Führungsstil – Segeln auf Sicht

24, März, 2015 Gastautor 1 Kommentar
© Andrew Bayda - Fotolia.com
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Haben Sie es auch schon festgestellt? Wer die zum Teil völlig gegenläufigen Prognosen von Wirtschafts-Experten über die letzten Jahre vergleicht und auf ihren Realitätsgehalt überprüft, muss zu der Feststellung kommen – Vorhersagen über einen längeren Zeitraum sind schlicht nicht mehr möglich. Zu vernetzt ist heute die Welt, kleine, nicht vorhersehbare Effekte können eine Lawinenwirkung haben. Kausalität und Linearität sind so nicht mehr gegeben, sind nur zwei Aspekte in einem komplexen Gefüge. Was bedeutet das für Führungskräfte? Wie hat sich ihr Alltag verändert?

Der Führungsalltag wird komplexer…

Ende 2014 habe ich mit meinem Galileo . Institut für Human Excellence genau zu diesen Fragen eine Umfrage unter 82 Führungskräften durchgeführt. Über die Hälfte (52,56 Prozent) der Befragten empfindet es als größte Herausforderung im Management-Alltag, dass die täglichen Aufgaben immer komplexer werden.

…und weniger planbar

Grafik1Dass Planbarkeit immer schwieriger wird, dies aber trotzdem „von oben“ erwartet wird, erleben 50 Prozent der Umfrageteilnehmer als große Belastung. Mit einigem Abstand wird von rund einem Drittel der Manager (34,6 Prozent) der fehlende Freiraum zum Gestalten als größte Herausforderung bei der täglichen Führungsarbeit empfunden.

Diese Tendenzen decken sich mit dem Eindruck, den ich in unzähligen Gesprächen in meinen Coachings mit Führungskräften in letzter Zeit gewonnen habe. Viele sind zutiefst verunsichert. Die zunehmende Komplexität macht es immer unmöglicher für den Einzelnen Lösungen zu entwickeln – gleichzeitig herrscht noch immer in vielen Unternehmen das Bild von der omnipotenten Führungskraft.

Anpassung Fehlanzeige

Wir stehen also vor dem Problem, dass sich die äußeren Bedingungen extrem geändert haben, viele Unternehmen aber an alten Strukturen festhalten. Nicht nur als Coach, sondern auch als Diplom-Biologin, die davon überzeugt ist, dass die Natur für die Wirtschaft der beste Lehrmeister überhaupt ist (vgl. hierzu bioSystemik®), kann ich davor nur warnen: In der Evolution setzen sich jene durch, die eben nicht ihren Stiefel auf Teufel komm raus weitermachen, sondern jene, die sich anpassen.

Was können Unternehmen tun?

Studien zeigen (vgl. z.B. Führungskultur im Wandel), dass mit Netzwerken, mit denen die Intelligenz einer Gemeinschaft genutzt wird, heute die innovativsten und gewinnbringendsten Lösungen entwickelt werden können. Unternehmen, die sich diesem Konzept öffnen – und mittel- bis langfristig werden sie das tun müssen, um am Markt bestehen zu können – werden sich auch neuen Führungsmodellen und -typen stellen müssen. Wenn keine langfristigen Planungen möglich sind, dann benötigt man eine neue Vorgehensweise, die Unsicherheiten aushalten kann und mit der flexibel auf sich ständig verändernde Rahmenbedingungen reagiert werden kann.

Unsicherheit aushalten, Flexibilität lernen

Grafik2Diesen iterativen, sich langsam vortastenden Schritt für Schritt-Führungsstil kann man auch als Segeln auf Sicht bezeichnen. Auf emotionaler Ebene erleben dies viele Führungskräfte, die es ja de facto heute schon praktizieren müssen, als Schwimmenlernen im offenen Meer. In einem sehr stürmischen Meer, in dem sie vollkommen auf sich zurück geworfen sind. Dieses langsame Vortasten, die jederzeitig mögliche Kurskorrektur stellt schließlich alles auf den Kopf, was sie jemals über Führung gelernt haben.

Gelingen kann dieser Prozess nur, wenn Führungskräfte von ihren Unternehmen in dieser schwierigen Umbruchsphase Rückendeckung erhalten. Wenn sie die Möglichkeit bekommen, Fehler zu machen, dazuzulernen, wenn Unsicherheit als Teil der neuen Realität akzeptiert wird.
Die gute Nachricht lautet: Die Mehrheit der Führungskräfte (70 Prozent) Profilbild GH neuist gewillt und optimistisch, dass sie die genannten Herausforderungen durch eigene Weiterentwicklung und durch Vernetzung mit Gleichgesinnten innerhalb des Unternehmens lösen kann.

Mein Appell an Unternehmen lautet also: Geben Sie Ihren Führungskräften diese Möglichkeit! Sie schaffen sich damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil!

Über die Gastautorin Gudrun Happich

Gudrun Happich ist Inhaberin des Instituts für Human Excellence Galileo und agiert seit rund 20 Jahren als Sparrings-Partnerin für Leistungsträger an Karriereschwellen und in Krisensituationen.

Mehr auch in ihrem Leistungsträger-Blog.

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