In der Vergangenheit wollten Bewerber zu ihrem Arbeitgeber passen. Heute werden andere Maßstäbe gesetzt, denn die Bewerber sind anspruchsvoller geworden und verlangen, dass ein Unternehmen auch zu ihnen und zum eigenen Lebensmodell passt.

Diese neue Einstellung der künftigen Fachkräfte sorgt für eine größere Konkurrenz zwischen den Marken. Sie kämpfen darum, die besten Talente anzuziehen und zu binden – und die beste Rüstung für diesen Kampf ist Ihre Employer-Brand. Eine starke, klar definierte Employer-Brand hilft Ihnen nicht nur dabei, die geeignetsten Fachkräfte für Ihr Unternehmen zu gewinnen, sondern sie auch kurz-, mittel- oder langfristig zu binden.

Was macht Ihre Employer-Brand aus?

In meiner Position als Head of People Management bei Hays Deutschland habe ich viele Veränderungen und unterschiedliche Ansätze gesehen, wie Arbeitgeber ihr Employer-Branding angehen. Als ich vor rund 20 Jahren bei Hays angefangen habe, war das Thema Employer-Branding noch ganz neu. Mittlerweile spielt das Konzept für Unternehmen auf der ganzen Welt eine wichtige wirtschaftliche und strategische Rolle.

Ihre Employer-Brand vermittelt Menschen einen Eindruck von Ihrem Unternehmen als Arbeitgeber. Es ist äußerst wichtig herauszufinden, was Ihr Unternehmen einzigartig macht und diesen Aspekt überzeugend nach außen zu kommunizieren. Dadurch können Sie bestimmen, wie leistungsstark Ihr Unternehmen bei der Anwerbung von potenziellen Talenten ist.

Letztendlich möchten die heutigen Bewerber eine Gemeinsamkeit zwischen ihrer Persönlichkeit und der Kultur des jeweiligen Unternehmens erkennen – und eine klare Employer-Brand ist dafür das A und O.

Neues Jahr, neue Trends

Für das Jahr 2017 tauschen viele Experten aus unterschiedlichen Branchen ihre jährlichen Prognosen über zukünftige Trends aus. Gerne möchte ich daher einige der aus meiner Sicht wichtigsten Employer-Branding-Trends für das neue Jahr mit Ihnen teilen.

1. Glaubwürdigkeit und Personalisierung bleiben wichtig

Im digitalen Zeitalter kann es für Unternehmen schwierig sein, ihre Employer-Brand effektiv zu differenzieren. Die meisten Unternehmen haben ähnliche Karrierewebsites und auch ihre Social Media-Plattformen zur Personalgewinnung scheinen ähnlich aufgebaut zu sein: voller Bilder von Spenden- und Teamveranstaltungen.

Doch die Employer-Brand muss authentisch und echt sein, damit sich Bewerber von ihr angezogen fühlen und beurteilen können, ob sie zu Ihrem Unternehmen passen. Schließlich hat jedes Unternehmen eine unterschiedliche Kultur und eine einzigartige Community. Warum also nur einen gewöhnlichen Onlineauftritt wählen, wenn Sie den Kern Ihrer Unternehmenskultur präsentieren könnten?

Um eine authentische Employer-Brand zu entwickeln, müssen Sie zunächst die Meinung Ihrer aktuellen Mitarbeiter zu Ihrem Unternehmen einholen. Ihr Personal ist in vielerlei Hinsicht die „Geheimwaffe“, wenn Sie eine effektive Employer-Brand schaffen möchten. Nehmen Sie sich die Zeit und versetzten Sie sich in die Lage Ihrer Mitarbeiter, unabhängig davon, ob anhand von Zielgruppen, Umfragen, Meetings, Mitarbeiterkonferenzen oder mehrerer informeller Gespräche mit einzelnen Mitarbeitern. Dabei werden sich eindeutige Themen abzeichnen, aus denen eine einheitliche und authentische Employer-Brand entwickelt werden kann.

Sie können dabei sogar noch einen Schritt weitergehen, indem Sie Ihre Mitarbeiter ihre Erfahrungen mit den Bewerbern teilen lassen. Nichts ist authentischer als direkt von einem Mitarbeiter zu erfahren, wie die Arbeit in dem Unternehmen ist und was das Unternehmen für sie bedeutet. Die Employer-Brand auf Grundlage der Ideen und Erfahrungen der Mitarbeiter aufzubauen, verleiht ihr eine einzigartige Glaubwürdigkeit – denn sie stützt sich nicht auf Theorien oder auf das, was die Bewerber Ihrer Meinung nach hören möchten, sondern sie ist wirklich echt. Langfristig betrachtet ist das der effektivste Weg, die passenden Bewerber anzuziehen.

Ich glaube, dass auch die Personalisierung eines Unternehmens eine wichtige Rolle für Bewerber spielt. Sie müssen das Interesse der Bewerber wecken, indem Sie ihnen eine personalisierte Erfahrung bieten – sei es über Ihre Website, Ihren Blog oder ein persönliches Gespräch mit einem Ihrer Mitarbeiter.

