Ich bin sicher, die meisten von uns würden sich im Privatleben als empathisch einschätzen, vor allem im Umgang mit unseren Lieben. Würden Sie aber sagen, dass Sie auch auf der Arbeit immer so mitfühlend und empathisch sind? Wahrscheinlich nicht.

Traditionell behandeln wir die Personen in unserem Arbeitsumfeld manchmal anders als jene, mit denen wir zusammenleben und unsere Freizeit verbringen. Wie ich in meinem letzten Blogbeitrag erläutert habe, muss sich dies ändern, und zwar schnell.

Weshalb empathisches Führungsverhalten in der heutigen Arbeitswelt entscheidend ist

Die Arbeitswelt verändert sich und es wird zunehmend wichtiger, dass wir alle unser Verständnis von Teamführung anpassen. Warum? Weil all die Veränderungen, die wir im Arbeitsumfeld beobachten – neue Technologien, neue Aufgaben, neue Kompetenzen, neue Arbeitsmodelle – von uns Führungskräften verlangen, bei der Mitarbeiterführung mehr Empathie zu zeigen und Unterstützung zu bieten.

Wie bereits in meinem vorherigen Blogbeitrag erklärt, hat empathisches Führungsverhalten nichts damit zu tun, dass man „weich“ oder ein Schwächling ist. Ganz im Gegenteil. Vielmehr geht es darum, dass Sie in der Lage sind:

  • sich Ihrer selbst bewusst zu sein und Empathie sich selbst gegenüber zu zeigen
  • sich in andere hineinzuversetzen und ihre Sicht nachzuvollziehen
  • sich selbst als Dirigenten eines Orchesters zu verstehen
  • die Eigenverantwortung Ihrer Teammitglieder für ihre Arbeit zu wecken
  • Ihren Teammitgliedern konstruktives, wertvolles Feedback zu geben

Letztlich geht es bei empathischem Führungsverhalten darum, dass Sie als Führungskraft alles in Ihrer Macht Stehende tun, damit Ihr Team erfolgreich ist. Sie gewährleisten, dass Ihre Teammitglieder die nötige Unterstützung erhalten, um kreativ zu sein, Probleme zu lösen, aus eigenem Antrieb aus ihrer Komfortzone herauszutreten und zu lernen. Wenn Sie in Ihrer Führungsrolle echte Empathie zeigen, dann sorgen Sie letztlich dafür, dass sich Ihre Teammitglieder nicht nur an dieses Umfeld des ständigen Wandels anpassen, sondern darin ihr volles Potenzial entfalten.

Wie können Sie nun eine empathische Führungskraft werden?

Die gute Nachricht ist, dass wir alle empathisches Führungsverhalten erlernen können. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen:

1. Nehmen Sie sich Zeit für eine Selbstreflexion: Das ist oft der erste Schritt für ein empathischeres Führungsverhalten. Denken Sie an all die Situationen, in denen Sie bei der Führung Ihrer Teammitglieder in weniger wünschenswerte Verhaltensmuster verfallen sind. Zum Beispiel rückt vielleicht eine Projektfrist schnell näher und ein Mitglied Ihres Teams spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Also fragen Sie die Person: „Bekommen Sie es rechtzeitig fertig?“ Ein empathischerer Ansatz wäre in diesem Fall, die Person so etwas zu fragen wie: „Der Termin ist nächste Woche. Haben Sie alles, was Sie brauchen, um es rechtzeitig fertig zu bekommen?“ Ihre Unterstützung für Ihr Team zum Ausdruck zu bringen, ist viel nützlicher und konstruktiver, vor allem in hektischen Zeiten, wenn großer Druck herrscht. Nehmen Sie sich also Zeit, darüber nachzudenken, wie Sie mit Ihren Teammitgliedern interagieren und vor allem, welche Formulierungen Sie dabei benutzen. 

