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"Selbstverwirklichung“, „Sinnhaftigkeit“ und „Bedeutsamkeit“. So oder ähnlich lauten die Wunschkriterien der meisten Mitarbeiter während ihres aktuellen Jobs. Jeder darf für seine Arbeit brennen – doch wer es nicht muss, kann wahrhaft zufrieden und produktiv werden.

„Es liegt etwas Hässliches darin, für Arbeit bezahlt zu werden, die man nicht mag“, schrieb die Schriftstellerin Anaïs Nin. Und Oscar Wilde könnte nicht passender ergänzen: „Arbeit erscheint mir nie als Realität, sondern als Mittel, der Realität aus dem Weg zu gehen.“

Das Phänomen der Arbeit und ihrer Ausgestaltung und die damit verbundene Erfüllung beschäftigen die Menschheit seit Jahrhunderten. Werfen wir doch nur einen Blick zurück in die Steinzeit oder in die Anfänge der Industrialisierung. Dass Gefühle überhaupt eine Rolle spielen, wenn wir über Arbeit sprechen, ist eine Entwicklung der Neuzeit und wird in der HR-Landschaft bereits leidenschaftlich diskutiert.

Doch muss der Beruf glücklich machen oder sollten wir diesen nur als Mittel zum Erwerb des Lebensunterhalts ansehen? Ich plädiere für eine Mischung aus beidem, da das komplexe Wesen „Mensch“ durchaus in drei Welten lebt und so seine eigene, unverwechselbare Persönlichkeit entwickelt.

Die Emotionalisierung der Arbeit

„Leidenschaft“, „Wichtigkeit“ und „Betriebsamkeit“ sind nur einige der viel zitierten Schlagwörter, wenn wir uns genauer anschauen, wie sich die Einstellung zur beruflichen Tätigkeit in der Vergangenheit gewandelt hat. Während unsere Vorgänger-Generationen mit dem simplen Überleben beschäftigt waren, plagen uns heute die Sorgen, ob unsere Karrieren international und aufregend genug sind, obwohl wir nur drei Studienabschlüsse, etliche Weiterbildungen und Auslandserfahrungen vorzuweisen haben. Von Selbstverwirklichung und Sinnstiftung ist überall die Rede. Und das möglichst jeden Tag. Zu jeder Zeit. Bei jeder Aufgabe.

Nach meinem Verständnis wird die Arbeit dabei mit viel Trara und Getöse jedoch zunehmend mehr inszeniert statt einfach erledigt. Sinn und Notwendigkeit verschmelzen mehr und mehr miteinander und oft bleibt die Frage zurück: Was genau macht Arbeit für eine Einzelperson bedeutungsvoll?

Mit der Arbeit etwas bewirken

Es ist im Grunde ganz einfach: Definieren wir Arbeit als zielgerichtete, soziale, planmäßige und bewusste, körperliche und geistige Tätigkeit, so laut Gabler Wirtschaftslexikon, können wir Arbeit als Tausch von Zeit und Kenntnissen gegen Geld definieren.

Unabhängig davon, ob Sie für einen DAX-Konzern, einen Mittelständler oder für ein Start-up arbeiten – in der Regel gehen Sie zur Arbeit, um Ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Unternehmen wurden schließlich nicht gegründet, um Sie mit einer sinnstiftenden Tätigkeit zu beglücken, sondern um Produkte oder Dienstleistungen hervorzubringen.

Dass Sie mit Ihrer Arbeit etwas bewirken (dass es zwischendurch immer mal wieder Phasen der Unzufriedenheit und der Verdrossenheit gibt, ist nur menschlich) und dass Sie zum Unternehmenserfolg beitragen, ist eine positive und wichtige Gedankenrichtung. Menschen brauchen Arbeit, nicht nur weil sie unser Überleben sichert, sondern auch wegen der sozialen Teilhabe und des gesellschaftlichen Ansehens.

