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Mit der Verbreitung der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien hat sich die Arbeitswelt grundlegend verändert. Tablet und Smartphone sind zu ständigen Wegbegleitern geworden, die die Kommunikation sowohl im privaten wie auch beruflichen Alltag erleichtern. Noch nie war der Austausch von Informationen so einfach wie heute.

Arbeit mobiler zu gestalten und die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen ist auch Ziel des Neuen Arbeitens, einer Arbeitsphilosophie, die dieser Tage in immer mehr Unternehmen Einzug erhält.

Das Wohlfühlbüro – Ja zum Home-Office

Die Arbeitswelt hat sich verändert: Sie ist mobiler geworden, Heimarbeit und Desk-Sharing Modelle immer beliebter und die Büropräsenz ein Auslaufmodell. Das Neue Arbeiten möchte diesen Entwicklungen Rechnung tragen und setzt dafür ganz auf die Vorteile der Digitalisierung. Doch wie sieht das konkret in der Praxis aus? Zunächst heißt digitaler arbeiten, flexibler arbeiten können. Klares Ja zum Home-Office! Denn Heimarbeit trägt nicht nur zu einer besseren Work-Live-Balance bei, indem lange Pendelstunden in überfüllten Zügen wegfallen und durch Sportaktivitäten oder Zeit mit der Familie ersetzt werden können, auch führt das Arbeiten im Home-Office zu einer Leistungssteigerung bei den Beschäftigten. Doch wie kommt es, dass die Produktivität zunimmt, wenn Beschäftigte vom heimischen Schreibtisch arbeiten?

Gudea Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich ist Autorin des Schweizer HR Barometer und Expertin, wenn es um flexible Arbeitsplatzmodelle geht. In einer Publikation der Stiftung Produktive Schweiz erklärt Grote den Nutzen der Heimarbeit. Durchschnittlich sind Beschäftigte eine Stunde des Arbeitstages in Folge von Störungen durch zum Beispiel häufiges Fragen von Kollegen oder hohen Geräuschpegel unproduktiv. Heimarbeit könnte die Produktivität u.a. durch flexible Wahl der Arbeitszeit um 12 Prozent steigern. Und nicht nur Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren, auch Klimafreunde befürworten das Home-Office, könnten die jährlichen CO2-Emissionen durch mehr Heimarbeit deutlich reduziert werden. Doch damit der Nutzen des Home-Office auch tatsächlich entsteht, sind Selbstdisziplin und Vertrauen nötig. Beschäftigte sollten mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren, wie die Arbeit aus dem Home Office gestaltet und an wie vielen Tagen von zu Hause gearbeitet werden soll. Auch wichtig sind die richtige ergonomische Einrichtung des Home Office Arbeitsplatzes sowie eine gute technologische Ausstattung. Denn auch wenn das Sofa verlockend aussieht, arbeiten lässt es sich hier trotz Laptop nicht wirklich gut. Im Idealfall sollte das Unternehmen seine Mitarbeiter bei der Einrichtung des mobilen Arbeitsplatzes unterstützen. Weiter gilt, eine gute Balance zwischen Büro- und Heimarbeit zu schaffen!

Denn so vielfältig die Vorteile des Home Office auch sind, reine Heimarbeit ist der Gesundheit der Mitarbeiter eher nachteilig. Aus Studien geht hervor, dass Beschäftigte nicht häufiger als 3 Tage wöchentlich aus der Ferne arbeiten sollten, berichteten Beschäftigte ab 2,5 Tagen mobiler Arbeit häufiger über soziale Isolation und geringeres Wohlbefinden . Wichtig für die Heimarbeit ist weiter auch, dass Arbeitnehmer in der Lage sind, Grenzen zu ziehen. So soll die Arbeit aus dem Home Office den Feierabend nicht ersetzen, sondern gerade zu einer gesunden Work-Life Balance beitragen. Mobile Worker sollten sich feste Arbeitsblöcke und -zeiten setzen und darüber hinaus den organisatorischen Rahmen klären. So sollten u.a. Erreichbarkeitszeiten mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden.

Finden statt Suchen – mehr Übersicht dank digitaler Ablage

Softwarehersteller Microsoft gehört zu jenen Arbeitgebern, die das Neue Arbeiten praktizieren und das Home-Office nachdrücklich befürworten. My office is where I am heißt es auf der Webseite. Doch das Neue Arbeiten ist mehr als nur Home-Office. Unterlagen werden digital abgelegt, so dass u.a. lange Suchzeiten der Vergangenheit angehören. So soll die Luisa SolmsProduktivität jedes einzelnen Mitarbeiters verbessert und der Unternehmenserfolg erhöht werden. Und hier kann man sicherlich nur zustimmen, verbringen Büroangestellte Schätzungen zufolge durchschnittlich 300 Stunden im Jahr ausschließlich mit dem Suchen von Unterlagen. Zeit, die man besser verbringen könnte...im Büro oder daheim!

Über die Gastautorin Luisa Solms

Luisa Solms studierte Psychologie in Bonn. Sie lebt in den Niederlanden, wo sie als Redakteurin bei Springest arbeitet. Sie schreibt zu den Themen Studium, Karriere und Weiterbildung. Als Psychologin ist sie vor allem an arbeitspsychologischen Fragestellungen interessiert.

Kommentare


  1. Christine Gerresheim

    Leider sind die Unternehmer aber noch zu konservativ was Heimarbeit angeht. Da hinken wir vielen Ländern hinterher. Aber auch der Gesetzgeber blockiert da viele, was vor allem vielen Frauen zugute käme, die ihren Tagesablauf besser strukturieren könnten und beruflich auch wieder durchstarten könnten.

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