Arbeitsmarkt

Die Digitalisierung stellt neue Anforderungen an Mitarbeiter. Lesen Sie hier, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt und welche Veränderungen den Arbeitsmarkt prägen.

Licht am Ende des Tunnels?!

Arbeitsmarkt | Carlos Frischmuth

Kennen sie das? Sie sitzen mit einem Ansprechpartner zusammen und sprechen mit ihm oder ihr über die Bedeutung und Potenziale der selbständigen Experten und welche Vorteile und Nutzen diese für wichtige Innovationsvorhaben in Wirtschaft und Gesellschaft haben.

Dieses ungläubige Staunen, über die digitale Arbeitswelt da draußen und was alles bereits heute möglich ist.

So geht es mir häufig, wenn ich mit Politikern zusammensitze und berichte, welche Erwerbsmodelle es mittlerweile durch die Digitalisierung gibt und was das für unseren Arbeitsmarkt in Deutschland bedeutet. Vielleicht ist hier das ungläubige Staunen besser verpackt. Politiker halt. Poker Face. Aber man kann es doch irgendwie erahnen.

Überraschungen aus Berlin – Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft

Umso erfreulicher ist es dann, wenn ich hier auch etwas Positives aus dem politischen Berlin berichten kann. Das wird dem einen oder der anderen vielleicht gleich auch Erstaunen abringen, aber so ist das eben in Berlin. Es gibt immer noch positive Überraschungen und meistens von Seiten, von denen man es vermeintlich nicht glauben mag.

Mein Stellvertreter beim Bundesverband für selbständige Wissensarbeit e.V. schrieb überschwänglich vor kurzem, es zeichnet sich Licht am Ende des Tunnels ab. Das klingt ja erstmal positiv.

Seit Beginn der neuen Legislaturperiode und den anfänglichen Irrungen und Wirrungen unserer gewählten Parteien, ob wir aus Deutschland ein zweites Jamaika… Pardon. Eine Jamaika-Koalition regieren soll oder doch lieber die Große Koalition, hat sich einiges getan. Auch beim Thema neue Erwerbsformen, wie das Freelancertum noch immer genannt wird.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) startete mit etwas Neuen und Innovativen in die Legislaturperiode. Zum ersten Mal gibt es innerhalb eines Bundesministeriums eine eigene Abteilung „Digitalisierung und Arbeitswelt“, die sich um das Thema „Digitale Transformation und Arbeit“ kümmert. Innerhalb dieser Abteilung gibt es zusätzlich einen etwas losgelösten Think Tank. Die „Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft“.

Das BMAS schreibt über ihre Denkfabrik, dass sie eine „neuartige, interdisziplinär und agil arbeitende Organisationseinheit […], die Funktionen und Arbeitsweisen eines klassischen Think Tanks und eines zeitgenössischen Future Labs verbindet.“

Häufig liegen Welten zwischen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Doch bei der Denkfabrik stehen Taten hinter den netten Worten.

Bei dem Einsatz von hochqualifizierten Freelancern muss sich etwas ändern

In meiner Funktion als Vorstandvorsitzender des Bundesverbandes für selbständige Wissensarbeit e.V., stehen wir im Austausch mit dem Bundesministerium. Es lässt sich jetzt bereits sagen, dass das Ministerium erkannt hat, dass es bei dem Einsatz von hochqualifizierten Freelancern etwas ändern muss. Wir benötigen endlich vollständige Rechtssicherheit.

Dies konnten wir bei verschiedenen Veranstaltungsformaten mit anderen Vertretern von Verbänden, Wirtschaft und Gewerkschaften deutlich machen. Und darüber hinaus mit unserer Expertise aus der Praxis untermauern.

Man merkt in Berlin, dass das Thema Rechtssicherheit beim Einsatz von selbständigen Experten gerade an Fahrt aufnimmt. Die Wissenschaft publiziert Aufsätze und auch Fachbücher und macht deutlich, dass es Handlungsbedarf gibt.

Die Bundestagsfraktion der Bündnis 90/ Die Grünen und die FDP-Bundestagsfraktion stellen Kleine Anfragen (ein Instrument welches die Oppositionsparteien im Bundestag nutzen, um Fragen an die Bundesregierung zu stellen, um Auskunft zu verschiedenen Thematiken zu erhalten oder den Standpunkt der Bundesregierung zu ermitteln) zu Themen wie dem Statusfeststellungsverfahren und dem rechtssicheren Einsatz von Freelancern.

Das SPD-Wirtschaftsforum hat ein Positionspapier mit seinen Mitgliedsunternehmen erarbeitet und fordert unter der Überschrift „Eine digitale Arbeitswelt bedarf des rechtssicheren Einsatzes von Digitalisierungsexperten!“ dringende Reformen.

Fazit

Sie sehen, es gibt Dynamiken, welche das Thema gerade stärken. Das ist gut und wichtig und zeigt, wie gehaltvoll der Dialog von Politik und Wirtschaft ist, wenn es um entscheidende Zukunftsthemen geht.

Nichtdestotrotz heißt es weiter am Ball bleiben und das Thema treiben. Nicht das sich das Licht am Ende des Tunnels als ein Zug entpuppt, der auf uns zurast. Vorsicht an der Bahnsteigkante.

