Ist das deutsche Bildungssystem zu langsam für den Arbeitsmarkt?

21, Oktober, 2015 Christina Wolf 0 Kommentare
© freshidea - Fotolia.com
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Die Themen Fachkräftemangel und demografischer Wandel sind allgegenwärtig und wir können sie fast schon nicht mehr hören. Dennoch sind sie für uns natürlich enorm wichtig. Ich möchte heute aber einen anderen Punkt beleuchten, der genauso wichtig für den deutschen Arbeitsmarkt und die Industrie ist: das deutsche Bildungssystem.

Hier liegt nämlich laut dem Hays Global Skills Index (HGSI) in Deutschland die Krux. Im HGSI werden für jedes Land Noten von 0 bis 10 vergeben, mit denen die Bedingungen auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt bewertet werden. Die Note basiert auf einer Analyse von sieben gleich gewichteten Indikatoren durch das Marktforschungsunternehmen Oxford Economics. Jeder Indikator steht für einen eigenen Arbeitsmarktfaktor wie Bildungsniveau, Flexibilität des Arbeitsmarktes und Lohndruck. Je höher die Note ausfällt, umso schlechter ist der Wert. Deutschland hat sich auf 6.4 Indexpunkte verschlechtert (2014 lag es noch bei 6.2 Indexpunkten).

Schlechte Noten für die „Bildungsflexibilität“

HGSI-2015-Indikatoren-DeutschlandBeim Punkt „Bildungsflexibilität“ sind wir im Europavergleich mit 6.2 Punkten eher im hinteren Feld. Ist das deutsche Bildungssystem zu träge? Können Trends und Anforderungen der Wirtschaft wirklich nicht schnell umgesetzt werden? Ich denke: eindeutig ja! Haben Sie die ganze grauenhafte Bologna-Umstrukturierung auch noch so deutlich vor Augen wie ich? Dieser Prozess zog sich über Jahre hin. Gut, offiziell begann er 1999 und er sollte 2010 abgeschlossen sein. Zu diesem Zeitpunkt, also nach elf Jahren, war die Reform immerhin in 85 Prozent der Hochschulen/Universitäten in Deutschland umgesetzt. Aber einige Studiengänge, beispielsweise Lehramt, Medizin und Jura, verweigern sich dem Bologna-Prozess bis heute erfolgreich. Auch gab und gibt es regen Widerstand von Studierenden und den Hochschulen. Für mich spricht das nicht für einen Erfolg… und schon gar nicht für einen schnellen.

In Deutschland mahlen die Mühlen langsam

Aber Hand aufs Herz: Welche Themen werden in Deutschland schon wirklich „schnell“ umgesetzt? Der Kita-Ausbau etwa? Nein. Die Lieferungen der neuen Gewehre für die Bundeswehr? Nein. Der neue Asyl-Prozess im Rahmen der Flüchtlingsthematik? Nein. Wie lange warten Sie darauf, dass Ihr Antrag auf eine Kur bearbeitet wird? Lange? In Deutschland ist nun mal alles sehr bürokratisch organisiert und läuft darum langsamer ab als vielleicht in anderen Ländern. Was einerseits durchaus gut und berechtigt ist, hindert uns andererseits daran, mit den Entwicklungen der Zeit Schritt zu halten. Und wenn den neuen Fachkräften schon nicht die richtigen Hard Skills an den Hochschulen vermittelt werden, wie soll die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich bestehen? Eben! Die Mühlen sollten dann doch etwas schneller mahlen.

Übrigens: Auf der englischsprachigen Seite hays-index.com finden Sie den Skills Index für 31 Länder und können mehrere Länder miteinander vergleichen.

Christina Wolf
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