Trübe Kristallkugel? Ein Blick auf die Jobs der Zukunft

08, Dezember, 2015 Frank Schabel 0 Kommentare
© WavebreakmediaMicro - Fotolia.com
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Wie sich die digitale Transformation auf unsere Jobwelt auswirkt, ist ein vieldiskutiertes Thema. Der Diskurs schwankt zwischen dem Pol, dass mehr als die Hälfte der Jobs in den nächsten beiden Dekaden wie von einem Tsunami weggeschwemmt werden. Eigentlich alle Jobs, die sich über digitale Lösungen automatisieren lassen: In der Produktion sind es dann die Roboter und die sich über Sensoren selbststeuernde Produktion, die Menschen überflüssig machen. Im Büro fallen die Berufe weg, in denen Menschen Daten in die Systeme eingeben und diese auswerten. Künftig mache die Software dies automatisch. Wegfallen würden daher Buchhalter, Controller und weitere Bürojobs.

Der andere, der optimistische Pol nimmt diese mögliche Entwicklung gelassen hin. Ja, vieles werde in der Tat wegfallen. Aber wie in den anderen industriellen Revolutionen auch würden neue Jobs entstehen und diesen Verlust durch neue Berufe (mehr als) kompensieren. Und in der Tat, ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Wurden komplett neue Technologien eingeführt, sprang unter dem Saldo ein Mehr an Wohlstand für mehr Menschen heraus.

Die digitale Stufe: Jobs, für die eine sehr hohe Bildung benötigt wird

Können wir die positiven Trends aus der Vergangenheit einfach auf die künftige Entwicklung übertragen? Meiner Meinung nach läuft es mit der digitalen Transformation nicht so einfach. Die Einführungen der Dampfmaschine, des Fließbands oder der IT haben stets neue Berufsbilder im mittleren Qualifikationssegment erzeugt. Jetzt scheint es so, dass in der nächsten, der digitalen Stufe vor allem Jobs gefragt sind, für die eine sehr hohe Bildung benötigt wird – und diese am besten mit der IT verbunden sind, seien es Data Scientists oder Cloud-Architekten. Was sich dagegen im mittleren Bildungsbereich an neuen Berufen entwickeln wird, steht in den Sternen.

Sicher werden wir mehr menschennahe Services benötigen, ob in der Pflege, der Beratung oder im Coaching, wie auch Dienste, die sich die oberen Schichten der Gesellschaft leisten. Aber großflächige Prognosen darüber, was unter dem Strich an neuen Jobs stehen und auf der anderen Seite wegfallen wird, halte ich für gewagt und letztlich für Kaffeesatzleserei. Die Wirtschaft ist im globalen Maßstab zu schnell geworden, als dass wir gerade auf der Ebene der Berufe noch in der Zeitmessung Jahrzehnt denken können.

Gefahr, dass sich Jobwelt spaltet

Gleichwohl: Ich stimme eher der Meinung von Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson zu, die sie während eines Interviews für die September-Ausgabe im Harvard Business geäußert haben: Es sei nicht ausgemacht, dass die digitale Entwicklung mehr Gewinner produziere. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass sich die Jobwelt spalte und weniger Menschen als noch in der analogen Welt von der Entwicklung profitieren würden. Sollte sich dies manifestieren, dann reden wir in einigen Jahren vielleicht wieder davon, Arbeitszeiten zu reduzieren. Und hoffentlich diskutieren wir dann auch, ob die Finanzierung unserer Sozialversicherungssysteme über Arbeit noch zeitgemäß ist.

Frank Schabel
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