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Mit der Frage, ob Sie sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis wegbewerben oder nicht, sollten Sie sich eingehend beschäftigen. Denn wenn Sie sich zu einem Wechsel entschließen, wird eines im nächsten Bewerbungsgespräch sicherlich zum Thema werden: Ihre Wechselmotivation. Ad-hoc-Entscheidungen sind hier fehl am Platz. 

Warum werde ich nach meiner Wechselmotivation bei einem Jobwechsel gefragt?

Könnte es Ihren neuen Vorgesetzten nicht vollkommen egal sein, warum Sie sich von Ihrem alten Arbeitgeber wegbewerben? Schließlich fängt doch mit dem neuen Job auch ein neues Kapitel in Ihrem Arbeitsleben an.

So einfach gestaltet sich die Sache leider nicht. Mit der Frage nach Ihren Gründen für einen Stellenwechsel möchten die Personaler einige der folgenden Punkte herausfinden:

  • Fluchtgedanke: Möchten Sie einfach nur weg vom alten Arbeitgeber (Gründe hierfür kann es viele geben) oder möchten Sie bewusst hin zum neuen Unternehmen?
  • Motivation und Ziele: Dies schließt sich logisch an den ersten Punkt an. Warum möchten Sie ausgerechnet in diesen Job? Warum haben Sie sich bei genau diesem Unternehmen beworben? Und was möchten Sie mit dem Jobwechsel erreichen? Haben Sie einen Plan? Das Ansinnen der Personaler ist es also, sich ein Bild über Ihre Ziele und Erwartungen im neuen Anstellungsverhältnis zu machen
  • Loyalität: Aus den von Ihnen genannten Gründen glauben Personaler Rückschlüsse auf Ihre Treue und Verbundenheit zum neuen Arbeitgeber ziehen zu können

So verschieden Ihre Antworten auf die obigen Fragen auch sein können, mit Ihren Antworten verfolgen Sie das gleiche Ziel: Ihren neuen Traumjob zu ergattern!

Was Sie grundsätzlich zu einem Jobwechsel wissen sollten

Unter den top drei Gründen für einen Stellenwechsel rangiert ein schlechtes Arbeitsklima. Nummer eins der absoluten No-Gos ist es allerdings, schlecht über vorherige Arbeitgeber zu sprechen. Egal ob das Kollegen, Vorgesetzte oder Ihrer Meinung nach unstrukturierte Prozesse sind.

Einerseits unterstreicht das den Fluchtgedanken: Sie wollen nichts wie raus aus der aktuellen Situation. Ganz egal wohin. Außerdem haben Klatsch und eventuell sogar üble Nachrede in einem Vorstellungsgespräch nichts verloren. Personaler könnten annehmen, dass Sie bei einem zukünftigen Ausscheiden ebenfalls munter über sie herziehen. Mit Plaudereien und Tratsch über ehemalige Vorgesetzte könne sich auch ein sehr qualifizierter Bewerber aus dem Rennen schießen, so Karriere-Coach Olaf Jendrny.

Was aber, wenn nun tatsächlich die Kollegen oder der aktuelle Chef Grund für Ihren Wechsel sind? Da Sie auf keinen Fall unehrlich sein sollen, empfehle ich Ihnen, die Antwort geschickt zu formulieren und sich auf die Vorzüge beim neuen Arbeitgeber zu konzentrieren, wie beispielsweise: „Nach nun fast fünf Jahren im Unternehmen sah ich keine Chance mehr, mich persönlich zu entwickeln. Daher habe ich mich dazu entschieden, mich umzuorientieren. Ich habe gehört, Sie legen Wert auf Teamarbeit und investieren viel Zeit in die Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeiter.“

Der Stellenwechsel in ein neues Unternehmen hinein kann finanzielle Vorteile mit sich bringen. Das Gehalt steht bei den Wechselmotivatoren oft an erster Stelle. Doch sollten Sie keinesfalls das Gehalt als alleinigen Beweggrund für Ihren Stellenwechsel angeben. Ähnlich wie beim vorangegangenen Beispiel könnten die Personaler vermuten, dass Sie bei einem besseren Angebot nach kurzer Zeit schon wieder kündigen werden. Auch hier ist es ratsam, die Antwort etwas weiter zu fassen.

Jobwechsel

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Gute Begründungen für einen Stellenwechsel

Bleiben wir beim Thema Gehalt. Wie formulieren Sie nun Ihre Antwort, wenn die Bezahlung Grund für Ihren Wechselwunsch ist? Sie sollten einerseits herausstellen, dass beispielsweise Ihr Gehalt – inklusive aller Benefits – im aktuellen Job weit unter den marktüblichen Gehältern liegt und Sie nach internen Gesprächen wissen, dass sich dies nicht ändern wird.