Finance-Fachkräfte auf der Höhe der Zeit

Arbeitsmarkt | Unsere Kollegen

Eine der viel zitiertesten Studien darüber, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirkt, wurde 2013 von Osborne/Frey veröffentlicht. Ganz oben auf der Liste der Jobs, die durch digitale Automatisierungen wegfallen würden, standen Buchhalter und Controller. Und heute, im Jahr 2019? Ist das vor sieben Jahren gemalte Schreckensszenario nicht eingetreten.

Die Realität zeichnet ein anderes Bild

Unser Index für Finance-Fachkräfte ist im 1. Quartal 2019 auf einen neuen Höchstwert geklettert. Für diesen Index werten wir seit 2015 Stellenanzeigen aus. Seither ist er über alle Finance-Positionen hinweg um über 60 Prozent angestiegen.

Das heißt: Im letzten Quartal gab es deutlich mehr Stellenanzeigen als noch vier Jahre zuvor – dies betrifft im Übrigen auch Buchhalter und Controller. Die Realität spricht also eine andere Sprache.

Auch unser jährlicher HR-Report sieht eher positive Effekte der Digitalisierung auf die Beschäftigung der Finance-Experten. Natürlich sind die Job-Aussichten für IT-Fachkräfte, Forscher oder Vertriebler in Summe rosiger. Nichtsdestotrotz erwarten ein Drittel der Befragten für den Finance-Bereich eher positive und nur gut jeder Zehnte negative Entwicklungen in Sachen Arbeitsplätze.

Das hat uns doch etwas überrascht. Nun sollten wir subjektive Einschätzungen nicht immer für bare Münze nehmen. Sie sind Momentaufnahmen und grundsätzlich ist es fast unmöglich, die Zukunft exakt zu vorherzusagen.

Zudem halte ich die Frage, wie sich die bestehenden Finance-Jobs im Zuge der Digitalisierung verändern, für mindestens genauso spannend. Das haben wir selbst in der Hand: Was bedarf es, um über die gesamte Berufslaufbahn hinweg in dynamischen Umfeldern beschäftigungsfähig zu bleiben?

Mentale Kompetenzen bestimmen über künftigen beruflichen Erfolg

Meiner Einschätzung nach spielt die Musik dabei künftig weniger bei den fachlichen und mehr bei den Persönlichkeitskompetenzen. Die ruhigen Bahnen, in denen sich der Finanzbereich jahrelang bewegte, sind Vergangenheit.

Um die digitalen Wege zu gestalten, sind eine aktive Veränderungsbereitschaft und ein konstruktiver Umgang mit Unsicherheit vonnöten. Denn das Plan- und Regelbare – eigentlich die Domäne des Finanzbereichs – wird von den schnelllebigen Märkten oft konterkariert. Nicht mehr alles im Griff zu haben und mit schwankenden Zahlen zu leben, entwickelt sich daher zu einer notwendigen Kernkompetenz.

Umso wichtiger wird es für Finance-Mitarbeiter, eine noch größere Nähe zum Business zu entwickeln. Mehr denn je müssen sie sich mit anderen Bereichen absprechen, um gemeinsam die generierten Zahlen zu verstehen und zu interpretieren. Die ruhige Kammer ist geräumt, stattdessen geht es nun in interdisziplinäre und kommunikative Räume, in denen sich prozessaffine Finanz-Experten mit agil getakteten Mitarbeitern vernetzen.

Nur auf diese Weise können sie künftig ihre geschäftssteuernde Funktion wahrnehmen. Diese ist mehr denn je von Bedeutung, um dem Business Erkenntnisse aus den Zahlen zu liefern.

Der große Key-Treiber: Big Data

Dass Finance dafür über eine hinreichende Kompetenz in IT-Themen verfügen sollte, versteht sich von selbst. Waren es bis vor einigen Jahren noch das Wissen über SAP FI und über Business-Intelligence-Werkzeuge, geht es jetzt auch für Finanzer in Richtung Big Data, intelligenter Datenauswertung und um das Modellieren von Szenarien. In schnelllebigen und unbestimmteren Zeiten müssen wir lernen, in Szenarien zu denken und zu leben und danach eine Organisation auszusteuern – in enger Kooperation mit den Fachexperten.

Wir reden also von einer notwendigen Evolution der Kompetenzen, um im Spiel zu bleiben. Natürlich ist hierfür eine hohe Lernbereitschaft und Lernfähigkeit die Basis, die für alle Mitarbeiter gilt. Finanzer sollten sie als Chance nutzen, sich immer wieder neu zu erfinden.

Über unseren Kollegen Markus Auer

Diplom-Betriebswirt Markus Auer begann seine berufliche Karriere 1996 bei Bilfinger, wo er mehrere Jahre sowohl in operativen Management als auch in Zentralfunktionen tätig war, u.a. als Geschäftsführer der Engineering-Gruppe GKW sowie als Head of Group Controlling und Group Internal Audit.

Nach einer Funktion als kaufmännischer Spartenleiter bei der finnischen Consulting- und Engineering-Gruppe Pöyry war er zuletzt Group CFO des Planungs- und Beratungsunternehmens Lahmeyer, wo er aktiv den Verkauf vom deutschen Private Equity Gesellschafter Capiton an den französischen Energiedienstleister ENGIE gestaltete. Neben den klassischen kaufmännischen Funktionen leitet Markus Auer bei Hays das Strategieressort und zeigt sich in zahlreichen IT-Projekten und durch seine Verantwortung für das Hays Innovation Lab verantwortlich für die Digitale Transformation der Organisation.