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Fachkräftemangel, War for Talents – der Arbeitsmarkt in Deutschland ist nach wie vor deutlich unterversorgt mit Spezialisten. Immer mehr Unternehmen greifen daher bei der Deckung ihrer Mitarbeiterbedarfe auf ausländische Fachkräfte zurück oder entsenden sogar eigene Mitarbeiter aus anderen Ländern nach Deutschland.

Dies ist grundsätzlich ein positiver Trend, die Offenheit für internationale Spezialisten wird immer größer. Aber – einmal in Deutschland angekommen – wie geht es diesen Fachkräften hier? Wie empfinden sie die Unterstützungsleistungen, die sie von ihren deutschen Arbeitgebern erhalten? Was wünschen sie sich? Und wie steht Deutschland eigentlich im internationalen Vergleich da?

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Deutschland: Schlusslicht im internationalen Vergleich

Eine aktuelle Studie von InterNations, einem internationalen Netzwerk für Expats und ausländische Fachkräfte, stellt Deutschland im internationalen Vergleich eher ein Armutszeugnis aus. Befragt wurden sowohl ausländische Fachkräfte als auch entsandte Mitarbeiter, sogenannte Expats, nach ihrer Zufriedenheit mit Arbeitgeberleistungen.

Das erschreckende Ergebnis: Von den internationalen Fachkräften in allen neun Ländern der Studie sind die Teilnehmer in Deutschland mit ihrem Leben am wenigsten zufrieden. Und obwohl entsandte Mitarbeiter in Deutschland deutlich mehr Unterstützung erhalten als internationale Fachkräfte, empfindet keine der beiden Gruppen die Hilfe von Arbeitgeberseite als ausreichend.

Woran fehlt es genau?

Laut der Studie beklagen insbesondere internationale Fachkräfte, von ihren Deutschen Arbeitgebern nicht genug Unterstützung beim Umzug und bei der Eingewöhnung zu erhalten. Hier sind sie gegenüber den entsandten Mitarbeitern deutlich schlechtergestellt – für diese wird in der Regel besser gesorgt.

Dieses Ergebnis kann ich auch aus meiner praktischen Arbeit mit Kunden bestätigen. Wenn es darum geht, internationale Mitarbeiter nach Deutschland zu holen und ein für diese Zielgruppe attraktives Paket anzubieten, höre ich immer wieder „aber wir können diese Bewerber doch gegenüber unseren eigenen Mitarbeitern und deutschen Kandidaten nicht besserstellen“. Fairness in allen Ehren, aber mit dieser Einstellung wird es schwierig, internationale Fachkräfte zu begeistern und zu halten.

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Niederlande als Vorbild

Die aktuell Studie zeigt auch, dass wir uns von unseren Nachbarn, den Niederlanden, eine Scheibe abschneiden können. Hier wird deutlich, dass Mitarbeiter, denen von Arbeitgeberseite aktiv bei Umzug und Eingewöhnung geholfen wird, sich deutlich schneller und besser integrieren, und auch mit ihrem Leben im Allgemeinen deutlich zufriedener sind.

Neben den „Hard Facts“, insbesondere der konkreten Umzugshilfe, zeigt die Studie auch auf, wie wichtig weiche Faktoren für die untersuchten Zielgruppen sind. Hilfe in der Eingewöhnung und beim Netzwerken sowie der Zusammenschluss mit anderen Fachkräften, die in derselben Situation sind, wird als entscheidend empfunden.

Ein Umzug ins Ausland ist – neben allen organisatorischen Herausforderungen – auch immer eine hochemotionale Angelegenheit. Dies wird von den Arbeitgebern oft viel zu wenig unterstützt. Auch der Einfluss der häufig mit umziehenden Lebenspartner ist dabei nicht zu unterschätzen. So manche ausländische Fachkraft ist bereits nach kurzer Zeit in die Heimat zurückgekehrt, weil der Lebenspartner oder die Familie den Einstieg in das Leben in Deutschland als zu schwierig erlebt haben.

Es ist gut zu sehen, dass der Einsatz ausländischer Spezialisten in Deutschland immer weniger administrative und organisatorische Barrieren überwinden muss. Bei der Integration dieser Fachkräfte haben wir allerdings noch viel zu lernen.

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