Zum einen zeigt das den Personalern, dass Sie sich mit dem Markt und Ihrer Branche beschäftigen und einen realistischen Blick dafür haben. Zum anderen zeugt es von Lösungsorientierung und Eigeninitiative und ein Stück weit Loyalität, wenn Sie zunächst intern das Gespräch suchen und alle Möglichkeiten nutzen, beim aktuellen Arbeitgeber zu bleiben.

Ratsam ist es außerdem, zusätzliche andere Wechselmotivatoren anzuführen. Und diese sogar zuerst zu nennen: „Aktuell ist mein Tätigkeitsfeld sehr eingeschränkt, weil wir im Team sehr arbeitsteilig sind. Ich möchte mich gern auch neuen Aufgaben stellen, dazulernen und dafür dann adäquat entlohnt werden.“

Sehr gute Gründe, wenn diese authentisch sind, die Sie als Beweggrund nennen können, sind beispielsweise Ihre Weiterentwicklung oder Ihr Wunsch, eine andere Branche bzw. ein anderes Arbeitsumfeld kennenzulernen. Ebenso legitim ist es anzugeben, sich auch aus persönlichen Gründen verändern zu wollen. Das kann von einem Ortswechsel bis hin zu mehr Flexibilität zugunsten der Familie gehen. Auch der Wunsch, vom KMU-Umfeld in eine Konzernstruktur zu wechseln, ist ein nachvollziehbarer Grund für einen Jobwechsel.

Wichtig bei all diesen Gründen ist allerdings, dass Sie deutlich machen, dass Sie die Entscheidung nicht leichtfertig und aus dem Bauch heraus getroffen haben. Machen Sie Ihrem potenziell zukünftigen Arbeitgeber klar, dass Sie sich bewusst für eine Bewerbung für genau diesen Job entschieden haben, indem Sie sich auf die Zukunft konzentrieren.

Einige Beispiele:

  • „Nachdem ich nun einige Jahre in der X-Branche erfolgreich tätig war, reizt es mich, meine Erfahrungen in die Y-Branche zu übertragen. Wie wir gerade alle erleben dürfen, hat die Branche Zukunft, und ich glaube, hier einen großen Mehrwert bieten zu können. Da Ihr Unternehmen führend in diesem Bereich ist, freue ich mich auf eine Chance, mich bei Ihnen einbringen zu können.“
  • „Da ich ein zweisprachiges Studium absolviert habe, freue ich mich darüber, in diesem Job meine Spanischkenntnisse endlich einsetzen zu können.“
  • „Bisher habe ich in einem kleinen Familienbetrieb gearbeitet. Das Arbeitsklima ist dort richtig toll und ich konnte in den ersten drei Jahren viel lernen. Ich strebe Führungsverantwortung an. Mein Chef und ich haben lange darüber geredet. Es gibt dort für mich aber leider keine Möglichkeit, mich dahin gehend weiterzuentwickeln. Daher bewerbe ich mich jetzt im Konzernumfeld. Ich sehe hierin eine Chance, mich innerbetrieblich langfristig in diese Richtung entwickeln zu können.“
  • „Der Standort meines aktuellen Arbeitgebers wird geschlossen. Ich bin hier familiär verwurzelt. Da Pendeln auf Dauer für mich nicht infrage kommt, schaue ich nun gezielt nach Unternehmen hier im Umkreis, mit deren Werten ich mich identifizieren kann. Ihre Firma setzt sich für den Umweltschutz ein, der mir ebenfalls sehr am Herzen liegt.“

Wie immer: Ehrlich währt am längsten, auch beim Jobwechsel

In jedem Vorstellungsgespräch gilt: Bleiben Sie authentisch und ehrlich. Beweggründe auswendig zu lernen wird Sie nicht weiterbringen. Schauen Sie, dass Sie in Ihren Antworten den Blick auf die Zukunft im neuen Unternehmen richten. Das gilt auch, falls Sie eine betriebsbedingte Kündigung erhalten haben. Viele Bewerber scheuen sich davor, dies als Grund anzugeben. Doch gerade betriebsbedingte Kündigungen sind oftmals durch die Presse bekannt. Hier können Sie davon ausgehen, dass Ihre Gesprächspartner davon wissen und Ihnen die Insolvenz Ihres vorherigen Arbeitgebers nicht anlasten.

Weitere Tipps rund um Ihre Karriere finden Sie in unserem Karriere-Center.

Kommentare


  1. Blume45

    Vielen Dank für die Informationen. Ich denke Gründe gibt es heute genug, vom Gehalt bis hin zum nervenden Chef. Da kann so ein gutes Angebot vom Headhunter ja auch schon mal ein guter Grund sein, um sich neuen Herausforderungen zu stellen.

    Antworten

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