Eines ist klar: Agile Projektmethoden haben einen Siegeszug durch viele Branchen angetreten und sind heute aus der modernen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Aber was bedeutet das eigentlich? Auf welchen Rollen und Vorgehensweisen basieren diese Methoden und was ist bei der Zusammenarbeit mit externen Spezialisten insbesondere aus rechtlicher Perspektive zu berücksichtigen?

Auch wir bei Hays haben uns darüber Gedanken gemacht und berichten in unserem neuen digitalen Magazin Compliant Sourcing® über aktuelle Impulse und Diskussionsfelder in der regelkonformen Ausgestaltung flexibler Arbeitsformen. Unsere Kollegin Verena Kappel informiert in der aktuellen Ausgabe unter anderem über agile Methoden und die Herausforderungen, die sich ergeben, wenn Externe und interne Mitarbeiter projektbezogen zusammenarbeiten. Hierbei geht es zunächst darum, zu konkretisieren, was mit „agilen Methoden“ eigentlich gemeint ist – dabei gehen wir insbesondere auf Scrum ein, die häufigste agile Methode.

Scrum berücksichtigt, dass komplexe Projekte Schritt für Schritt entwickelt, reflektiert und dann kurzfristig angepasst werden (können)

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung werden Projekte immer schneller und auch komplexer. Hier stoßen klassische Projektmethoden, z. B. wasserfallbasierte, an ihre Grenzen. Methoden wie Scrum berücksichtigen eben auch die zunehmenden Projektunsicherheiten und die Erkenntnis, dass Projektziele nicht mehr im Vorhinein vollständig bestimmt und dann nur „entlang eines vorher vollständig definierten Projektplans“ abgearbeitet werden. Im Gegenteil: Scrum berücksichtigt, dass komplexe Projekte Schritt für Schritt entwickelt, reflektiert und dann kurzfristig angepasst werden (können).

Das Projekt wird demnach in sogenannten Sprints strukturiert. Diese Projektmethodik erfordert allerdings auch ein hohes Maß an Selbstorganisation sowie einen zeitlich eng getakteten fachlichen Austausch. Kurzum: Agile Methoden wie Scrum berücksichtigen von vorneherein, dass Projekte immer nur mit begrenzter Planungssicherheit aufgesetzt werden können und sich Projektziele auch im Projektverlauf durchaus noch verschieben können.

Bei Scrum wird zwischen drei Hauptrollen unterschieden

Scrum-Projekte unterliegen methodisch einer klaren Definition hinsichtlich der Projektrollen und des Vorgehens. Es gibt klar zugewiesene Rollen: den Scrum Master, den Product Owner und das Entwicklerteam.

Aufgrund der Dynamik braucht es jemand, der eine Moderatorenrolle einnimmt, um den Scrum-Prozess zu steuern. Dafür ist der Scrum Master zuständig. Scrum Master koordinieren das Projekt dahingehend, dass die Regeln eingehalten werden und sich der Ablauf des Projekts insgesamt reibungslos gestaltet. Sie erkennen und beseitigen Hindernisse und fungieren als Coach und Berater. Sie haben aber gerade keine Leitungsrolle wie etwa Projektleiter.

Daneben ist die Aufgabe des Product Owners, für den Auftraggeber den Mehrwert des Produkts, das am Ende des Projekts stehen soll, so groß wie möglich zu machen. Dementsprechend behalten Product Owner das Arbeitsergebnis im Blick und konkretisieren und priorisieren die Aufgaben. Sie sind alleine dafür verantwortlich, in welcher Reihenfolge Arbeitspakete in das sogenannte Product Backlog aufgenommen werden. Das Entwicklerteam arbeitet dann ausschließlich auf Basis dieses Backlogs.

Und dann gibt es noch das „Herzstück“, das Entwicklerteam. Dieses bearbeitet eigenständig Schritt für Schritt in sogenannten Sprints die im Product Backlog vom Product Owner gestellten und priorisierten Aufgaben.

Der Scrum-Prozess: Entwicklungsschritte in Sprints

Die Entwicklungsschritte bei Scrum lassen sich in Sprints einteilen, welche in der Regel zwei bis vier Wochen andauern. Am Anfang steht die Sprintplanung. Hier legt das Entwicklerteam die Arbeitsziele für den kommenden Sprint fest. Moderiert wird das Treffen durch den Scrum Master. Diese Arbeitsziele ergeben sich, wie schon gesagt, aus dem Product Backlog. Im Sprintverlauf ziehen sich dann die Mitglieder des Entwicklungsteams jeweils eigenständig die Arbeitspakete, die einerseits zu ihrem Profil passen und andererseits auch entsprechend dem Product Backlog zu priorisieren sind. Diese gezogenen Aufträge werden von ihnen dann im „Entwicklungsteam-eigenen“ Sprint-Backlog gepflegt.

In kurzen fachlichen Daily Scrum Meetings synchronisiert sich das Entwicklungsteam eigenständig. Am Ende jeder Sprintphase erfolgt dann der Sprint-Review. Hier werden die Resultate der Arbeitsaufträge vorgestellt, die Vorgehensweisen überprüft sowie Hindernisse besprochen. Zudem erfolgt nach jedem Sprint noch die Sprint-Retrospektive, in der gemeinsam mit dem Scrum Master Verbesserungen besprochen werden. Danach erfolgt ein neuer Sprint.

