Krise, wo bist du hin? Verfolgt man die einschlägigen Medien, so schlägt einem im Januar 2013 an allen Ecken und Enden erneut ein verhaltener Optimismus entgegen: Draghi hat den Euro gerettet, die Finanzmärkte vertrauen Europa wieder und der Ifo-Index steigt. Aber sie ist noch da, die Krise. Zugeschüttet unter knapp 500 Milliarden Euro Neuverschuldung, die Bund, Länder und Kommunen seit 2008 aufgenommen haben. Zusammen mit den 1.600 Milliarden, die schon in unseren Büchern standen, ergibt das die schwindelerregende Summe von 2,1 Billionen Euro – 80 Prozent unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Deutschland, das Musterland im Herzen Europas, muss sich also dringend fragen, wie es von diesem Schuldenberg wieder herunterkommen kann. Beschäftigt man sich mit der aktuellen Diskussion, so wird einem Mix aus drei Maßnahmen das Wort geredet: Staatsausgaben runter, Staatseinnahmen hoch, Schuldenberg moderat weginflationieren.

Wachstum? Innovation?

"Wachstum" taucht in der aktuellen Diskussion, wenn überhaupt, nur als gelegentliche Forderung nach Subventionen und Konjunkturpaketen auf. Dabei kann Wachstum auch ganz anders verstanden werden: sich selbst finanzierend, organisch aus den eigenen volkswirtschaftlichen Ressourcen heraus statt mit Schulden und billigem Zentralbankgeld. Getrieben durch neue Geschäftsmodelle, getrieben durch industrielle Stärke. Basierend auf unserem Mittelstand und seinen "Hidden Champions". Basierend auf unseren Ingenieuren und Technikern, Informatikern und Chemikern, basierend auf unseren größten Assets: unserem Humankapital und unserer Innovationsfähigkeit. Humankapital ist der Schlüssel zur Innovationsfähigkeit. Innovationsfähigkeit lässt sich nicht kaufen, subventionieren oder planen. Sie entsteht seit jeher durch den offenen Austausch von Experten. Denen, die "im Thema" sind, zusammen mit denen, die von extern kommen und "über den Tellerrand blicken". Schon im gotischen Kathedralenbau, der größten Innovation des Mittelalters, war es Usus, dass die lokalen Baumeister gut bezahlte externe "freie Maurer" aus ganz Europa auf ihre Baustellen kommen ließen, denn um das einschlägige Know-how war es knapp bestellt – schon damals tobte ein "War for Talents". Interessanterweise waren die damaligen kirchlichen Machthaber klug genug, diesen Arbeitsmarkt nicht zu reglementieren. Es ging ja um nichts weniger als um die Innovation im Auftrag Gottes! "Freimaurer" waren als eine der wenigen Berufsgruppen mit dem Privileg der Freizügigkeit ausgestattet. Und ihre Bauhütten (englisch "Lodge", eingedeutscht: "Loge") waren geschütztes Gebiet, in das die klerikale Obrigkeit mit ihren Regulierungen keinen Zutritt wollte, um den Fluss der oft "heidnischen" Gedanken nicht zu stören. Wie weise!

Raus aus der Krise

Krise, bist du noch da? Wir werden nicht umhinkommen, durch Innovation aus dir herauszuwachsen. Deshalb sollten wir uns gerade jetzt die Kathedralenbauer und ihre kluge Obrigkeit zum Vorbild nehmen und die Finger von allen Maßnahmen lassen, die den Markt für Experten weiter regulieren wollen. Schon der mittelalterliche Bischof wusste nämlich: Man kann aus einem einfachen ortsansässigen Steinmetz keinen großen Baumeister machen. Aber mit einem großen Baumeister von außerhalb habe ich lange Brot und Arbeit für viele örtliche Steinmetze, Handwerker, Bäcker und Metzger. Es lohnt sich, diese Botschaft im Wahljahr 2013 zu verbreiten! Lesen Sie auch meinen Blogpost: Open Innovations und die externen Spezialisten und Open Innovations und der entfesselte Expertenmarkt

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