Digitalisierung und New Work – diese Schlagwörter haben unseren Arbeitsalltag seit einigen Jahren geprägt. Nicht nur unser Tun, auch unsere Diskussionen auf Business-Plattformen kreisten um diese Themen.

Und dann bricht ohne Vorwarnung ein Virus in unsere Gesellschaft ein, das binnen kürzester Zeit auch unsere Arbeitswelt komplett dreht. Statt Digital hat uns jetzt wieder die Biologie im Griff. 

Corona relativiert den Status quo

Mit dem Coronavirus hat die VUCA-Welt eine neue Dimension angenommen, deren Tragweite sich wohl keiner von uns hätte ausmalen können. Disruptive Technologien, innovative Geschäftsmodelle, das rasende Tempo in der Wirtschaft, Ungewissheiten der Zukunft oder mehrdeutige Trends – all das haben wir mit VUCA verbunden. Und jetzt wird die so komplexe globale Wirtschaft durch ein kleines materielles Virus lahmgelegt.

Corona relativiert vieles. Das, was uns vor dem Virus wichtig war, erscheint jetzt klein. Das, was wir für gesetzt hielten, ist nicht mehr selbstverständlich. Vielmehr bedarf es dazu vieler funktionierender Rahmenbedingungen, die uns in aller Regel nicht präsent sind. Weil wir sie schon als naturgegeben betrachten.

 

Immerhin haben die Auswirkungen des Coronavirus wenigstens ein Gutes: Das, was sich viele Menschen seit Jahren gewünscht haben, ist nun binnen weniger Tage realisiert: Wir arbeiten remote im Homeoffice. Und jetzt nehmen wir vielleicht wahr, was unser Arbeiten so bereichert, so lebendig macht: der Austausch mit anderen Menschen über fachliche Themen oder neue Ideen. Der Smalltalk über die letzten Bundesligaergebnisse oder ein After-Work-Drink, bei dem wir mal so richtig ablästern. Das Klopfen auf die Schulter, wenn etwas gut gelaufen ist.  

Mir ist durch die notwendige Virtualisierung meiner derzeitigen beruflichen Wirklichkeit jedenfalls nochmals deutlich geworden: Arbeiten lebt von persönlichen Gesprächen, von Interaktion, von dem gemeinsamen – und auch manchmal kontroversen – Ringen um die beste Lösung. Nichts gegen Skype und andere Kommunikationswerkzeuge, die uns digital vernetzen. Aber auf Dauer klappt eine gute Kooperation nur auf analoge Weise. Davon war ich schon immer überzeugt, jetzt erst recht.

Die Chance in der Krise: Anpassung von Führung und Kultur

Wenn Pendel einseitig ausschlagen, ist das meist nicht gut. Vielleicht hilft Corona vielen Unternehmen, Homeoffice-Regelungen neu aufzusetzen und ihren Mitarbeitern mehr Freiraum zu öffnen. Mütter, Väter und viele andere könnten dann endlich mit weniger Druck ihre Aufgaben erledigen. Und auf der anderen Seite zeigt sich, wie wichtig persönlicher Austausch ist. Wie wichtig es ist, wenn wir uns in einem Raum gemeinsam treffen – nach der Corona-Zeit. Wir benötigen beide Formen des Arbeitens und sollten die Vorteile der remote stattfindenden und der klassischen Büroarbeit zu einer für alle sinnvollen Synthese verbinden.  

Hoffen wir also, dass wir aus den Lektionen, die uns Corona aufgegeben hat, lernen. Ein Gespür bekommen, was uns in unserem Berufsleben wichtig ist. Und wer weiß, vielleicht freuen wir uns in einigen Wochen sogar, wenn wir dem nervigen Kollegen wieder persönlich gegenüberstehen. Als Gradmesser zurückgewonnener Normalität.     

Über unseren Kollegen

Frank Schabel ist Head of Corporate Communications bei der Hays AG und zudem als Managementberater zu Branding, Kommunikation, Führung und Change tätig.

Der Geisteswissenschaftler Frank Schabel ist seit Jahren in Führungsrollen, vor allem in der IT-Industrie im Bereich Marketing/Corporate Communications, aktiv. Frühere Stationen waren unter anderem SAP und CSC Ploenzke. Seit 2006 ist der Autor Head of Corporate Communications der Hays AG und zudem als Managementberater zu Branding, Kommunikation, Führung und Change sowie als Coach und Autor von Fachbeiträgen aktiv.

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