Wer hätte gedacht, dass die Benediktiner-Regeln, verfasst im Jahre 529 von Benedikt von Nurcia, bis heute Diskussionsstoff liefern. Anselm Bilgri, ehemaliger Benediktinermönch und heute Autor, Berater und Redner, legte den 280 Teilnehmern auf dem Hays-Forum in Berlin dar, dass der Orden seit fast 1500 Jahren existiere und dieser Fakt jeden Manager dazu animieren sollte darüber nachzudenken, wie er in seiner Organisation nachhaltig führen und wirken könne.

Gehorsam kommt von "Horchen"

Bilgri hat aus den ursprünglichen Benediktiner-Regeln (einem Büchlein mit 70 Kapiteln, das er jeder Führungskraft als Lektüre empfiehlt) drei konkrete Regeln ausgewählt. Die erste Regel im Rahmen seines werteorientierten Führungskonzeptes ist Gehorsam. Bilgri begegnet der Skepsis, die diesem verstaubten deutschen Begriff weitläufig entgegengebracht wird, indem er die Bedeutungsgeschichte des Begriffes erklärt: Denn Gehorsam kommt von "Horchen" im Sinne von "aktiv Zuhören". Damit hat die Regel des Gehorsams für Bilgri die wichtigste Bedeutung, denn sie steht für die Basis guter Kommunikation von Führungskräften. Und die beginnt aus seiner Sicht mit dem aktiven Zuhören.

Muss man demütig sein?

Die zweite Regel, welche sich in ein werteorientiertes Führungskonzept nach benediktinischem Vorbild einfügt, ist Demut. Bilgri weiß um die schwierige Bedeutung dieses Wortes. Auch hier verweist er auf die etymologische Verbindung zu dem lateinischen Wort "humilitus", was als "erdverbunden" übersetzt werden könnte: mit "beiden Beinen auf dem Boden stehen" oder "Basiskontakt haben". Der deutsche Wortstamm verweist auf das Verb "dienen". Bilgri möchte den heutigen Manager durch diese Regel daran erinnern, dass es bei Führung "mehr um dienen als um herrschen" geht.

Eine weise Unterscheidung ist eine weise Entscheidung

Die dritte und letzte von Bilgri beschriebene Benediktiner-Regel lautet Unterscheidung. In der Urfassung des heiligen Benedikts findet sich hierfür der Begriff "discretio", welcher zwar der Ursprung für das deutsche Wort Diskretion ist, sich jedoch vom lateinischen Verb "discernere" ableitet, also "unterscheiden". Gemeint ist laut Bilgri die Kunst der "weisen Unterscheidung". Im Kloster hat der Abt die Entscheidungen zu treffen, welcher Mönch für welche Aufgaben zuständig ist. Dafür muss er verstehen, wer welche Talente und Befähigungen hat. Bilgri sieht darin auch eine der wichtigsten Aufgaben der modernen Führungskraft in der Organisation: die individuelle Einschätzung des Mitarbeiters und die damit verbundene individuelle Steuerung gemäß seinen Stärken und Schwächen bzw. seinem Reifegrad. Für Bilgri findet sich viel von Benedikts "discretio" in dem modernen Führungskonzept der "situativen Führung". Für die modernen Manager enthalten die Ausführungen von Anselm Bilgri sicherlich keine besonderen Überraschungen bereit, aber sie erinnern eindringlich daran, dass traditionelle Führungskonzepte bis heute Bestand haben und das Rad in der Führung nicht immer wieder neu erfunden werden muss oder kann. Es geht darum, funktionierende und bewährte Prinzipien in der Führung konsequent umzusetzen! Kleines Extra: Wir verlosen unter allen E-Mail-Einsendungen mit dem Stichwort "Buchverlosung" im Betreff an blog@hays.de drei signierte Bücher Finde das rechte Maß von Anselm Bilgri. Viel Glück!

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