 

2. Passen Sie Ihre Sprache an: Wenn Sie durch Ihre Formulierungen zeigen, dass Sie die Gefühle Ihrer Teammitglieder in bestimmten schwierigen Situationen verstehen – und dabei Empathie für ihre Lage zeigen statt reine Sympathie –, dann wirkt sich dies erheblich darauf aus, wie gut Sie als Einheit zusammenarbeiten. Aussagen wie „Ich kann sehen, wie wichtig Ihnen das ist“, „Ich weiß, dass das frustrierend sein kann“, „Mal sehen, ob wir nicht gemeinsam eine Lösung dafür finden können“ und „Ich helfe Ihnen gern, wenn ich kann“ sind der Inbegriff von empathischem Führungsverhalten als eine Art des „Mitleidens“. Solche Formulierungen sind entscheidend, um Ihren Beschäftigten zu vermitteln, dass Sie ihr Leid ehrlich teilen, statt nur zu behaupten, dass Sie es verstehen.

 

3. Seien Sie authentisch und haben Sie keine Angst, auch über Ihre Defizite zu sprechen: Zu empathischem Führungsverhalten gehört, dass Sie im Büroalltag authentisch auftreten. Dann trauen sich Ihre Teammitglieder, Sie um Unterstützung zu bitten, wodurch innerhalb Ihres Teams ein vertrauensvolles und von Lernbereitschaft geprägtes Miteinander entsteht. Scheuen Sie sich also nicht davor, zu zeigen, dass Sie eine Person „aus Fleisch und Blut“ sind, und dazu gehört auch, dass Sie Ihre Schwächen und Kompetenzdefizite offen ansprechen. Denken Sie daran, dass Ihre Führungsrolle darin besteht, „Ihr Orchester zu dirigieren“, also alle Akteure zur richtigen Zeit zusammenzuführen, um etwas Großartiges zu schaffen. Wie unser CEO Alistair Cox erklärt: „... Sie müssen nicht das qualifizierteste Mitglied Ihres Teams sein. Ihre Aufgabe ist es nicht, ‚besser‘ als alle anderen zu sein oder gar in allem ‚besser‘ als alle anderen zu sein.“ Als Führungskraft durchlaufen Sie genauso einen Lern- und Entwicklungsprozess wie Ihr Team.

 

4. Schätzen Sie die Sichtweisen anderer: Für Ihr Team und auch für Ihr Arbeitsumfeld allgemein kann es echte Vorteile bringen, wenn Sie in der Lage sind, Ihre Gedanken zu ordnen, Ihre persönlichen Ansichten zurückzustellen und zu versuchen, Situationen aus der Perspektive Ihrer Teammitglieder zu betrachten. Versuchen Sie immer, sich bei jedem schwierigen Szenario in die Lage der Mitarbeiter in Ihrem Team zu versetzen. Dadurch schaffen Sie eine Teamkultur, bei der sich alle einbringen und in der die Gedanken und Ideen aller Gehör finden. Sowohl für Ihr Team als auch für das Unternehmen insgesamt kann das nur förderlich sein. Zudem können Sie dadurch besser ermitteln und planen, was Ihre Teammitglieder von Ihnen brauchen, um Schwierigkeiten zu bewältigen, sich an Veränderungen anzupassen und Probleme zu lösen.

 

5. Schaffen Sie eine psychologisch schützende Teamkultur: Sie können davon ausgehen, dass gelegentlich Fehler passieren. Wichtig ist, inwieweit wir aus ihnen lernen und unsere Herangehensweise für das nächste Mal verbessern. Empathische Führungskräfte wissen das.      Sie schaffen innerhalb ihres Teams ein psychologisch schützendes Umfeld, in dem sich jede Person darin bestärkt und unterstützt fühlt, neue Dinge auszuprobieren und kalkulierte Risiken einzugehen, auch wenn sie Fehler macht und sich die Dinge nicht wie geplant entwickeln. Und wenn einmal Fehler passieren, dann wissen die Teammitglieder, dass sie nicht ungerechtfertigt getadelt oder bestraft werden. Stattdessen animieren die Führungskräfte ihre Beschäftigten, aus der Situation so viel wie möglich für sich mitzunehmen, sie als Lernerfahrung zu betrachten und weiterzumachen.