Meiner Beobachtung nach bewegt sich die innere Haltung zur Arbeit aktuell jedoch in einem hauchdünnen Kontinuum von „Ich denke, also bin ich“ zu „Ich arbeite, also bin ich“. Ist Arbeit tatsächlich so identitätsstiftend wie vielfach angenommen? Ich denke, dass wir dies bis zu einem gewissen Grad sicherlich bejahen müssen. Dennoch darf die Selbst- und Fremdwahrnehmung bezüglich des Jobs nicht die Überhand gewinnen, sonst erleben wir meiner Meinung nach bald keine wahren Persönlichkeiten mehr, sondern eher Götterabbilder.

Motivation bei der Arbeit

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Motivation: die neue Währung im Arbeitsalltag

Doch wie steht es um die Motivation in dieser Diskussion? Kommen Glück und Zufriedenheit im Job erst durch die intrinsische Motivation, etwas Großes leisten zu wollen? Und ist Motivation erlernbar und resultiert sie ultimativ in der neuen Währung des Arbeitsalltags: „Glück“?

Der Wunsch zur Selbstverwirklichung (nicht nur) im Job ist genau das, was die heutigen Arbeitnehmer (und Menschen) von ihren Vorgängern unterscheidet. Wir streben nach einem Mehr an Freiheit und einem Mehr an Flexibilisierung, vor allem in Hinblick auf die Life-Work-Balance. Und sowieso nach einem Mehr an allem. Mehr Gehalt, mehr Leistung, mehr Anerkennung. Aber sind wir auch immer bereit, für ein Mehr an XY auch mehr zu geben?

In der Realität angekommen stoßen wir schnell an unsere Grenzen: Laut des Gallup „Engagement Index 2016“ sind gerade einmal 15 Prozent der über 1.400 Befragten mit Hand, Herz und Verstand bei der Arbeit. Das kommt nicht von ungefähr: Denn nur jeder zweite Mitarbeiter (56 %) hat in den letzten 12 Monaten Feedback zu seinen Leistungen und ein Lob vom Vorgesetzten erhalten.

Ähnliches zeigt auch unser HR-Report 2017: Über 76 Prozent der befragten Führungskräfte gaben eine wertschätzende Kommunikation als eines der wichtigsten Instrumente für eine gute Unternehmenskultur an. Und stimmt die Kultur, sind die Mitarbeiter erwiesenermaßen motivierter, leistungsfähiger, zufriedener und engagierter.

Die Arbeit: Sinngeber für das gesamte Leben?

Zugegeben, Freiheiten einzuräumen und somit die „Sinnhaftigkeit“ einer Tätigkeit im weitesten Sinne zu fördern, ist nicht leicht. Nicht jede Beschäftigung ist immer 24/7 spannend und aufregend, sondern oftmals eher von Routine geplagt.

Führungskräfte können ihren Mitarbeitern jedoch durch Empathie, aktives Zuhören und durch die Ermöglichung eines kreativen Spielraums die Freiheit einräumen, die Fachkräfte sich so dringend wünschen. So klappt es nicht nur mit der fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung, sondern auch mit der Zufriedenheit.

Auf der anderen Seite muss die ganze „Sinn-Diskussion“ allerdings auch in der Realität ankommen. Unternehmen bezahlen Löhne für Arbeit, die von den Mitarbeitern auch geleistet wurde. Somit müssen wir am Ende ganz klar feststellen: Arbeitgeber sind in allererster Linie nicht für den Sinn des Lebens der Mitarbeiter, wohl aber für den Unterhalt des Lebens verantwortlich.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen bei diesem Thema geht, aber ich denke, dass wir stets das große Bild im Gesamten betrachten müssen, was einen Menschen und seine Zufriedenheit ausmacht. Wie sehen Sie das Thema „sinnhafte Arbeit“? Ich freue mich auf einen Austausch mit Ihnen.

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