Employer Branding: Sind wir jetzt beim Film?

29, Januar, 2014 Christian Jost 3 Kommentare
© Peter Atkins - Fotolia.com
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Das Nutzerverhalten im Web verändert sich immer mehr und Youtube ist mittlerweile eine der meistgenutzten Suchmaschinen. Ja, nicht Videoplattform sondern primär als Suchmaschine genutzte Seite. Klar, wer will schon seitenweise Text lesen, wenn er das in einem 2- bis 3-Minuten-Filmchen anschaulich gezeigt bekommt. Das Web wird also immer multimedialer. Zum einen wegen des veränderten Nutzerverhaltens, sicher jedoch auch bedingt durch die technischen Möglichkeiten. Die Bandbreiten auch bei mobiler Nutzung werden immer größer, so dass auf den Smartphones Videos streamen ganz normal ist. Das verändert die Kommunikation – nicht nur, aber auch in der Arbeitgebermarkenpflege. So wie die klassische Printstellenanzeige von der Onlinestellenanzeige immer mehr verdrängt wurde und wird, kommt nun auch immer mehr der Trend hin zur Video-Stellenanzeige? Direkt eingebunden oder tatsächlich extra für einen anzubietenden Job gedreht?

Emotionen sind im Employer Branding wichtig

Differenzierung auf dem Arbeitgebermarkt wird immer schwieriger, so dass einer emotionalen Aufladung schon in der Präferenzenbildung auch im Employer Branding immer mehr Bedeutung zukommt. Und sind wir ehrlich, das geht mit einem Film durchaus gut und kurzweilig. Also ist es gar keine Frage, dass wir von der Employer-Branding-Zunft immer mehr auch auf Bewegtbild setzen. Nur wie sieht ein Video aus, damit es hinterher nicht die goldene Runkelrübe verliehen bekommt (wobei man sich fragen muss, ob solch ein Award überhaupt notwendig ist). Mit der alten PR-Weisheit „Any News are good News“ will man sich meist ja dann doch nicht trösten.

Was ist ein gutes Video?

Ein gutes Video ist meines Erachtens eines, das seine Ziele erfüllt und authentisch auf die Zielgruppe ausgerichtet die wichtigsten Botschaften und Arbeitgebermerkmale kurz, emotionsgeladen und unterhaltsam und dennoch professionell und einprägsam kommuniziert. Also ganz schön viel, was es da zu beachten gilt. Make or Buy? Macht man das selbst, ist man sicher authentisch, aber eben meist auch etwas amateurhaft unterwegs. Wo ist da aber die ertragbare Grenze? Lässt man es von einer Agentur oder einer Filmproduktionsgesellschaft produzieren, läuft man Gefahr, dass andere wieder sagen: „Zu glatt, zu wenig Emotion, zu generisch oder manchmal auch einfach nur zu viel des Guten…“

Das richtige Maß zu treffen ist also nicht einfach. So haben auch wir verschiedene Versuche unternommen. Von selbst gedrehten Filmchen bis zu professionell produzierten Videos. Zum Teil sind sie jedoch schon etwas betagt, aber mit zum Teil über 3 Mio. Views dürfen sie auch bald abdanken. Zurück zur Frage Make or Buy. Irgendwie hat beides seine Berechtigung. Man hat ja mittlerweile auch verschiedene Optionen in der Verbreitung und hier ist man auf Social-Media-Kanälen sicher nachgiebiger als auf der eigenen Karrierewebsite. Wieder andere Wege sind über Video-Job-/Arbeitgebersearchsites wie Whatchado oder JobTV24 (jeder nicht Genannte bitte nicht beleidigt sein, das sind nur beispielhaft Erwähnte). Wobei mir hier der eine oder andere Ansatz zu eintönig ist. Wer kuckt sich denn mehrere Videos hintereinander an, die immer den gleichen Aufbau haben?

Lernen von guten Beispielen

Vorbildlich umgesetzt, wenn auch schon seit einer Weile live damit, hat Jörg Buckmann von den Verkehrsbetrieben Zürich das Thema Bewegtbild. Er hängt nicht nur an die Onlinestellenanzeige ein Video dran, sondern er produziert für jede Stelle ein eigenes Video, authentisch und professionell. Ja, so geht es auch! Klasse gemacht und konsequent umgesetzt!

Mittlerweile ein oller Hut, aber dennoch immer wieder funny und lehrreich und ein Klassiker, wenn man über Recruiting-Videos schreibt, sei hier der Vollständigkeit halber auch noch einmal das von Twitter lancierte Video angesprochen. Einige andere haben ähnliche Videos ernst gemeint und dennoch recht parodieartig umgesetzt, wenn auch ungewollt. Hier wären wir dann jedoch wieder bei der Runkelrübe.

Was ist Ihrer Meinung nach zu Videos zu sagen, gibt es neue Highlights, will einer unsere Videos für die Runkelrübe nominieren? Ich freue mich auf die Diskussion.

Christian Jost
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Head of People Management
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3 Kommentare

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  2. AW

    Gute Beispiele. M.E wirkt Video wenn es als Ergänzung der Standardinfos zusätzliche Eindrücke vermitteln kann (z.B. die potentiellen Kollegen der Züricher Buschauffeure).

    Wichtig sind Basics aktueller Websites (z.B. Video auch auf Tablets lauffähig, Responsive Design), nicht jeder mag in seinem Großraumbüro die Kollegen an der Jobsuche beteiligen.

    Bei aller New Media-Begeisterung essentiell ist allerdings auch hier die praktische Integration in die gesamte HR-Stratgeie. Die tolle Website, Twitter, Facebook & Video nutzen nichts, wenn HR-Ansprechpartner nicht erreichbar oder wenig auskunftsfähig sind, Anzeigen nur High-Level-Denglish nutzen oder der Bewerber Wochen später eine Standardabsage erhält.

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  3. Christian JostChris Jost

    Hallo AW,

    vielen Dank für diese vollkommen richtige Anmerkung. Das Bewerbererlebnis oder neudeutsch die Candidate Experience ist wahrscheinlich einer der zentralen Punkte, die es in einer professionellen und zeitgemäßen Personalgewinnungsstrategie umzusetzen gilt. Und zwar mit klaren SLAs gegenüber den Bewerbern und Kennzahlen, die in der Lage sind dies zu messen. Authentizität und Stimmigkeit sind in diesem Zusammenhang Coolness und höchster New Media Aktualität klar überlegen! Viele Grüße, Chris Jost

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