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Was haben Jack Dorsey (Twitter), Larry Page (Google) sowie Steve Huffman (Reddit) gemeinsam? Sie alle haben den Aufbruch zu neuen Ufern gewagt und sind letztendlich doch wieder als Boomerang-Mitarbeiter in das ursprüngliche Unternehmen zurückgekehrt, um es zu führen.

Noch vor 20 Jahren wäre es für viele Unternehmen praktisch undenkbar gewesen, ehemalige Mitarbeiter erneut einzustellen, insbesondere in Führungspositionen. Doch auch heute gibt es noch Vorbehalte gegenüber den sogenannten Boomerang-Mitarbeitern. Viele Unternehmen stellen oftmals keine ehemaligen Mitarbeiter ein, weil sie eine gewisse Illoyalität empfinden, sich fragen, warum der Wechsel gescheitert ist, oder sie empfinden diese Recruiting-Strategie als einfallslos.

Fachkräfte langfristig an sich binden

Doch für uns bei Hays stellt dieses Konzept eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Fachkräftebeschaffung dar, die ausgebaut werden kann. Auch einige unserer besten Führungskräfte sind zurückgekehrt, nachdem sie anderswo Erfahrungen gesammelt haben.

Meiner Meinung nach ist es nicht mehr zeitgemäß, ehemalige Mitarbeiter für eine Führungsposition gar nicht in Betracht zu ziehen. Auf dem flexiblen Arbeitsmarkt von heute sollten Unternehmen die Rückkehr von Mitarbeitern als einen Fortschritt ansehen – insbesondere, wenn es darum geht, ein starkes Führungsteam aufzubauen, das zu ihrer Organisation passt. Die Einstellung des richtigen Boomerang-Mitarbeiters kann sogar große Vorteile für Ihr Unternehmen bieten.

Neue Perspektiven durch neue Erfahrungen

Folgende drei Gründe verdeutlichen warum:

    1. Neue Perspektiven bieten Mehrwert: Aus eigener Erfahrung und durch Gespräche mit Fachleuten und Kollegen weiß ich, dass Mitarbeiter, die sich bis an die Unternehmensspitze hocharbeiten, sich nicht einfach zurücklehnen und entspannen. Ganz im Gegenteil bewegt sie dieser Antrieb dazu, sich neuen Herausforderungen zu stellen und sich neue Fähigkeiten anzueignen. 

      In den meisten Fällen bringen die Mitarbeiter, die für eine gewisse Zeit in anderen Unternehmen gearbeitet haben und dort aufgestiegen sind, Erfahrungen und Fähigkeiten mit, die äußert wertvoll für Ihr Unternehmen sein können. Sie haben beispielsweise ein Team durch Umsatzhöhen und -tiefen geführt und gelernt, wie andere Unternehmen effiziente Anreize für ihre Mitarbeiter schaffen, oder sie bringen neue Innovationsansätze mit. Letzteres ist heutzutage besonders wichtig. Unternehmen auf der ganzen Welt werden nach wie vor von externen Akteuren aufgemischt.

      Ein Beispiel dafür sind die revolutionären Auswirkungen von Apple Pay auf das Privatkundengeschäft. Um Innovationen voranzutreiben, müssen Unternehmen einen Blick über den Tellerrand, d. h. über die eigene Branche, wagen. Mitarbeiter mit Erfahrungen in anderen Branchen können neue Perspektiven einbringen, mit denen Sie den Vorsprung Ihres Unternehmens sichern können.

       

    2. Weniger Risiken, mehr Produktivität: Die Einstellung eines neuen Mitarbeiters birgt immer ein gewisses Risiko. 46 Prozent der neu eingestellten Mitarbeiter scheitern innerhalb der ersten 18 Monate im Job. Ein häufiger Grund dafür ist, dass der Mitarbeiter nicht zum Unternehmen passt. Solche Faktoren lassen sich nur schwer beim Einstellungsprozess ermitteln. Bei einem ehemaligen Mitarbeiter hingegen haben Sie die Gewissheit, dass er in das Unternehmen passt und die Kultur sowie den Zweck Ihres Unternehmens kennt. Das wiederum minimiert das Risiko einer erfolglosen Einstellung.

      Boomerang-Mitarbeiter kennen zudem die Prozesse des Unternehmens und haben mit Kollegen zusammengearbeitet, die sie kennen und verstehen. Die Einarbeitung solcher Mitarbeiter läuft in der Regel schneller und unkomplizierter ab als bei einem neuen Mitarbeiter. Ehemalige Mitarbeiter wissen außerdem, was von ihnen und ihrem Team erwartet wird.

