So richtig überrascht waren wir nicht von den Experteninterviews, die wir geführt haben. Die Quintessenz: Vergesst Datenbanken, in denen Wissen von Mitarbeitern gespeichert und kategorisiert wird, sondern setzt auf die Wissensarbeiter als Menschen. Nicht mehr hochtrabend Wissensmanagement, sondern das Management von Wissensarbeitern. Es geht um unser Studienprojekt, das wir jetzt mit den Marktanalytikern von PAC durchführen, und hier vor allem um die Frage, wie Unternehmen ihr Wissensmanagement sinnvoll entwickeln. Jetzt haben wir dazu auf Basis der Expertenaussagen ein erstes Thesenpapier veröffentlicht.

Wissen bleibt am Menschen gebunden

Im Prinzip ist es ja schon fast altmodisch, auf die Wissensarbeiter selbst zu setzen, da wir doch mittlerweile fast alles digital speichern und auf Social Media oder andere schicke IT-Tools setzen, aber weniger auf die schnöde zwischenmenschliche Kommunikation zwischen Menschen. Pustekuchen, sagen die Experten: Wissen ist und bleibt an Menschen gebunden, an ihre Erfahrungen, ihr soziales Umfeld, ihren Austausch, ihre Ganzheitlichkeit. Das, was Wissen ausmacht, lässt sich nicht wirklich in Datenbanken gießen, um dann von anderen Kollegen per Mausklick abgerufen zu werden.

Gute Zeiten für Wissensarbeiter also. Denn wenn diese zentrale These stimmt, dann sollten sie mehr denn je gehegt und gepflegt werden von ihren Unternehmen und ihren Führungskräften. Gegen die gängigen Mechanismen in Organisationen lassen sie sich zum Beispiel kaum mehr an einen festen Ort und klar geregelte Arbeitszeiten binden. Und in puncto IT-Umgebung träumen sie von einer offenen Welt, in der es keine Restriktionen gibt. Sollte es hier Grenzen geben, dann, so die Experten, drohe ein kleiner GAU, weil die Wissensarbeiter dann eigene Kanäle anlegen jenseits der Firmendatenautobahn.

Unternehmen müssen handeln

Dagegen eher schlechte Zeiten für Unternehmen: Schaffen sie nicht die passende Umgebung für ihre Wissensarbeiter, dann suchen diese vielleicht das Weite und ankern woanders mit ihrem Wissen an. Mit dem klaren Bewusstsein, wie kostbar ihr Know-how ist, erst recht im Zeitalter des demografischen Wandels, dessen Dimensionen wir gerade mal erahnen.

Also lassen Sie uns wieder häufiger miteinander reden, unsere Erfahrungen austauschen. Beim gemeinsamen Lunch, wenn wir uns einen Kaffee ziehen und den Kollegen treffen, der von seinem jüngsten Projekt berichtet. Oder in einem regelmäßigen Jour fixe, in dem wir uns auf den neuesten Stand bringen und unsere unterschiedlichen Standpunkte einbringen. Trivial, aber wahr: Das Ganze ist wie immer mehr als die schlichte Addition der Einzelteile. Dies gilt auch beim Wissensmanagement. Denn der Nomade, der in seinem stillen Kämmerlein vor sich hin brütet und sein Wissen einsetzt, ist passé. Wissensarbeiter leben mehr denn je von der Vernetzung – mit Gleichgesinnten wie auch mit Andersdenkenden. Persönlich wie digital.

Wir werden sehen, wie dies die Wissensarbeiter und dann die Führungskräfte sehen, die wir in den nächsten Schritten des Projekts befragen. Wir halten Sie auf dem Laufenden und freuen uns über Ihr Feedback.

Kommentare


  1. Harald Jütte

    Es ist eine alte Tatsache das Wissen nicht über Datenbänke, Foren oder sonstigen IT Speichermedien vermittelt wird und auch dort nicht gespeichert werden kann. Die Erfahrung Wissen zu vermitteln muß erlernt werden und das dauert Zeit und Übung. Die Wissensvermittlung wird erlernt im Gespräch mit Anderen nicht im Chat. Diese Gespräche findet statt in der Pause, beim Kaffee oder auf dem Weg. Es muß aber auch Personen geben die aus Erfahrung Wissen vermitteln können. Das ist in den meisten Unternehmen nicht mehr gegeben da die erfahrenen Mitarbeiter nach Hause geschickt werden. Erfahrung kommt aber erst im Laufe der Zeit. Früher war es üblich einen Jungen und einen Alten zusammen arbeiten zu lassen damit der Alte sein Wissen an den Jungen vermitteln konnte. Das know-how im Unternehmen, erarbeitet von den Alten, wird verschenkt, Fehler die bereits vor vielen Jahren gemacht wurden wiederholt.

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    1. Frank SchabelFrank Schabel

      Hallo Herr Jütte,

      stimme Ihnen zu: Es ist keine neue Erkenntnis, dass Wissen eigentlich nur in Gesprächen fließt. Trotzdem setzen viele Unternehmen immer noch auf IT-Lösungen, wider besserer Erkenntnis.
      Wo ich allerdings ein kleines Fragezeichen machen, ist beim Begriff Wissensvermittlung, den Sie erwähnen. Das halte ich für schwieriger. Wenn Wissen in Gesprächen entsteht, dann aus meiner Sicht, weil Menschen mit den Konstrukten ihrer Gesprächspartner spielen, sie mit ihrer Welt verbinden und daraus ein Drittes entsteht. Das wäre dann vielleicht etwas mehr als Wissensvermittlung – dieser Begriff ist etwas statisch und ich finde, es geht um Wissensfluß..

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  2. D. Lux

    Ich sehe die Aufgabe darin, die verschiedenen Formen der Leistungserbringung richtig zu unterstützen.

    Ein Wissensarbeiter erledigt nicht nur Wissensarbeit, sondern hauptsächlich Organisationsaufgaben.

    Mitarbeiter nur als „Kreative“ bzw. „als Wissensarbeiter“ zu sehen, würde ebenfalls in die falsche Richtung steuerun.

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