Internationale Rekrutierung einmal anders – Refugees welcome!

06, Oktober, 2015 Anna Beeger 0 Kommentare
© karepa - Fotolia.com
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Angesichts der überwältigenden Aufmerksamkeit, die das Thema Flüchtlinge im Moment medial und auch sonst allerorten genießt, habe ich mir lange überlegt, ob es wirklich notwendig ist, dass auch ich noch meinen Senf dazublogge. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir jedoch, dass ich gar nicht darum herumkomme. Denn mein Steckenpferd ist die internationale Rekrutierung, und unter diesem Aspekt möchte ich das Thema gerne einmal beleuchten.

Es ist erfreulich zu sehen, dass es immerhin erste Stimmen gibt, die die Flüchtlingssituation auch unter dem Aspekt des Fachkräftemangels und des potenziellen volkswirtschaftlichen Schubs bewerten, der zukünftig damit verbunden sein könnte. Allerdings wird dies – wenn überhaupt – eher vage und allgemein diskutiert. Natürlich ist klar, dass wir Möglichkeiten schaffen müssen, im Ausland erworbene berufliche Qualifikationen hier möglichst schnell anzuerkennen. Und natürlich ist es sehr wichtig, ausreichend viele Deutschkurse anzubieten. Flüchtlinge, die mehr als drei Monate im Land sind, dürfen nach den neuen gesetzlichen Regelungen unter bestimmten Voraussetzungen hier arbeiten. Wir sollten alles dafür tun, damit sie schnellstmöglich in die Lage versetzt werden, dies auch zu tun.

Erfreulich sind daher erste Initiativen, die konkret einen Beitrag leisten wollen. Zum Beispiel die Plattform workeer.de. Eine Jobbörse speziell dazu geschaffen, um Geflüchtete und interessierte Arbeitgeber zusammenzubringen. Für alle Seiten kostenlos und aus einer studentischen Abschlussarbeit entstanden. Eine großartige, pragmatische Idee, um schnell und sichtbar etwas auf die Beine zu stellen. Und aktuell finden sich dort immerhin 821 Bewerber und 1.419 Jobs – vermutlich zwar nur ein Bruchteil der möglichen Angebote, aber immerhin ein Anfang.

Auch hört man wiederholt Gerüchte, große deutsche Industrieunternehmen mit chronischem Ingenieurmangel würden teilweise Scouts in die Erstaufnahmeeinrichtungen schicken, um dort potenziellen Mitarbeiternachwuchs direkt zu identifizieren. Wunderbar! Aber natürlich muss es langfristig darum gehen, nicht nur High Potentials zu identifizieren, sondern möglichst nachhaltig dafür zu sorgen, allen Interessierten die Türen zum deutschen Arbeitsmarkt zu öffnen.

Nachdenklich gemacht hat mich unter diesem Aspekt besonders der Austausch mit einem syrischen IT-Spezialisten, der bereits mehr als 20 Jahre in Deutschland lebt und erfolgreich arbeitet. Er engagiert sich momentan ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe und erzählt, dass in Syrien die Suche nach einem Arbeitsplatz oftmals stark davon abhängt, wen man kennt und welche Beziehungen man hat. Für syrische Flüchtlinge sei es teilweise ein echter Augenöffner, dass man sich in Deutschland ganz formell mit einem Lebenslauf und einem Anschreiben bewirbt, dann ein Vorstellungsgespräch mit einer meist unbekannten Person führt und auf Basis von Bewerbungsunterlagen und Gespräch dann darüber entschieden wird, ob man ein Jobangebot erhält.

Eigentlich hätten mich solche Dinge aber gar nicht überraschen sollen. Denn nichts anderes erleben wir in unserer internationalen Rekrutierungspraxis auch häufig. Andere Länder, andere Sitten – und trotzdem aus meiner Sicht eine riesengroße Chance für Deutschland!

Anna Beeger
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