Recruiting im Ausland: Kirschen pflücken leicht gemacht

28, Mai, 2013 Anna Beeger 0 Kommentare
Kirschen pflücken leicht gemacht

Unterhält man sich in Fachkreisen über das Thema Rekrutierung von Fachkräften aus dem außereuropäischen Ausland, so fallen häufig die folgenden Eigenschaftsworte: aufwendig, schwierig, bürokratisch, langwierig, teuer. Es wird gelegentlich – selbstverständlich hinter vorgehaltener Hand – die Fähigkeit des eigenen Unternehmens angezweifelt, diese Fachkräfte wirklich so in die Arbeitsorganisation integrieren zu können, dass sich ein echter Mehrwert ergibt. Und häufig fällt das Wörtchen „wenn“: wenn die Bewerber nur besser Deutsch sprächen. Wenn sie nur die gewünschten fachlichen Spezialqualifikationen mitbrächten. Wenn man sich nur sicher sein könnte, dass einmal eingestellte ausländische Fachkräfte nicht schon nach wenigen Monaten die Firma wieder verlassen. Etwas salopp formuliert bezeichnet man eine solche Haltung im angloamerikanischen Raum als „cherry picking“ – es entspricht wohl am ehesten dem deutschen geflügelten Wort „sich die Rosinen aus dem Kuchen picken“. Wenn man allerdings mitten im deutschen Eichenwald steht und kein Kirschbaum weit und breit zu sehen ist, ist eventuell eine Veränderung der eigenen Perspektive angebracht.

Nachhaltige Fachkräftegewinnung

Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gibt mittlerweile in Deutschland zahlreiche sehr gelungene Beispiele nachhaltig erfolgreicher Fachkräftegewinnung aus dem Raum außerhalb von EU und EFTA. Allerdings sind es häufig sehr spezielle Einzelfälle, in denen Firmen in teilweise sehr kreativer und proaktiver Weise die Möglichkeiten ausschöpfen, die das bundesdeutsche Zuwanderungsrecht für die sogenannten Arbeitsmigranten vorsieht. Die große Masse der Unternehmen scheint jedoch in diesem Kontext eher noch die Herausforderung und die Schwierigkeiten zu sehen, statt das schwedische Möbelhausprinzip des Entdeckens der Möglichkeiten anzuwenden.

Schaut man sich einmal objektiv die Zugangsvoraussetzungen für außereuropäische Bewerber an, wird man – womöglich zum eigenen Erstaunen – feststellen, dass Deutschland eines der liberalsten Einwanderungsländer weltweit ist. Eine im Februar 2013 veröffentlichte Studie der OECD stellt fest: „Die deutsche Zuwanderungspolitik für die hoch qualifizierte Migration ist eine der offensten im OECD-Raum, sie unterliegt keiner zahlenmäßigen Begrenzung und sieht weitreichende Befreiung von der Vorrangprüfung vor. […] Die Bearbeitungszeiten (der Anträge) sind im internationalen Vergleich eher kurz, das Verfahren ist kostengünstig und die Ablehnungsquote gering.“ Hätten Sie das gedacht?

Umdenken erforderlich

Warum also wird das Thema von vielen Akteuren unseres Arbeitsmarktes immer noch eher problemorientiert gesehen? Ein Grund könnte darin liegen, dass der in Deutschland derzeit gültige gesetzliche Rahmen für die Arbeitsmigration in weiten Teilen in einer Liste von Ausnahmen besteht, die den allgemein geltenden Anwerbestopp von Fachkräften aufweichen. Ein Ansatzpunkt könnte hier ein Umdenken hin zu einer grundsätzlichen Zulässigkeit der Arbeitsmigration sein, sofern eine Liste von klar definierten Bedingungen erfüllt ist. Zwar ist dies eher ein kommunikatives Mittel, aber überlegen Sie einmal selbst, auf welche Botschaft Sie positiver reagieren würden: „Rasen betreten verboten“ vs. „Sie sollten sich nur auf dem Rasen aufhalten, sofern Sie ihn im Rahmen Ihrer landschaftsgärtnerischen Tätigkeit betreten“. Auch die grundsätzliche Haltung „Ein Bewerber aus dem Ausland kommt nur infrage, wenn er Goethe und Schiller fehlerfrei im Original zitieren kann und mit einem Prädikatsexamen einer Eliteuniversität sowie fünf Jahren relevanter Berufspraxis daherkommt“ sollte man kritisch hinterfragen. Zugegeben, ich überspitze – ein wenig. Aber es gibt bei entsprechender Offenheit wirklich zahlreiche steuerlich geförderte Qualifizierungsmöglichkeiten für die zugewanderten Arbeitskräfte, und mit etwas gutem Willen von allen Seiten lassen sich viele der gefühlten Hürden relativ pragmatisch beseitigen.

In der Gewinnung ausländischer Fachkräfte sollte man sich immer wieder klarmachen, dass nicht nur der Bewerber sich der Firma vorstellt, sondern genauso der potenzielle Arbeitgeber und auch Deutschland als zukünftiger Lebensmittelpunkt mit auf dem Prüfstand stehen. Legt man hier eine offene, positive und pragmatische Grundhaltung an den Tag, sollte der erfolgreichen Kirschernte eigentlich auch nichts mehr im Wege stehen.

Anna Beeger
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