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Seit Jahren ist das Thema Fachkräftemangel in aller Munde, wenn es um die großen arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen geht. Große Sorge wird zum Ausdruck gebracht, Deutschland könne seinen Bedarf an qualifiziertem Humankapital nicht mehr selbst decken. Es wird verbal aufgerüstet und der „War for Talents“ ausgerufen.

Und man schmeißt mit farbenfrohen Ideen nur so um sich: Visionen von bunten, multikulturellen Belegschaften, Green Cards, Blue Cards – grenzenlose Arbeitswelten schimmern am Horizont.

Schaut man aber auf die empirische Realität der internationalen Rekrutierung, so muss man feststellen, dass deutsche Unternehmen internationalen Talenten eher die Rote Karte zeigen. Im HR-Report, den Hays in Zusammenarbeit mit dem Institut für Beschäftigung und Employability herausgibt, zeichnen die Zahlen ein recht klares Bild. Nur jedes vierte der befragten Unternehmen rekrutiert überhaupt international. Von diesen 25 Prozent fokussieren sich dabei 40 Prozent auf das deutschsprachige Ausland. Der Rest wendet sich zur Kandidatenbeschaffung zum großen Teil in unsere Nachbarländer im Westen und im Osten. Nur ein verschwindend kleiner Anteil nutzt den globalen Talentmarkt und streckt seine Fühler in Richtung Indien oder Fernost aus.

Verpassen wir den internationalen Anschluss?

Verschenkt die deutsche Wirtschaft damit jede Menge Potenzial? Verpassen wir vor lauter Jammern über mögliche Engpässe den internationalen Anschluss? Oder findet der Fachkräftemangel in erster Linie in den Köpfen der Entscheider statt, und in der Realität befriedigt der deutsche Arbeitsmarkt momentan noch einen großen Teil des vorhandenen Expertenbedarfs?

Ich persönlich glaube, dass der internationale Rekrutierungsmarkt sich in erster Linie selbst reguliert. Unternehmen agieren pragmatisch. Es ist aufwendiger, teurer und langwieriger, ausländische Kandidaten zu beschaffen und in die eigene Organisation zu integrieren. Nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip wird ein Unternehmen sich vermutlich nur für diesen Weg entscheiden, wenn es dafür sehr gute Gründe oder schlicht keine Alternative gibt. Derzeit scheint dies vielerorts noch nicht notwendig zu sein. Aber ich bin sicher, wenn der Schuh nur genug drückt, wird es eine schnelle, flexible und deutliche Bewegung in Richtung der internationalen Kandidatenmärkte geben.

Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ist schwierig

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Politik hier untätig warten sollte, bis sich die deutschen Arbeitgeber von allein bewegen. Insbesondere im Bereich der Zugangsvoraussetzungen zum deutschen Arbeitsmarkt gibt es sicherlich noch viel zu tun. Erste Schritte sind gemacht, aber gerade das weitere Senken der bürokratischen Schranken für den Zugang ausländischer Fachkräfte wird dafür sorgen, dass diese dann auch kommen, wenn man sie braucht.

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