaufsetzung bestehender Arbeitsprozesse zu arbeiten. Zu Beginn sollte die Devise eher „Zuhören“ statt „blinder Aktionismus“ lauten.

Seien Sie offen und liefern Sie Qualität ab – Ihr neues Team muss Sie zunächst einmal kennen und schätzen lernen. Nach Erlernung der Grundlagen können Sie flügge werden und eigene Ideen in das Unternehmen einbringen.

Welche Erfahrungen haben Sie an Ihrem Arbeitstag gemacht? Ich freue mich über einen Meinungsaustausch mit Ihnen.

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