 

6. Zeigen Sie echtes Interesse und Anteilnahme an den Personen in Ihrem Team: Die Mitarbeiter in Ihrem Team sind Menschen und keine Roboter – behandeln Sie sie also wie Erstere und nicht wie Letztere. Zeigen Sie Ihren Beschäftigten, dass Sie „hinter ihnen stehen“ und dass Sie eingreifen können (und werden), um ihnen bei Bedarf Hilfe oder Unterstützung zu bieten. Haben Sie keine Angst, sie zu fragen, was sie von Ihnen brauchen und wie Sie ihnen helfen können, damit sie eine bestimmte Aufgabe den Erwartungen entsprechend und rechtzeitig erledigen können. Zeigen Sie außerdem Interesse an ihrem Privatleben, indem Sie ab und an zusammen einen Kaffee trinken oder Mittagessen gehen und beispielsweise fragen, wie ihr Wochenende war.

 

7. Stellen Sie Fragen und hören Sie aktiv zu: Es mag selbstverständlich klingen, aber ein wesentlicher Aspekt eines empathischen Führungsverhaltens besteht darin, Ihren Teammitgliedern aktiv statt nur passiv zuzuhören. Um es mit den Worten des verstorbenen Autors von Die 7 Wege zur Effektivität, Stephen R. Covey, auszudrücken: Sie müssen mit der Absicht zuhören, Ihr Gegenüber zu verstehen, und nicht nur mit der Absicht, zu antworten. Versuchen Sie also bei Ihrer nächsten Teambesprechung, den Aussagen Ihrer Mitarbeiter im Team aktiv und unvoreingenommen zuzuhören. Stellen Sie Fragen, umschreiben und präzisieren Sie ihre Kernaussagen und – ganz wichtig – denken Sie im Anschluss über das Gespräch nach.

 

8. Geben Sie noch besser Feedback: Feedback auf eine gute Art und Weise zu geben, ist ein zentraler Bestandteil von empathischem Führungsverhalten, da es dem Empfänger die Augen für Veränderungen öffnet, die er umsetzen muss, um erfolgreich zu sein. Eine empathische Führungskraft erklärt vor allem immer, dass ihre Aufgabe im Endeffekt darin besteht, ihre Teammitglieder bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Dazu gibt sie ihnen die nötigen Ressourcen für ihren Erfolg an die Hand und vermittelt gleichzeitig ganz klar, welche Verbesserungen sie erwartet. Letzten Endes wissen die erfolgreichsten Führungskräfte, dass es durchaus möglich ist, Empathie zu zeigen und ihre Teammitglieder zugleich wirklich für ihre Leistungen in die Verantwortung zu nehmen. Wenn Sie noch besser darin werden möchten, Feedback zu geben, dann sollten Sie sich die folgenden Tipps zu Herzen nehmen – wie in diesem Blogbeitrag dargelegt. Diese Merkmale sollte Ihr Feedback aufweisen:

    • regelmäßig, häufig und fortlaufend
    • offen und ehrlich
    • zeitnah
    • präzise
    • zukunftsorientiert
    • nicht wertend
    • unter vier Augen

Empathisches Führungsverhalten war nie wichtiger. Die Arbeitswelt unterliegt einem ständigen Wandel, und ständig werden neue Anforderungen an uns gestellt. Als Führungskräfte sollten wir daher alles daransetzen, dass jede(r) Einzelne in unserem Team das hat, was sie oder er braucht, um jetzt und in Zukunft erfolgreich zu sein.

Über unseren Kollegen

Christoph Niewerth begann im Jahr 1999 seine Karriere als Account Manager bei Ascena, nach erfolgreichem Studium als Diplom-Wirtschaftsingenieur. Zunächst war er als Abteilungsleiter tätig, später als Bereichs- und Niederlassungsleiter und ab 2008 als Director für die Beschäftigungsform Contracting. Im Januar 2012 wurde Christoph Niewerth als Chief Operating Officer in den Vorstand berufen und verantwortet den Vertrieb in den Specialisms IT, Finance, Legal, Retail und Sales & Marketing in Deutschland, unsere Landesgesellschaften in der Schweiz, Österreich, Dänemark, Schweden und Russland, den Bereich Talent Solutions, den Bereich Public Affairs sowie die strategische Kundenentwicklung.

 

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