Es gibt viele Möglichkeiten, den Rekrutierungsprozess zu personalisieren. So können Sie beispielsweise die Bewerber im Rahmen des Vorstellungsgesprächs durch das Büro führen, ihnen nicht nur ihre zukünftigen Vorgesetzten, sondern auch die Teammitglieder vorstellen, oder Sie lassen sie als Beobachter an einem Meeting teilhaben. Personalisierung kann bei der Anwerbung und Bindung geeigneter Mitarbeiter entscheidend sein.

2. Steigende Bewerberzahlen aus unterschiedlichen Generationen werden die Employer Brand weiterhin beeinflussen

Anknüpfend an das vorherige Thema Personalisierung ist es wichtig zu berücksichtigen, dass die heutigen Bewerber aus ganz unterschiedlichen Generationen kommen – das ist eine völlig neue Herausforderung. Generation Z, Millennials, Generation X und Babyboomer arbeiten heute in einem Team zusammen.

Die Anforderungen und Erwartungen dieser Generationen sind unterschiedlich. Was die eine Gruppe möchte, kommt für die andere möglicherweise nicht infrage. Ihre Bonus- und Vergütungspakete müssen deshalb flexibel gestaltet werden, um die Bedürfnisse der generationsübergreifenden Fachkräfte zu erfüllen.

Auch an das Thema Online-Rekrutierung gehen die Generationen unterschiedlich heran. So sprechen Millennials beispielsweise Inhalte auf Instagram oder Snapchat an, während ältere Generationen eher eine konventionelle Website bevorzugen.

3. Die wachsende Gig-Economy wird sich deutlich auf Employer-Branding auswirken

Jede Employer Branding-Strategie sollte weitreichende Trends im Bereich Personal berücksichtigen. Immer mehr Unternehmen beschäftigen befristete Fachkräfte, Zeitarbeiter oder Freiberufler. Deshalb müssen sich traditionelle Konzepte im Bereich Employer Branding ändern, die nur auf festangestellte Mitarbeiter ausgerichtet sind. Um die besten Talente aus einer wachsenden Community von befristeten, freiberuflichen oder Zeitarbeitern anzuziehen, müssen Sie Ihre Marke grundlegend überdenken.

Außerdem sollten Arbeitgeber sicherstellen, dass das Unternehmen für Bewerber und Mitarbeiter, unabhängig von ihrem Beschäftigungsverhältnis, ein positives Arbeitsumfeld bietet. Ein Beispiel: Es ist wichtig Strukturen einzuführen, durch die wichtige Neuigkeiten und Informationen im Unternehmen einheitlich sowohl an befristete bzw. Teilzeitmitarbeiter als auch an Vollzeitmitarbeiter weitergeleitet werden. Dadurch wird sichergestellt, dass jeder Mitarbeiter gleichermaßen in das Tagesgeschäft einbezogen wird.

4. Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) können die Personalrekrutierung revolutionieren

Im Jahr 2016 setzten sich VR und AR in der breiten Öffentlichkeit durch. Diese Technologien haben das Potenzial, jeden Aspekt des modernen Lebens zu beeinflussen – von unseren Lern- bis hin zu unseren Einkaufsmethoden. Pokémon Go war erst der Anfang! Ich glaube, dass VR und AR ab dem Jahr 2017 die Art, wie Employer Brands kommuniziert werden, grundlegend verändern werden.

Beide Technologien werden bereits angewandt. Deutsche Bahn setzt VR ein, um neuen Mitarbeitern ihren Arbeitsalltag als Lokführer näherzubringen. Die Commonwealth Bank of Australia nutzt VR Careers Experience, um den Rekrutierungsprozess zu verbessern und die Erfahrung der Bewerber im Assessment-Center durch eine neue und einzigartige Komponente zu bereichern.

Diese leistungsstarke Technologie kann vielseitig angewandt werden – als ein Tool, um die Unternehmensgeschichte zu kommunizieren oder einen virtuellen Bürorundgang anzubieten, bis hin zum Einsatz von AR, das im Rahmen des Bewerbungsgesprächs und des Rekrutierungsprozesses eingesetzt werden kann. Das umfassende Potenzial dieser Technologien wird sich jedoch möglicherweise erst im Laufe der nächsten Jahre vollständig entfalten.

Ruhen Sie sich nicht auf den Erfolgen Ihrer Employer-Brand aus

Welche Schlüsse können wir ziehen, wenn wir diese Trends ermitteln und zusammenfassen? Themen wie Glaubwürdigkeit und Differenzierung der Marke bleiben weiterhin wichtig. Der durch technologische und soziale Veränderungen bedingte grundlegende Wandel in der Art und Weise, wie Menschen mit ihrer Arbeit, dem Arbeitsumfeld und dem Rekrutierungsprozess interagieren, wird sich stark auf Employer-Branding auswirken.

In den kommenden Jahren werden sich viele Herausforderungen und Möglichkeiten ergeben. Dabei werden sich nur Unternehmen durchsetzen, die diese neuen Tools und Konzepte am effektivsten nutzen, um ihre Employer-Brand in einem dynamischen und technologieorientierten Umfeld zu entwickeln.

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