Lernen – ein sehr facettenreiches Thema. Gerade in Anbetracht der sich immer rasanter entwickelnden Technologien, rückt die Frage nach den Chancen von digitalem Lernen zunehmend in den Vordergrund. Wie lernen wir am besten und wo können Technologien eingesetzt werden, um unsere Lernerfahrungen zu optimieren?  Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigen sich in der neuen Folge des Hays Germany Podcasts Meike Leue, Head of Training as a Service bei Hays und Daniel Hong, Learning Solution Architect bei Area 9, einer adaptiven Lern-Plattform.

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Meike: Herzlich Willkommen Daniel Hong! Schön, dass du hier bist und wir von deiner Lernexpertise profitieren dürfen. Zunächst einmal würde mich deine frühere Rolle in einem Unternehmen, das Sicherheitsgurte und Airbags herstellt, interessieren. Dort hast du die Erfahrung gemacht, dass „one size fits all“ eben nicht der perfekte Lernansatz ist. Kannst du uns ein bisschen mehr darüber erzählen?

 

Daniel: Während meiner Zeit als Account-Manager in der Kundenabteilung für einen koreanischen Autohersteller hatten wir mehrmals im Jahr die Möglichkeit an Schulungen zu Themen wie Compliance oder Anti-Bribery teilzunehmen. Hier kam ich zum ersten Mal mit dem Thema „Online-Lernen“ in Berührung. Dabei viel mir besonders auf, dass die Schulungen nicht auf die große Variation an Vorkenntnissen der Teilnehmenden eingingen und alle, unabhängig von ihren Erfahrungen, dieselben Aufgaben und Tests absolvieren mussten. Das hat natürlich für viel Frustration gesorgt, da die Zeit nicht effektiv genutzt werden konnte und der erhoffte Lerneffekt teilweise ausblieb.

 

Meike: Das ist sehr spannend, denn die gesammelten Lernerfahrungen prägen die eigene Motivation und die innere Haltung zum Lernen maßgeblich. Wie hat sich diese Erfahrung über deine berufliche Ausbildung durchgezogen?

 

Daniel: Gerade zum Start in die Arbeitswelt gibt es unglaublich viel zu lernen. Und ich denke es geht mir hier wie vielen anderen, wenn ich sage, dass ich möglichst effizient und schnell lernen möchte. Dabei hat mich besonders das Zitat von Benjamin Franklin inspiriert: „Tell me and I forget. Teach me and I remember. Involve me and I learn”. Dieses Zitat spricht sehr gut an, was ich auch selbst immer wieder erlebt habe. Lernen funktioniert dann am besten, wenn man in die Prozesse miteinbezogen wird. Das bedeutet, dass man immer wieder Fragen gestellt bekommt, immer wieder gefordert wird und Verantwortung trägt.

 

Meike: Interessant! Denn im Kontext des Lernens heißt es oft: „Jemand wird weitergebildet“. Das klingt doch irgendwie passiv, ganz ohne Schweiß und überwinden des inneren Schweinehundes. Wie würdest du den Begriff Lernen denn überhaupt definieren?

 

Daniel: Natürlich geht es zunächst um das Thema Wissen, dazu gehört zum Beispiel die Mathematik oder Biologie. Es geht darum, was wir hier verstehen. Darüber hinaus sind aber auch unsere Fähigkeiten entscheidend – also wie wir unser Wissen nutzen. Stichpunkte sind hier Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation oder Zusammenarbeit. Schließlich ist auch unser Charakter entscheidend, also wie wir uns in der Welt verhalten und engagieren.  Wie hoch unsere Belastbarkeit ist, wie mutig oder achtsam wir sind. Zusammengefasst fällt all das in den Oberbegriff „Meta-Lernen“ und gehört zu der Arbeit von Charles Fadel der Harvard Universität, welcher unter anderem auch das Thema Pisa 2030 betreut. Fadel hat in seinem vier-dimensionalem Rahmenwerk zum Thema Bildung und Lernen im 21. Jahrhundert die verschiedenen Komponenten, die über das reine Wissen hinausgehen, zusammengefasst und aufgearbeitet.

