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Wissen ist die Schlüsselressource einer modernen Volkswirtschaft. Es ist die notwendige Voraussetzung für unsere globale Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Innovation und Wettbewerbsfähigkeit entstehen in den Unternehmen durch das Zusammenspiel von internen Spezialisten und externen Experten. "Open Innovation" ist hier das aktuelle Schlagwort in der wissenschaftlichen Diskussion. Innovation lässt uns Produkte und Dienstleistungen in immer kürzeren Zyklen und mit immer höherer Qualität auf den Weltmarkt bringen und beschert Deutschland damit auch in der aktuellen Krise noch ein moderates Wachstum. Ansätze, den Markt für externe Spezialisten zu regulieren, wären folglich folgenschwerer wirtschaftspolitischer Humbug. So habe ich in meinem letzten Blogpost argumentiert.

Stichwort "Regulierung des Marktes"

Nach 13 Jahren in der Spezialistenbranche und nach Hunderten von Gesprächen mit Entscheidern in Unternehmen aus allen Branchen bin ich zu einer ganz klaren Auffassung gelangt: Deutschland hat langfristig nur eine Chance, seine globale Wettbewerbsfähigkeit und damit seinen Wohlstand zu erhalten, wenn wir den Markt für externe Spezialisten nicht weiter regulieren, sondern, im Gegenteil, endlich voll entfesseln! In einer Zeit, in der die Demographie die Industrie in Form des allgegenwärtigen Expertenmangels mit voller Wucht trifft und Zuwanderung nur leichte Linderung verschafft, bleibt uns nur eine Möglichkeit: die Know-how-Allokation, das heißt die Verteilung von Wissen und Wissensarbeitern, wirksamer zu managen. Es ist doch so: Wenn es unterm Strich weniger Experten in einem Wirtschaftsraum gibt, dann müssen diese schneller und treffsicherer von Projekt zu Projekt wandern, um diese Knappheit wieder wett zu machen. In Analogie zur volkswirtschaftlichen "Quantitätstheorie des Geldes" gilt nämlich auch für Humankapital: "Gesamtmenge an innovativem Output in einem Wirtschaftsraum = Anzahl der vorhandenen Experten multipliziert mit ihrer Umlaufgeschwindigkeit in den jeweiligen Projekten". Sie halten diesen Vergleich für zu weit hergeholt, gar absurd? Lassen Sie ihn ruhig noch einmal sacken, denn er ist nicht weniger blödsinnig als die gesamte neoklassische Wirtschaftstheorie. Spätestens hier sei gesagt: Ja – ich bin von Haus aus passionierter Volkswirt und bastele hin und wieder gerne an ökonomischen Modellen.

Beispiel: Synergie herstellen

Gerne gebe ich Ihnen aber auch ein praktisches Beispiel für die Wirkung von treffsicherer Know-how-Allokation durch gut gemanagte "Experten-Drehung". Einst hatte ich einen Kunststoff-Ingenieur bei einem Automotive-Zulieferer als Lieferantenmanager im Einsatz. Seine Aufgabe war, für diesen Kunden neue Werkzeugbauer in Osteuropa zu finden und zu qualifizieren. Das Projekt dauerte von der Markterkundung bis zur Erstbemusterung circa 15 Monate und enthielt einige Leerlauf-Phasen von mehreren Wochen. Wäre dieser Ingenieur beim Kunden nun fest angestellt gewesen, so hätte er diese Lücken mit zahlreichen B-Projekten bei seinem Arbeitgeber füllen müssen. Im Ergebnis wäre dies also ein offensichtlich ineffizienter Einsatz seines Know-hows in dieser Zeit und eine Verschwendung von Lohnkosten für das Unternehmen gewesen. Wäre er hingegen als Externer ohne mich als Agenten bei diesem Unternehmen zum Einsatz gekommen, so hätte er zusätzlich auf zwei bis drei eigene Altkunden zurückgreifen müssen. In der Hoffnung, dass diese ein paar kleinere B-Projekte für ihn gehabt hätten – meist administrativer Kleinkram für wenig Salär. Im Ergebnis für den Ingenieur also wiederum eine Verschwendung seiner Know-how-Ressourcen sowie ein signifikanter Verlust an eigenen Einnahmen durch zu geringe Tagessätze in den "Lücken-Projektchen". Doch wie ist es stattdessen durch wirksame Know-how-Allokation gelaufen? Durch einen Abgleich der Projektbeschreibung meines Kunden mit den Projektanfragen von Kollegen ist es uns im Laufe von vier Monaten gelungen, zwei weitere Unternehmen zu finden, die vor ganz ähnlichen Aufgaben in Osteuropa standen. Zwischen deren Anforderungen und den Anforderungen meines Kunden ließ sich schnell eine Synergie herstellen. Unser Ingenieur konnte in dieser Situation alle drei Projekte parallel bearbeiten und war zu 100 Prozent ausgelastet. Weiterhin konnten die drei Kunden (aus komplett unterschiedlichen Branchen) mit seiner Hilfe sogar einen "Kompetenzkreis Kunststoff" gründen und gemeinsame Initiativen anschieben, die bis heute in allen drei Unternehmen noch positiv nachwirken.

Intelligente Allokation gewinnen

Das vor dem Hintergrund dieses Blogs aber wichtigste Ergebnis war: Aus dem Wissen des Ingenieurs, das in der Ausgangssituation der deutschen Volkswirtschaft nur zu maximal 50 Prozent zur Verfügung stand, wurden durch eine intelligente Allokation mindestens 300 Prozent – 12-Stunden-Tage und Synergien einberechnet. Ein in diesem Sinn entfesselter Markt für Externe kann den Expertenmangel in Deutschland abpuffern und unsere nationale Innovationskraft und globale Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten. Es lohnt sich nicht nur, diese Botschaft im Wahljahr 2013 zu erzählen, sondern auch, sie endlich in die Tat umzusetzen. Lesen Sie auch meinen Blogpost: Krise ade?! Und nun mit Innovation zu Wachstum?

Kommentare


  1. Uwe V. Lobeck

    Danke für diesen Blog(beitrag)! Er ist wichtig und enthält weitere Impulse zum Vordenken, z.B. derartige Know-how-Allokationen gezielt beim Clusteraufbau von Beginn an einzubeziehen… es ist ein Anfang und ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf diesem Wege; solche Gedanken hatten wir ja bereits in unserer Sylter Runde erörtert und es ist großartig, wie Sie das weiter verfolgen, Herr Härlin, herzlichst, Ihr Uwe Lobeck

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