      Dadurch lässt sich ihr Beitrag für Ihr Unternehmen deutlich früher feststellen.
      Unternehmen setzen auf Zusammenarbeit. Kollegen, die ihre Stärken und vor allem auch Schwächen anerkennen, funktionieren deutlich besser als Team. Sie sollten jedoch nicht das Vertrauen Ihrer Mitarbeiter verletzen, indem Sie ihren ehemaligen Kollegen zur Führungskraft befördern. Berücksichtigen Sie aber, dass eine Führungskraft, die die Kompetenzen des Teams gut kennt, auch das Beste aus ihm herausholen kann.

    3. Boomerang-Mitarbeiter leisten einen positiven Beitrag für Ihre Fachkräftegewinnung: Auf dem flexiblen Arbeitsmarkt von heute kennen alle von uns, von der Fachkraft bis zum Einsteiger, ihren jeweiligen „Marktwert“. Uns ist bewusst, dass wir im Laufe unseres Berufslebens möglicherweise mehrmals das Unternehmen wechseln werden, und wir haben deshalb unsere eigene berufliche Entwicklung im Blick. Wir möchten sicherstellen, dass wir die beste Investition für einen potenziellen Arbeitgeber sind.

Boomerang-Mitarbeiter

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Flexibilität für Boomerang-Mitarbeiter

Die Sammlung unterschiedlicher Erfahrungen – sei es in einer neuen Position oder sogar eine Unterbrechung der Berufstätigkeit – ist heute ein wichtiger Aspekt für die berufliche Entwicklung und das persönliche Wachstum. Deshalb sind Unternehmen, die solche Aspekte unterstützen und fördern, bei Arbeitnehmern deutlich beliebter. Ich bin davon überzeugt, dass die Einstellung eines ehemaligen Mitarbeiters internen und externen Mitarbeitern signalisiert, dass Ihr Unternehmen offen für solche Mitarbeiter ist und sie wertschätzt. Seien Sie also stolz darauf, einen kompetenten ehemaligen Mitarbeiter erneut einzustellen, nutzen Sie die Vorteile für Ihre künftige Recruiting-Strategie und verweisen Sie im Rahmen Ihrer externen Kommunikation auf positive Beispiele von Boomerang-Mitarbeitern.

Ehemalige Mitarbeiter kehren nicht nur mit wichtigen Fähigkeiten und Erfahrungen zurück, die Ihrem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil sichern können, sondern sie können auch die Produktivität (schnell) vorantreiben sowie einen positiven Beitrag zu Ihrer Kultur und Ihrer künftigen Fachkräftegewinnung leisten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie jeden ehemaligen Mitarbeiter mit offenen Armen empfangen sollten. Sie müssen zunächst objektiv beurteilen, warum und auf welche Weise der jeweilige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hat. Zudem ist es wichtig zu erfahren, ob der Mitarbeiter tatsächlich über die nötigen Kompetenzen verfügt und zu Ihrem Unternehmen passt. Manchmal kann ein neuer Mitarbeiter Ihre Bedürfnisse besser erfüllen. Doch meiner Erfahrung nach zahlt sich die Einstellung eines kompetenten ehemaligen Mitarbeiters definitiv aus.

Heute werden Mitarbeiter oftmals dazu angehalten, das Unternehmen in einem freundschaftlichen Verhältnis zu verlassen, gute Beziehungen aufrechtzuerhalten und sich mögliche Optionen zur Rückkehr offenzuhalten. Doch auch die Arbeitgeber spielen hierbei eine wesentliche Rolle.

Wenn Sie einen effizienten „Trennungsprozess“ sicherstellen, sich die Zeit für ein Entlassungsgespräch nehmen, dem Mitarbeiter zuhören und ihn beraten, Kommunikationskanäle aufbauen und ein starkes Alumni-Netzwerk pflegen, können Sie einen großen Mehrwert für Ihre künftige Mitarbeitergewinnung generieren. Es erscheint mir absurd, eine potenziell nutzbringende Quelle an qualifizierten, kompetenten Fachkräften – und eine neue Generation an Führungskräften – außer Acht zu lassen.

Über unseren Kollegen Christoph Niewerth

Christoph Niewerth begann im Jahr 1999 seine Karriere als Account Manager bei Ascena, nach erfolgreichem Studium als Diplom-Wirtschaftsingenieur.
christoph-niewerth-web-rgb Zunächst war er als Abteilungsleiter tätig, später als Bereichs- und Niederlassungsleiter und ab 2008 als Director für die Beschäftigungsform Contracting. Im Januar 2012 wurde Christoph Niewerth als Chief Operating Officer in den Vorstand berufen und verantwortet den Vertrieb in den Specialisms IT, Finance und Sales & Marketing in Deutschland, unsere Landesgesellschaften in Dänemark, Schweden und Russland, den Bereich Talent Solutions, den Bereich Public Affairs sowie die strategische Kundenentwicklung.

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