Grundlegend ist: Die Austauschformate dienen der rein fachlichen Abstimmung und das Entwicklerteam organisiert sich innerhalb dieser Formate selbst. Der Scrum Master nimmt eine rein moderierende Rolle ein. Und auch der Product Owner hat keine Leitungsfunktion. Er steuert das Projekt alleine über das Befüllen des Product Backlogs und das Priorisieren der sich darin befindlichen Arbeitspakete.

Scrum als effiziente Lösung für die Zusammenarbeit mit externen Spezialisten?

In komplexen Projekten wird oft spezifisches Know-how von außen benötigt. Das bedeutet, dass unsere Kunden diese Aufgaben nicht alleine mit ihren Mitarbeitern gestemmt bekommen, sondern sich auch externe Spezialisten mit an Bord holen müssen. Werden nun Externe und interne Mitarbeiter in einem Projekt eingesetzt, bringt dies einen gewissen Grad an Kommunikation und fachlicher Interaktion mit sich. Das wirft in der Praxis Fragen auf, welche die selbstständige Erbringung des Projektes berühren. Diese Fragen bezüglich agiler Methoden sind bisher weder von der Politik noch von höchstrichterlicher Rechtsprechung beantwortet worden – daher ist es so wichtig, mit diesen Fragen auf eine Art und Weise umzugehen, die sowohl die effiziente Projektdurchführung als auch die Rechtskonformität im Blick behält.

 

Mehr Informationen finden Sie auf unserer Seite Compliant Sourcing® oder kommen Sie bei Fragen gerne direkt auf uns zu. Compliant-sourcing@hays.de

In der nächsten Ausgabe erfahren Sie mehr dazu, welche Herausforderungen beim Einsatz von Externen und internen Mitarbeitern bestehen, welche Position die Deutsche Rentenversicherung (DRV) vertritt und wie Sie in der Praxis mit dem Thema umgehen können.

 

Über unsere Kollegin Verena Kappel

Verena Kappel absolvierte ihr Jurastudium sowie ihr Referendariat in Saarbrücken sowie Kopenhagen, Dänemark. Seit 2003 ist sie zugelassene Rechtsanwältin und seit 2006 Fachanwältin für Arbeitsrecht. Verena Kappel war seit 2003 als Rechtsanwältin zuletzt in der Kanzlei SCHULTE RIESENKAMPFF in Frankfurt tätig. Vor ihrem Einstieg bei der Hays AG im Jahr 2013 war sie in der Rechtsabteilung von American Express beschäftigt.

Bei Hays arbeitet sie als Senior Legal Counsel in der Rechtsabteilung. Sie ist dort zentrale Ansprechpartnerin für den Vertrieb zur Sicherung der Selbstständigkeit unserer eingesetzten Subunternehmer, Schnittstelle zur Hauptstadtrepräsentanz und Single Point of Contact für das Thema Statusfeststellungsverfahren.

Kommentare


  1. Joachim

    Fragen ua zu arbeitsrechtlichen Themen bestanden doch schon vorher – und wurden nicht alle gelöst. Ändert Scrum daran etwas? Der Name Scrum nicht, aber die Vorgehensweise, wenn man mit jener Methodik an solche Dinge herangeht. Weil schneller, flexibler, lösungsorientiert(er)? Das „er“ in Klammern, da es schon davor Leute gab, die so dachten und handelten. Die Zeit wird zeigen, ob es so ist. Wäre wünschenswert, denn auch mehr Rechtssicherheit ist ein Plus, ohne Frage. Ist es wirklich neue Methode? Ncht eher deren Institutionalisierung. Vielleicht ist es die, auf die es ankam?
    Mir auffallend ist, dass es so oft erst einen neu klingenden Begriff braucht, auch wenn die Methode nicht neu ist, um einen Hype auszulösen, zu wecken. Reicht nicht vielleicht eine gute Methode einfach zu praktizieren? Jetzt hat das Kind einen Namen, schön, aber was eigentlich zählt, ist das Resultat. Und dem ist ein Name gleich.

    Den Vorteil Scrums wird man vor allem in der jeweils kurzfristige Ziele setzenden Führung mit häufigeren Erfolgskontrollen und in der Trennung/Zusammenführung von Entwicklungsdenken und Durchführen sehen. Wenn das im Laufe mehrerer Projekte noch zum Rollentausch führt, jeder mal alle Rollen inne hatte, hat es wirklich Vorteile, denn man spürt dann recht schnell, wofür man sich berufener fühlt, Talent hat – und ein Projekt auch. Das ist für jede/n Teilnehmer/in ein Plus.

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    1. admin

      Vielen Dank für Ihre Einschätzung zu Scrum als Methode. Auch wir sind gespannt, wie sich das Thema in den nächsten Jahren weiterhin entwickeln wird. Die Idee (in verschiedenen Projekten) verschiedene Rollen wahrzunehmen, ist sicherlich für die eigene fachliche Entwicklung ein guter Impuls.

      Liebe Grüße
      Verena Kappel

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