Die Geschwindigkeit auf den Märkten nimmt zu, neue Technologien verändern die Spielregeln. Umso wichtiger wird es, dass wir mit unseren beruflichen Kompetenzen auf der Höhe der Zeit agieren. Beschäftigungsfähigkeit wird daher zu einem Schlüsselbegriff in unserer Arbeitswelt.

Das spüren wir auch in unserem jährlich erscheinenden HR-Report: In ihm ist das Thema in den letzten Jahren immer weiter nach oben in der Agenda der Topthemen gerutscht.

Folgen der zunehmenden Akademisierung von Bildung

Nur, wie gehen wir diese Beschäftigungsfähigkeit so an, dass alle davon profitieren – Unternehmen wie Mitarbeiter? Und vor allem: Was bedeutet dies für berufliche Aus- und Weiterbildung? Bei dieser Frage wird die Luft dünner. Sowohl in puncto Didaktik als auch der Themen, wie wir die Beschäftigungsfähigkeit angehen. Fangen wir mit Letzterem an: Hier spaltet es sich in eine Gruppe, die harte Themen, also praktische Fertigkeiten, bevorzugt.

Kein Wunder, wenden sich deren Apologeten gegen eine zu starke Akademisierung von Bildung und brechen eine Lanze für das gute, alte Handwerkliche. In dieses Horn haben übrigens auch einige der von uns befragten Experten zu unserer kürzlich erschienenen Fachkräftemangelstudie geblasen. Nach dem Motto: Wir müssen uns nicht wundern, wenn wir in diesem Bildungssystem zu wenig Fachkräfte entwickeln. Ganz zu schweigen von dem evidenten Mangel an Handwerkern.  

Persönlichkeitskompetenzen sind ausschlaggebend

Die andere Fraktion läuft in eine andere Richtung. Für sie sind soziale bzw. mentale Kompetenzen angesagt. Fachkenntnisse, so ihr Credo, könne sich jeder draufsatteln und diese würden ohnehin immer schneller verfallen. Stattdessen wären in der schnelllebigen Zeit der Umgang mit Unsicherheit und Komplexität angesagt, verknüpft mit Veränderungsbereitschaft und Lernfähigkeit. Nur über diese Persönlichkeitskompetenzen wären wir in der Lage, uns dauerhaft beschäftigungsfähig zu halten und dem Change konstruktiv zu begegnen.

Einiges spricht für diesen zweiten Ansatz. Allerdings würde es wohl Unternehmen überfordern, hier die richtigen Weichen zu stellen. Diese Kompetenzen zu entwickeln, müsste viel früher stattfinden, das können Unternehmen nur bedingt leisten. Wer selbst als Eltern erlebt hat, wie unser Schul- und Hochschulsystem derzeit funktioniert, hat da aber seine Zweifel.

 

Ziel: Verschmelzung von Arbeit und Lernen

Schule führt mich direkt zum zweiten Thema, der Didaktik und Methodik von Angeboten zur Entwicklung oder zum Ausbau unserer Fähigkeiten im Sinne regelmäßiger Lernkurven, die für Beschäftigungsfähigkeit unabdingbar sind. Wenn ich mir die Ergebnisse unserer Fachkräftemangelstudie betrachte, sind wir jenseits der klassischen Weiterbildungsangebote –externe oder interne Seminare – noch nicht wirklich vorangekommen. Wie wir Lernen mit Arbeit verschmelzen und eben nicht mehr in getrennten Zeitsphären stattfinden lassen: eher Fehlanzeige.

Dabei wissen wir, wie wichtig praxisnahes Lernen, am besten im Learning by Doing ist. Oder indem komplett neue Formate entwickelt werden, die vor allem eines auszeichnet: Vielfalt und Interaktion. Klar gibt es zarte Pflänzchen, wie Working Out Loud, eine innovative Form kollegialen Lernens. Aber was Stand heute läuft, ist oft noch die Übertragung alter Ansätze auf digitale Plattformen. Dazu zähle ich E-Learning, virtuelle Klassenräume oder MOOCs (Massive Open Online Courses). Das hilft bei einigen Themen, keine Frage, vor allem bei den fachnahen. Aber es ersetzt nicht den sozialen Austausch zwischen Menschen, um neue Perspektiven zu erschließen.  

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