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Wenn wir heute etwas sein sollen, dann flexibel hoch fünf. Das betrifft unsere Arbeitsrollen, in denen wir uns jederzeit mental auf neue Themen einstellen müssen. Dabei sind Unsicherheit und Flexibilität oft zwei Seiten der gleichen Medaille.

Auch die Organisationsstrukturen, in denen wir agieren, haben geschmeidig zu sein. Wer nicht flexibel aufgestellt ist, den bestrafen Kunden und Märkte – erst recht in der digitalen Welt. Eine feste Burg gibt es nicht mehr. Dass der Alltag mit seinen unzähligen Silos noch anderes widerspiegelt, ist unserem Bedürfnis nach Sicherheit geschuldet. Damit werden wir noch einige Jahre leben.

Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Auszeiten

Dagegen arrangieren wir uns seit geraumer Zeit ganz gut mit flexiblen Arbeitszeiten. Klar, flächendeckend ist das Thema noch keineswegs durch, aber in vielen Unternehmen sind sie hinreichend etabliert. Ob das für die neue Flexibilisierungsspirale in Sachen Arbeitszeit gilt, steht auf einem anderen Blatt. Hier stehen interessante Zeiten ins Haus. Vieles wird künftig ungleich komplexer, weil sich die Bedürfnisse ändern.

Mitarbeiter, die auf den Trichter kommen, kurzfristig für einige Monate auszusteigen und ein Sabbatical zu nehmen, weil sie spontan Lust auf eine Reise ans Ende der Welt haben. Kollegen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, weil sie ein Studium angehen oder für eine berufliche Weiterbildung bis auf weiteres einen Werktag pro Woche freinehmen wollen. Angestellte, die schnell Arbeitszeit freischaufeln müssen, weil ein Elternteil von heute auf morgen zum Pflegefall geworden ist und sofort betreut werden muss.

Arbeitende Menschen, die achtsam genug sind, um mit ihren Kräften hauszuhalten und für einige Monate ihre Arbeitszeit kleiner halten möchten, um frische Energie zu tanken. Berufstätige, die ein privates Projekt, sagen wir einen Ironman, im Kopf haben und ihn realisieren möchten, bevor es zu spät dafür wird. Das geht aber nur mit Training in der Arbeitszeit.

Flexibilität: Life-Work-Balance statt Work-Life-Balance

Das sind nur einige Beispiele, die zeigen, dass sich die Arbeitszeiten aus vielerlei Gründen weiter flexibilisieren werden. Künftig könnte die Losung heißen: Zeit für mich zu haben ist wichtiger als Geld. Einer Umfrage der IG Metall zufolge möchten 86 Prozent der Befragten ihre Arbeitszeit besser an ihre persönlichen Bedürfnisse anpassen. Das hat die altehrwürdige Deutsche Bahn aufgegriffen und ihren Mitarbeitern angeboten, statt einer Gehaltserhöhung mehr Urlaubstage zu erhalten.

Resultat: Die Mehrheit setzt auf mehr Zeit statt mehr Geld. Schöne neue Welt, sponsored by Generation Y? Keineswegs. Unternehmen wird dieser Trend enorm herausfordern, geht es doch nicht mehr darum, auf einer tariflichen oder unternehmensweiten Ebene Kernarbeitszeiten zu verhandeln. Vielmehr gilt es jetzt, je nach Mitarbeiter individuelle Lösungen auszuhandeln, was unsere Arbeitswelt noch komplexer macht. Denn bei allem Wunsch nach Individualität muss der Laden ja laufen und genügend erwirtschaftet werden, um das zu ermöglichen.

 

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Wissensarbeit und Experten: der Rettungsschirm?

Nur: Wer ersetzt den Kollegen, der mal kurz für drei Monate weg ist und eigentlich in laufenden Projekten benötigt wird? Wie werden die Aufgaben verteilt, wenn eine Mitarbeiterin ab sofort regelmäßig nur noch drei Tage im Büro ist, ohne dass der Teamfrieden oder -spirit zu gefährden? Denn der Rest der Mannschaft muss dann zumindest interimsweise mehr leisten. Ist das für jeden fair?

Das bedeutet: Wir müssen künftig austarieren, wie wir die berechtigten Interessen eines Unternehmens nach konstanter Qualität und nach funktionierenden Prozessen mit den spezifischen Bedürfnissen von Mitarbeitern in Einklang bringen. Erst recht, wenn diese gehalten werden sollen, da sie zu den Leistungsträgern zählen. Gleichzeitig müssen wir dem Rest des Teams gerecht werden. Wohl dem, der in der Lage ist, auch die Position seines Gegenübers wahrzunehmen und das Gesamtbild zu betrachten.

Wie so oft sind die leidgeprüften Führungskräfte gefragt, diese Triade so zu steuern, dass es für alle Beteiligten passt – wohl wissend, dass jeder Abstriche machen muss. Dies auszubalancieren verlangt ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und sozialer wie emotionaler Intelligenz. Plus den oben genannten konstruktiven Umgang mit Unsicherheit.

Wenn der HR-Bereich dann noch unbürokratische und flexible Regelungen ermöglicht, die den formalen Rahmen für diese Triade bilden, umso besser. Wie heißt es so schön: Wir arbeiten dran.

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