 

Meike: Mit Pisa sprichst du auch den wichtigen Bereich des schulischen Lernens an, welcher besonders in aktuellen Corona-Zeiten sehr stark im Fokus steht. Immer wieder konzentrieren wir uns auf Schulnoten und das Feedback der Lehrenden. Inwieweit kann aus deiner Perspektive Technik hier vielleicht auch motivierender sein oder andere Facetten herausbringen?

 

Daniel: Eine sehr spannende Frage. In erster Linie wirken Technologien unterstützend und sollen selbst nicht im Mittelpunkt stehen. Es geht vielmehr darum, dort einzuspringen, wo Lücken sind. So kann eine App beispielsweise dem schnellen Vergessen von Informationen entgegenwirken, indem sie spielerisch die gelernten Inhalte abfragt und den oder die Lernenden beim nachhaltigen Lernen fördert.

 

Meike: In der betrieblichen Weiterbildung hingegen geht es ja darum, den betrieblichen Erfolg sicherzustellen. Hierfür muss die Kompetenz der Anpassungsfähigkeit der Mitarbeitenden gegeben sein. Manchmal jedoch ist den Teilnehmenden der Weiterbildung unklar, welche Anforderungen an sie gestellt und welche Möglichkeiten geboten werden. Wie erlebst du das Bewusstsein darüber, in welchen Bereichen Kompetenzen aufgebaut werden könnten?

 

Daniel: Viele Organisationen und Unternehmen melden uns zurück, dass die Arbeitnehmenden großen Wert darauflegen, dass ihre Lernvergangenheiten berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass dieselben Schulungen nicht zweimal absolviert werden müssen, oder keine Weiterbildungen zu Themen vorausgesetzt werden, die die Mitarbeitenden schon beherrschen. Eine sehr spannende Erkenntnis, welche die Frage danach aufwirft, inwiefern Mitarbeitenden nur die Weiterbildungen präsentiert werden können, die für sie relevant sind und von denen sie vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie sie brauchen – Stichwort adaptives Lernkonzept.

 

Adaptives Lernen funktioniert genau wie ein gutes 1:1 Coaching. Dem oder der Lernenden werden mithilfe der KI-Fragen gestellt, welche diese nicht nur beantworten, sondern auch bewerten. Der Trainee hat hier die Möglichkeit Angaben darüber zu machen, wie sicher er sich bezüglich der einzelnen Aufgaben ist. So kann gezielt ermittelt werden, wie bewusst oder auch unbewusst sich der oder die Trainee über die eigenen Kompetenzen ist. Ist er oder sie dann überzeugt eine Aufgabe erfolgreich zu bewältigen und kann die Aufgabe anschließend lösen, so demonstriert er seine bewusste Kompetenz und kann direkt zum nächsten Thema wechseln. Der spannende Fall tritt natürlich dann auf, wenn der Lernende sagt „Ich weiß es“ und die Aufgabe falsch beantwortet. Dann sprechen wir von der sogenannten unbewussten Inkompetenz – wo Lernende meinen eine Kompetenz zu haben, diese in Wahrheit aber noch ausgebaut werden kann. Die vorgegangene Selbsteinschätzung ist also der Schlüssel zu dieser Erkenntnis. 

 

Zur kompletten Folge geht’s hier.

Zu den Gesprächspartnern:

 

Meike Leue, Head of Training as a Service bei Hays, Meike beschäftigt sich seit 13 Jahren mit dem Etablieren von nachhaltigen Lernstrukturen in der betrieblichen Bildung.

 

Daniel Hong ist „begeisterter Life Long Learner“, er ist Learning Solution Architect bei Area 9, eine adaptive Lern-Plattform, und unterstützt Organisationen, die Chancen des digitalen Lernens zu entdecken und jedem ein individuelles personalisiertes Lernen zu ermöglichen.

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